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Schweinepest: So viele Fälle wie noch nie

Vor allem in Kreba und Waldhufen wurden infizierte Tiere gefunden. Der Landkreis kritisiert den Bund und die schlechte Kooperation mit Polen.

Entlang der B 115 zwischen Stannewisch und Sandschenke steht der Wildschweinzaun schon. Für den Bereich nördlich von Boxberg wird der Aufbau derzeit ausgeschrieben.
Entlang der B 115 zwischen Stannewisch und Sandschenke steht der Wildschweinzaun schon. Für den Bereich nördlich von Boxberg wird der Aufbau derzeit ausgeschrieben. © André Schulze

Unter dem Eindruck von Corona ist das Vorrücken der Afrikanischen Schweinepest (ASP) vielleicht ein bisschen verblasst. Verschwunden ist die gefährliche Tierseuche aber nicht. Im Gegenteil: Im April gab's den bisherigen Höchstwert in Sachsen. 43 ASP-Nachweise wurden registriert.

Bereits 132 ASP-Fälle in diesem Jahr in Sachsen

Die Zahl der im Freistaat nachgewiesenen Schweinepest-Fälle ist damit in diesem Jahr auf 132 gestiegen. Nach Angaben von Wirtschaftsdezernent Thomas Rublack wurden besonders viele an der Seuche zugrunde gegangene oder befallene Tiere zuletzt rund um Kreba und Waldhufen entdeckt. Das sei aber vor allem ein landschaftliches Phänomen. Denn: Überall dort, wo es Kessel gebe, würden die Schweine besonders aktiv. "Dort sind die Rotten unterwegs."

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Von den bisher insgesamt 539 durchgeführten Kontrollen sind 174 positiv und 365 negativ ausgefallen. Um verendete Wildschweine aufzuspüren, werden neben Kadaver-Suchhunden seit Kurzem auch Drohnen eingesetzt. Vor allem im Biosphärenreservat, wo das Gelände teilweise recht unübersichtlich ist.

Um das Vordringen der ursprünglich aus Polen nach Deutschland eingedrungenen Schweinepest zu erschweren, wird weiter an festen Barrieren gebaut. Laut Thomas Rublack sind die Zäune zwischen der A 4 und Boxberg derzeit in Arbeit, für das Stück von Boxberg bis zur Landesgrenze nach Brandenburg befinde man sich in der Ausschreibung.

Landkreis ohne Ansprechpartner in Polen

So sehr Bernd Lange die Arbeit von Jägern, Feuerwehrleuten und anderen ehrenamtlichen Helfern lobt, so sehr kritisiert er die Kooperation mit Polen. "Wir haben dort keine direkten Ansprechpartner, weil die Zuständigkeiten ganz andere sind als bei uns", hat der Landrat längst schmerzlich festgestellt. So gebe es keine Gespräche auf kurzem Weg zwischen dem Landkreis Görlitz und der Woiwodschaft Niederschlesien, weil in Polen die Warschauer Zentralregierung in dieser Sache das Sagen habe. "Meinen Wunsch einer Arbeitsgruppe mit Beauftragten beider Länder gibt es bis jetzt leider nicht."

Dies steht im Widerspruch zu einer Antwort aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium auf Fragen der SZ zu diesem Thema. So fänden regelmäßig Abstimmungen der Veterinärdienste im deutsch-polnischen Grenzgebiet statt, sagt Ministeriumssprecherin Friederike Lenz. Außerdem sei auf Ministerebene zwischen Deutschland, Polen und Tschechien die sogenannte Tiergesundheits-Troika ins Leben gerufen worden. Ein trilaterales Format, mit dem man die Ausbreitung der ASP verhindern wolle. Landrat Lange kann über so viel Aktionismus nur müde lächeln: "Davon weiß ich leider nichts. Wir werden hier nicht mit einbezogen."

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