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Kodersdorfs Schule wird erneut zur Großbaustelle

Nach dem Anbau ist der Altbau dran. Experten entdecken hier eine Schwachstelle. Der Aufwand, sie zu beheben, ist riesig. Und kostspielig.

Der Anbau der Kodersdorfer Oberschule ist seit Herbst vergangenen Jahres fertig. Schon im nächsten Jahr könnte der Komplex wieder zur Großbaustelle werden.
Der Anbau der Kodersdorfer Oberschule ist seit Herbst vergangenen Jahres fertig. Schon im nächsten Jahr könnte der Komplex wieder zur Großbaustelle werden. © André Schulze

Wer dachte, mit dem Abschlus der Bauarbeiten am neu errichteten Anbau kehrt Ruhe ein in die Kodersdorfer Adolf-Traugott-von-Gersdorf-Oberschule, sieht sich getäuscht. Denn voraussichtlich im nächsten Jahr sind die Handwerker zurück.

Dann geht es nicht mehr um den im Herbst 2020 vollendeten Anbau, sondern um den Bestandsbau und die Heizungsanlage. Dass beides in Angriff genommen werden muss, war klar. Dass es aber eine weitere Mammutaufgabe werden würde, nicht. Aktuell wird der Schulkomplex durch eine Gasheizung mit Wärme versorgt. Allerdings sind die drei Gaswärmepumpen in die Jahre gekommen. Zwei davon stehen kurz davor, auszufallen. Die Reparatur ist nur mit großem finanziellen Aufwand möglich, lohnt sich wegen des fortgeschrittenen Alters der Technik aber eigentlich nicht. Zudem funktioniert die Regelungsanlage nicht optimal. Und: Weil die Schule im Laufe der Jahre in verschiedenen Abschnitten errichtet wurde, gibt es Wärmeverluste durch mangelhafte Abstimmung der einzelnen Baukörper untereinander.

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Laut Fachplaner Frank Scholze aus Görlitz kommt bei der Erneuerung der Heizungsanlage einiges auf die Gemeinde zu. So müssen die verschlissenen Gaswärmepumpen gegen elektrische Wärmepumpen mit Pufferspeicher ausgetauscht werden. Darüber hinaus ist die Regelungstechnik zu optimieren. Sinnvoll sei eine zentrale Steuerung, aber auch individuelle Möglichkeiten in den einzelnen Klassenräumen. "Das System lernt selbst und erkennt, wenn jemand im Raum ist oder nicht - wann es also warm oder weniger warm sein muss", erklärt der Experte.

Strom soll aus eigener Photovoltaikanlage kommen

Darüber hinaus soll die Schule eine Photovoltaikanlage bekommen, die für Strom im Gebäude sorgt. Eingesetzt werden soll der unter anderem für die Wärmepumpen, eine Klimaanlage und eine Ladestation für E-Fahrzeuge. Wenn man in die Zukunft plane, müsse auch über eine dezentrale Lüftungsanlage nachgedacht werden, so Scholze. Diese soll gleichzeitig die Luft filtern, damit die Luftqualität verbessern und natürlich auch für Frischluftzufuhr sorgen. Weil die CO2-Steuer den Strompreis in den nächsten Jahren verteuern werde, sei die Amortisation der Anlage schon nach 16 Jahren möglich. Nach vorläufigen Berechnungen belaufen sich die Investitionskosten auf rund 240.000 Euro.

Dies ist aber noch nicht alles. Denn im Zuge der Heizungsoptimierung haben die Fachleute auch die Elektrotechnik unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, dass im Hauptgebäude einiges im Argen liegt. So kam Holger Simson, Elektroplaner aus Krauschwitz, zu dem Schluss, dass "die Alarmanlage übel dran ist." Die vor vielen Jahren eingebauten Produkte seien inzwischen vom Markt verschwunden. Nur mit einem Komplettaustausch könne dieses Sicherheitsrisiko beseitigt werden.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, sei auch der Einbau einer Amokalarmierung wichtig. Zudem müsse die Einbruchmeldeanlage auf den neuesten Stand gebracht werden. Schließlich gehe es auch um die EDV-Anlage. Im Anbau habe man den von der Landesregierung empfohlenen Standard realisiert, im Altbau stehe dies noch bevor. "Zu alldem sind jedoch Durchbrüche und Kabelkanäle nötig. Wir müssen da in jeden Raum", so Simson.

Baupreise könnten bis nächstes Jahr explodieren

Nach jetzigem Stand entstehen der Gemeinde dadurch rund 220.000 Euro Kosten. Ob das so bleibt, ist ungewiss. "Die Werte beziehen sich auf den April 2021. Allein bei den Preisen für Kabel sind die Preise in den letzten acht Wochen um 100 Prozent gestiegen", weist der Planer die Gemeinde auf finanzielle Risiken in der Kalkulation hin. Was man für ein solches Projekt im nächsten Jahr bezahlen müsse, könne heute noch keiner sagen.

Voraussichtlich 2022 soll das Bauprojekt aber umgesetzt werden, die Summen dafür müssen im Haushalt stehen. Was letztlich von den Ideen umgesetzt wird, darüber müssen die Gemeinderäte noch befinden. Schnellstmöglich gilt es zudem, die notwendigen Förderanträge zu stellen. Wann es dann mit der Umsetzung klappt, ist noch nicht sicher. "Wir hoffen, dass wir die am meisten störenden Arbeiten in den Sommerferien erledigen können. Auch wenn das eine große Herausforderung ist, werden wir - im Zusammenspiel mit Lehrern und Schülern - sicher eine gute Lösung finden", ist Bürgermeister René Schöne optimistisch.

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