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Sind drei Stunden für den Schulweg am Tag zumutbar?

Der neue Taktfahrplan für die Busse im Kreis Görlitz sorgt für viel Ärger und lange Schulwege. Das Beispiel Mücka ist besonders krass.

Aus 36 Orten fahren die Oberschüler in die Comenius-Schule nach Mücka. Mit dem neuen Taktfahrplan ab neuem Jahr verlängert sich die Fahrzeit für nicht wenige von ihnen.
Aus 36 Orten fahren die Oberschüler in die Comenius-Schule nach Mücka. Mit dem neuen Taktfahrplan ab neuem Jahr verlängert sich die Fahrzeit für nicht wenige von ihnen. © André Schulze

Rund 300 Mädchen und Jungen kommen jeden Schultag in die Comenius-Schule nach Mücka. Die wenigsten sind aus der Gemeinde selbst. Die Oberschüler wohnen in 36 verschiedenen Orten. Sie sind auf den Schulbus angewiesen. Mit dem neuen Jahr soll vieles anders werden, zum Nachteil der Schüler. Darüber sind sich Eltern und Schulleitung einig.

Deshalb lud der Elternrat diese Woche zu einer Gesprächsrunde in die Oberschule ein. Rund 30 Eltern waren gekommen. Von einer großen Runde hat man bewusst Abstand genommen. Die anwesenden Eltern sollen als Multiplikatoren wirken und weitere Eltern informieren. So der Wunsch von Elternsprecher Volker Fritsche. Denn in Mücka brennt die Luft, was den neuen Taktfahrplan betrifft, nach dem auch die Mückaer Schüler ab neuem Jahr zur und von der Schule fahren sollen. Dazu war auch Florian Oest, CDU-Kreisvorsitzender, eingeladen. An seiner Stelle nahm Tilmann Havenstein teil. Er sitzt für die CDU im Bildungsausschuss des Kreistages.

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Keine Kenntnis über neuen Fahrplan

Volker Fritsche macht die Kritik an mehreren Punkten fest. Zum einen ist das Problem, dass der neue und nach der Anhörung der Schulen aktualisierte Fahrplan noch nicht diskutiert werden kann, weil er nicht vorliegt. Eine Mutter sagte: "Wir reden hier über ungelegte Eier". Denn was bekannt ist, stammt aus dem Frühjahr, als die Schulen vom Landkreis zur Stellungnahme aufgefordert wurden. Verbunden war das Ganze mit der Bitte, die Schulzeiten dem neuen Fahrplan anzupassen. Im Fall Mücka kamen die neuen Fahrpläne erst an die Schule, als die Widerspruchsfrist bereits abgelaufen war. Manche Eltern vermuten dahinter bewusstes Kalkül.

Mücka sieht dabei keinen Spielrau0m, das machte Astrid Waschnik als amtierende Schulleiterin deutlich. Jetzt beginnt die Schule um 7.40 Uhr. Die Empfehlung ist, den Schulbeginn auf 7.15 Uhr oder eine Stunde später zu verlegen. "Fangen wir 7.15 Uhr an, ist der Unterricht 13.05 Uhr zu Ende. Der Bus würde nach neuem Fahrplan aber schon 12.58 Uhr abfahren", nennt Frau Waschnick eine von mehreren Ungereimtheiten.

Oberschule legt Veto ein

Deshalb hat die Schule ihr Veto eingelegt, akzeptiert den Schülerverkehr in dieser Form nicht. Aber auch Eltern sind bereits in Widerspruch gegangen. Eine Mutter aus Nieder Seifersdorf erzählt: Ihr Sohn wurde vom Landkreis auf die Oberschule Mücka umgeschult, weil dort freie Kapazitäten waren. Die Eltern wollten ihr Kind eigentlich auf eine Nieskyer Schule gehen lassen. Jedenfalls fährt der Sohn mit dem "freigestellten Schülerverkehr", sichergestellt durch private Unternehmen, auf direktem Weg von Nieder Seifersdorf nach Mücka. Das dauert 35 Minuten.

Mit dem Taktfahrplan, der die Autobusse an die Zeiten der Bahn angleicht, sollen die Oberschüler aus Waldhufen zunächst mit dem Bus nach Niesky fahren. Dort steigen sie in den Zug, der sie bis Mücka bringt. Anschließend laufen sie vom Bahnhof in die Schule. Der Schulweg summiert sich dann auf 100 Minuten, also gut die doppelte Zeit. Und nach Hause wollen die Nieder Seifersdorfer Schüler ja auch wieder. Also gehören gut drei Stunden des Tages dem Schulweg. Dagegen hat die Mutter Widerspruch eingelegt. Eine Antwort aus dem Landratsamt hat sie bis heute nicht, sagt sie.

Astrid Waschnicks Sorge ist, dass "die Kinder schon abgekämpft in die Schule kommen, noch bevor die erste Stunde beginnt". Dabei meint sie vor allem die Fünftklässler, die aus der Obhut ihrer Grundschule nun den anderen Schulalltag erleben müssen. Außerdem lässt die Schule sich nicht in ihre Unterrichtszeiten hineinreden. Frau Waschnick stellte klar, dass die Schulzeiten von der Schulkonferenz unter Abwägung aller Umstände wie die Mittagsversorgung festgelegt werden. Mücka hat für sich ein funktionierendes System gefunden und will sich vom Kreis nicht vorschreiben lassen, wann der Unterricht beginnt.

Haltestellen sind zu klein

Zu den Kritikpunkten, die Volker Fritsche auf seinem Zettel hat, zählt auch, dass die Kinder ab neuem Jahr mehr Umsteigen müssen als bisher. Dabei entstehen Wartezeiten von bis zu über einer halben Stunde. "Die Haltestellen sind dafür gar nicht ausgelegt, wenn 20 oder 30 Schüler auf den nächsten Bus warten müssen. Wo können sie sich alle bei Regen und Schnee unterstellen?" Auch seinen Sohn betrifft das. Der Zehntklässler fährt von Groß Radisch nach Mücka.

Volker Fritsche unterbreitete den Vorschlag, einer gemeinsamen Elterninitiative beizutreten. Denn die Gemeinde Neißeaue und die Gemeinde Markersdorf stehen vor dem gleichen Problem wie Mücka. Unzufrieden ist man auch an der Oberschule Rothenburg, die ebenfalls auf die Busse angewiesen ist, die auch die Grundschule Zodel anfahren.

Die Eltern - und auch die Schule in Mücka - warten darauf, dass der Landkreis endlich die Katze aus dem Sack lässt und die neuen Fahrpläne jetzt öffentlich macht. Denn einige Eltern sehen sich schon selbst im Auto sitzen, damit ihre Kinder pünktlich in der Schule sind. "Das hat auch gravierende Auswirkungen auf das Familienleben. Nicht jeder kann seine Arbeitszeit so gestalten, dass früh noch Zeit für den Weg zur Schule ist", sagte eine Mutter und sprach damit den Landkreis an. Das Landratsamt will sich am Montag auf einer Pressekonferenz zu dem neuen Taktfahrplan ab neuem Jahr äußern und vertröstete die SZ auf diesen Termin.

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