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Hier lernen Kinder jetzt schwimmen

Wegen der Corona-Schließungen haben viele Kinder keinen Schwimmunterricht erhalten. Doch dafür gibt es jetzt viele Angebote in Görlitz, Niesky, Rothenburg.

Schwimmen gehört zum Sportunterricht an der Gutenbergschule in Niesky. Zudem lernen die Schüler im Waldbad das Schwimmen.
Schwimmen gehört zum Sportunterricht an der Gutenbergschule in Niesky. Zudem lernen die Schüler im Waldbad das Schwimmen. © André Schulze

Der Schwimmunterricht für die Zweitklässler soll bis in den Herbst verlängert werden. Das hat das sächsische Kultusministerium jetzt mitgeteilt. Damit soll auch den Schülern die Möglichkeit gegeben werden, schwimmen zu lernen, die im vergangenen Jahr durch den Lockdown darauf verzichten mussten. Das Vorhaben ist löblich, es bringt aber die Betreiber von Hallen- und Freibädern an personelle Grenzen.

Denn es ist nicht nur das Schulschwimmen, sondern auch der Vereinssport und die eigenen Schwimmkurse, die derzeit für eine Auslastung bis zur Kapazitätsgrenze sorgen. Das bestätigt Robert Kubitz, Badleiter im Neißebad Görlitz. 24 Kurse für Nichtschwimmer stehen über die Sommerferien in seinem Terminkalender, sichergestellt mit den eigenen Leuten. Aber auch die Schulen und Vereine haben ihren Bedarf angemeldet. Und der ist groß. Rund 1.200 Mädchen und Jungen aus Görlitz und Umland konnten durch die Corona-Zeit keinen Schwimmkurs bei den Vereinen oder in der Schwimmhalle belegen beziehungsweise am Schulschwimmen teilnehmen.

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Dreimal schwimmen die Woche

So wie der Sportverein Lokomotive Görlitz. Bis zu den Winterferien sollen die Defizite aufgeholt werden, die durch die Pandemie eingetreten sind, sagt Lok-Geschäftsführer Ringolf Herzog. Das heißt für die Kinder - statt zweimal fortan - dreimal die Woche ins Neißebad. In vier Gruppen wird den Mädchen und Jungen das Schwimmen beigebracht. In allen sind die Zeitpläne durcheinandergekommen, bei einer Gruppe um ein halbes Jahr.

Der Geschäftsführer sagt: "Die Nachfrage ist groß, Neuanmeldungen nehmen wir derzeit keine an, denn bis 2023 sind alle Gruppen bereits überbucht". Die Schwimmausbildung ist beim Lokverein umfangreich. 36 Stunden investiert der Verein in seine Schüler. Der Durchschnitt liegt bei zehn bis zwanzig Stunden. Die vertiefende Ausbildung umfasst neben der Wassergewöhnung auch Schwimmen in Rückenlage und das Tauchen. Schließlich verfolgt der Verein mit der Schwimmausbildung das Ziel, neue Wassersportler für sich zu gewinnen. Denn der 1950 als Betriebssportgemeinschaft gegründete SV Lokomotive steht in erster Linie für Schwimmen und Wasserball. 80 Prozent der rund 700 Mitglieder trainieren im Wasser

Ein Junge erlernt in einem Kurs vom SV Lok Görlitz das Schwimmen im Neißebad Görlitz. Statt bisher zweimal die Woche wird nun dreimal die Woche geschwommen, um den Bedarf einigermaßen zu decken.
Ein Junge erlernt in einem Kurs vom SV Lok Görlitz das Schwimmen im Neißebad Görlitz. Statt bisher zweimal die Woche wird nun dreimal die Woche geschwommen, um den Bedarf einigermaßen zu decken. © Nikolai Schmidt

Nachsitzen im Hallenbad

Beim Görlitzer Postsportverein ist die Lage ähnlich. Doris Niwek von der Abteilung Schwimmen sagt, dass ein im Februar vergangenen Jahres begonnener Schwimmkurs erst in diesen Wochen beendet werden kann. An zwei Tagen die Woche kommen die Kinder ab fünf Jahre ins Neißebad, um schwimmen zu lernen. Wie beim Lokverein ist auch bei den Postlern die Erfahrung, dass nicht jedes Kind in den vorgesehen Übungsstunden, bei Post sind es gut zwanzig, sein "Seepferdchen" schafft. Für sie wird ein Folgekurs organisiert, ebenfalls geleitet von den eigenen ehrenamtlichen Übungsleitern.

Das sind nicht nur Rentner, sondern auch Vollzeitbeschäftigte, die ihre knappe Freizeit für ihre Liebe zum Sport opfern. Auch das muss man sehen, wenn es um das Absichern der Kursstunden geht. Der Postsportverein plant die Schwimmkurse gleichfalls vorausschauend. Doris Niwek spricht von eineinhalb Jahren, mit denen bereits vor Corona die Ausbildung geplant wurde.

Rothenburg: Rückstand bis Februar 2022 aufholen

Richtig gut ausgebucht ist die Rothenburger Schwimmhalle in der Friedensstraße, die von den örtlichen Stadtwerken "schon seit Ewigkeiten für das Schulschwimmen zur Verfügung gestellt wird", so Betriebsleiter Ulrich Engelmann. Sechs Grundschulen aus dem Altkreis Niesky, außerdem die Rothenburger Mittelschule und die Gutenbergschule Niesky, hätten hier Stunden gebucht. "Bis Februar 2022 gibt es in unserem Objekt erweiterten Schwimmunterricht. Dann soll der Rückstand aufgeholt sein, hoffen die Verantwortlichen der Schulen", berichtet Engelmann.

Kapazitätsengpässe gibt es wegen der erhöhten Nachfrage in der Rothenburger Schwimmhalle aber nicht. Nach Aussagen des Stadtwerke-Chefs reichen die verfügbaren Zeiten in Absprache mit den anderen Nutzern - zum Beispiel der Polizeihochschule - dafür aus. Und auch beim Personal gebe es keine Probleme. "Wir als Stadtwerke stellen nur die Halle zur Verfügung. Die Betreuung der Kinder im Unterricht läuft unter der Regie des Schulamtes", so Engelmann

Nur eine Schule im Nieskyer Waldbad

Das Team vom Waldbad Niesky führt zwei Schwimmkurse in den ersten beiden und den zwei darauffolgenden Ferienwochen durch. In jeweils zehn Doppelstunden werden von Montag bis Freitag vor der Badöffnung die Kinder unterrichtet. Beide Kurse sind seit Wochen ausgebucht, es gibt sogar eine Warteliste. "Wir spüren, dass viele Eltern ihre Kinder zum Schwimmen schicken wollen, aber unsere Kapazitäten sind begrenzt", sagt Schwimmmeister Steffen Hanzig. Personell sind nur zwei Kurse zu stemmen, das ist bereits vor Corona so gewesen.

Dennoch hat das Waldbad-Personal den Eindruck, dass die Nieskyer Schulen diese Freizeiteinrichtung fürs Schwimmen viel zu wenig nutzen. Nur die Gutenbergschule ist ständiger Gast am Wasserturm, sie kommt mit ihren eigenen Übungsleiterinnen. Klar, die Schule hat den kürzesten Weg ins Waldbad. Aber das scheint nicht das Ausschlaggebende zu sein.

Reichenbach erweitert Kursangebot

Seit dem 31. Mai ist das Freizeitbad in Reichenbach wieder offen. Seit dem Tag läuft auch der erste Schwimmkurs. "Für dieses Jahr haben wir sieben Kurse geplant, der letzte endet Ende August", sagt Michael Brosius als leitender Schwimmmeister. Im vergangenen Jahr hatten die Reichenbacher fünf Kurse angeboten, die Anfragen waren nicht so groß wie in diesem Jahr. Das zeigt auch, wo die Kinder herkommen. Nicht nur aus Görlitz und Niesky und deren Umland, sondern auch aus Weißwasser. Die Kurse finden während des Badbetriebes statt, am Vormittag und späten Nachmittag.

Rotary Club setzt Schwimmkurse fort

Der Rotary Club Görlitz will seine kostenfreien Schwimmkurse dieses Jahr fortsetzen. Martin Vits, amtierender Präsident der Rotarier, sagt: Wenn es die Rahmenbedingungen zulassen, können drei Kurse für je zwölf Kinder im Neißebad in Görlitz angeboten werden. Der erste Kurs beginnt am 26. Juli und der zweite am 9. August und dauert jeweils zwei Wochen. Für die Herbstferien ist ein dritter Kurs vorgesehen. Restplätze sind noch vorhanden, teilen die Rotarier mit. Wer also bei den Badbetreibern nicht auf der Warteliste stehen möchte, kann sich bei den Rotariern melden. Am besten per E-Mail: [email protected].

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