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Schulessen: Erste Preiserhöhung in Görlitz

Die Normalisierung des Schulbetriebs führt auch zum Neustart der Essenanbieter. Sie alle kämpfen mit höheren Kosten.

Wieder mehr Essenportionen hat das Bürgerhaus in Niesky zu verteilen, auch wenn die Menge vor Corona bei weitem noch nicht erreicht ist.
Wieder mehr Essenportionen hat das Bürgerhaus in Niesky zu verteilen, auch wenn die Menge vor Corona bei weitem noch nicht erreicht ist. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Die Mädchen und Jungen kehren in die Schulen zum Präsenz- oder Wechselunterricht zurück. Damit ist das Schulessen nicht nur für die Schüler ein Thema, sondern auch für die Essenanbieter. Kochten sie vor gut einem Jahr noch unter kleiner Flamme, so trifft das nicht mehr auf alle von ihnen zu. Die Küchen sind recht unterschiedlich durch die bisherige Corona-Krise gekommen.

Einige haben die Schulversorgung ganz eingestellt, andere bauten auf die Notbetreuung und dass die Abschlussklassen wenigstens in der Schule unterrichtet wurden. Jetzt steht ihnen allen ein Neuanfang bevor.

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Abwarten in Görlitz

"Wir sind auf dem Sprung und hoffen, dass es am Mittwoch losgehen kann", sagt optimistisch Jeanette Kelichhaus-Lißner. Sie führt unter ihrem Namen einen Gastronomie- und Cateringservice in Görlitz. Dieser kocht zwar nur für eine Schule, aber diese befindet sich im selben Haus wie der Gastroservice, im Görlitzer Gewerbe-Center. Ideale Bedingungen, zumal ein Speiseraum die Küche mit der Freien Evangelischen Oberschule verbindet. Das Essen kommt somit direkt aus dem Kochtopf auf die Teller der Kinder. Rund 90 Schüler werden dort unterrichtet, 50 nehmen am Schulessen teil.

In der Zeit des Wechselunterrichtes hatte die Freie Schule das Mittagessen abbestellt, weil der Unterricht in zwei Schichten durchgeführt wurde. Mittags war die eine Gruppe schon zu Hause und für die zweite begann erst nach dem Mittag die Schule, erklärt Frau Kelichhaus-Lißner. Nun planen Küche und Schule den gemeinsamen Neustart - und wenn die Inzidenzwerte auf niedrigem Niveau bleiben, könnte es am Mittwoch wieder losgehen. "Mit den alten Preisen", betont die Chefin. Das heißt, die Grundschüler beziehungsweise ihre Eltern bezahlen weiterhin drei Euro für die Mittagsportion.

Notbetreuung kommt Zodler Küche zugute

In Zodel kocht Roswitha Waurig für die Grundschüler und den benachbarten evangelischen Kindergarten. Für sie ging der Betrieb in den vergangenen Wochen und Monaten weiter. "Zwar nicht im gewohnten Maß, aber die Hälfte der Kinder hat weiter mitgegessen", sagt die selbstständige Küchenchefin. Die Notbetreuung in Kita und Schule und dass die vierte Klasse Unterricht hatte, sorgten weiter für Kinderportionen.

Wenn jetzt alle Klassen wieder unterrichtet werden, dann herrscht auch bei Frau Waurig Hochbetrieb. Dass es teurer für die Eltern wird, braucht niemand in Neißeaue und Görlitz zu befürchten. "Ich bleibe bei meinen Preisen: 2,80 Euro für die Kita und 2,90 für die Schule", versichert Frau Waurig.

Regionales im Markersdorfer Kochtopf

Höhere Essenpreise gibt es auch in Markersdorf nicht. Dort befindet sich die Schulküche im Gebäude der Grundschule und Katrin Lange ist die Küchenleiterin. Sie sagt: "Dieses Jahr bleibt alles beim alten, für das neue Jahr müssen wir neu kalkulieren." Zusammen mit drei Kolleginnen kocht sie nicht nur für die Grundschüler, sondern auch für die drei Kitas in der Gemeinde Markersdorf. Dort sind 2,35 Euro für das Krippen- und 2,60 Euro für das Kita-Essen fällig. Die Grundschüler zahlen für ihre Portion 2,90 Euro.

Isst wieder alles mit, dann gehen durchschnittlich 410 Portionen am Tag raus. Nicht nur an Kinder, auch Einwohner werden von der Küche versorgt. Auch hier ist der Anspruch, frisch Gekochtes schnell auf den Teller zu bringen. Dazu bedient sich Katrin Lange regionaler Zutaten wie Kartoffeln oder Eier von hiesigen Landwirten und Tierhaltern. Das Gemüse kommt aus der Hilbersdorfer Gärtnerei.

Nieskyer Bürgerhaus kalkuliert neu

An den bestehenden Preisen will das Bürgerhaus nicht rütteln, erstmal nicht. "Wir kommen nicht umhin, für das neue Schuljahr neu zu kalkulieren", sagt Geschäftsführer Jörg Kalbas. Er spricht von sogenannten Nachlaufeffekten. Nicht nur aus der Corona-Krise, sondern auch aus den aktuellen Anforderungen heraus. So plant das Bürgerhaus den Umstieg von Einwegverpackungen auf Mehrweg, um ein Beispiel zu nennen. Mehrweg muss gereinigt werden und erfordert eine andere Logistik als die Plastik-Schachteln, die in der Gelben Tonne landen.

Das Bürgerhaus versorgt vorwiegend die Schulen und Kitas in Niesky und See. Ob demnächst auch das Schleiermacher-Gymnasium dazu zählt, wird noch verhandelt. Auf alle Fälle ist die Küche in alter Stärke noch nicht zurück. In der letzten Maiwoche wurden durchschnittlich 375 Schul- und Kita-Essen ausgegeben, berichtet Jörg Kalbas. Vor Corona waren es täglich zwischen 500 und 600 Portionen. Das bedeutet nicht nur weniger Beschäftigung, sondern auch geringere Einnahmen. Die Essenpreise variieren zwischen 2,80 Euro für Kitas, bis 3,50 Euro für Grundschüler und 3,90 für die höheren Klassen, die Wahlessen haben.

Kein Schulessen mehr aus Boxberg

Der Dienstleister ISS Energy Service unterhält im Kraftwerk Boxberg eine Betriebskantine und hat auch für Schulen wie die Oberschule in Mücka gekocht. Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben seit vergangenem Jahr von der Schulspeisung zurückgezogen beziehungsweise bestehende Verträge zugunsten anderer Anbieter aufgelöst. Die coronabedingten Schulschließungen führten zu dieser Entscheidung. Jetzt wird nur noch für die Kraftwerker gekocht.

Dagegen hat der Dorfkrug Sproitz, der sonst nur eine Tagesmutter beköstigt, für einen Kindergarten gekocht. Das wurde notwendig, berichtet Inhaber Daniel Theurich, weil sich ein Anbieter völlig zurückgezogen hat. "Für ihn sprangen wir ein und belieferten die Kita, damit es weitergehen konnte." Aus der Schul- und Kita-Versorgung hat sich der Dorfkrug inzwischen völlig zurückgezogen. Senioren und Firmenmitarbeiter sind das Hauptklientel geworden.

Zehn Cent mehr für Essen aus Hagenwerder

Schulen, die vom Menü-Service Hagenwerder beliefert werden, müssen mit einem höheren Preis ab Juli rechnen. Wie Geschäftsführer Michael Schmidt die Schulen informierte, werden die Oberschüler statt 3,60 Euro für eine Portion ab Juli 3,70 Euro bezahlen müssen. Begründet wird das nicht nur mit den eigenen gestiegenen Betriebs- und Lohnkosten, sondern auch die Zulieferer sind den gleichen Dingen ausgesetzt. Bis hin zu dem Hygieneaufwand, den jedes Unternehmen hat.

Dazu kommt, dass der bereits zum Januar um 15 Cent gestiegene Mindestlohn sich im Juli um weitere zehn Cent erhöhen wird und damit 9,60 Euro pro Arbeitsstunde beträgt. Der MS Menü-Service hat diese Erhöhung bereits einkalkuliert. Andere Essenanbieter werden sicherlich folgen. Wenn nicht zum neuen Schuljahr, dann bestimmt zum neuen Jahr.

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