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Diehsa repariert sein Glockengestühl

Die Spendenbereitschaft in Waldhufen ist sehr groß, sodass mehr getan werden kann. Niesky dagegen muss das Zehnfache an Geld aufbringen.

Pfarrer Helmut-Andreas Spengler hört innerlich schon alle drei Glocken im Kirchturm von Diehsa läuten. Die Reparaturen am Glockenstuhl sind finanziell abgesichert und der Auftrag ausgelöst.
Pfarrer Helmut-Andreas Spengler hört innerlich schon alle drei Glocken im Kirchturm von Diehsa läuten. Die Reparaturen am Glockenstuhl sind finanziell abgesichert und der Auftrag ausgelöst. © André Schulze

Pfarrer Helmut-Andreas Spengler ist die Freude anzusehen. Demnächst werden in der Diehsaer Fahrradkirche wieder alle drei Glocken läuten. Die Reparatur des Glockenstuhles ist abgesichert. Dank der großen Spendenbereitschaft weit über den Ort hinaus.

14.090 Euro waren bis Montag auf das Spendenkonto der Kirchengemeinde Diehsa eingegangen. Durchschnittlich zwischen zehn und 500 Euro betragen die Einzahlungen einzelner Personen. Rund 80 Prozent des Gesamtbetrages kommt von der Kirchengemeinde selbst. "Wir haben auch einen großen Gönner, der aber anonym bleiben möchte. Zu Pfingsten hatten wir rund 4.000 Euro auf dem Spendenkonto und er hat diesen Betrag verdoppelt. Dafür sind wir ihm besonders dankbar, aber auch allen anderen Spendern", erklärt Pfarrer Spengler.

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Über 70 Jahre hängen die Glocken im Turm

Somit ist die Reparatur nicht nur finanziell abgesichert, sondern der Auftrag an einen Fachbetrieb schon ausgelöst. "Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten im September und Oktober durchgeführt werden", sagt der Pfarrer. Konkret geht es um den Austausch der Glockenjoche, also der Befestigung, an der die Glocken hängen und die durch das Läuten mechanisch in Anspruch genommen werden. Über 70 Jahre hielt die Konstruktion der Belastung stand, aber nun zeigt sie zu erwartende Ermüdungserscheinungen. "Um größeren Schaden auch an den Glocken abzuwenden, haben wir uns für die Reparatur entschieden", sagt der Pfarrer. Über 8.000 Euro wird das Ganze kosten.

Damit sind die Spendengelder aber nicht aufgebraucht. Einen Teil der übrigen Gelder soll für die Konservierung der drei Glocken verwendet werden. Um einer weiteren Korrosion vorzubeugen, sollen die aus Eisen gegossenen Glocken einen Spezialanstrich bekommen, der sie vor Feuchtigkeit schützt. Das soll im Zuge der Reparatur des Glockenstuhles mit passieren.

Niesky läutet nur zwei Glocken

Das gleiche Problem mit ihren Kirchenglocken hat auch die evangelische Brüdergemeine in Niesky. Nur, dass die Sanierung des Glockenstuhles der Kirche am Zinzendorfplatz über das Zehnfache kosten wird, im Gegensatz zu dem, was die Diehsaer aufwenden müssen. Auf 80.000 bis 100.000 Euro wird das Vorhaben geschätzt, damit alle drei Glocken der "Brüderkirche" wieder ihren vollen Klang entfalten können.

Die Nieskyer Brüdergemeine steht vor dem Problem, dass der gesamte Glockenstuhl am Zinzendorfplatz zu erneuern ist. Und das kostet viel Geld.
Die Nieskyer Brüdergemeine steht vor dem Problem, dass der gesamte Glockenstuhl am Zinzendorfplatz zu erneuern ist. Und das kostet viel Geld. © André Schulze

Die Nieskyer Brüdergemeine hat ebenso zu einer Spendenaktion dazu aufgerufen. Bisher sind knapp 10.000 Euro auf dem Kirchenkonto eingegangen, sagt Vorsteher Christoph Leubner. Das entspricht einem Zehntel der gebrauchten Summe an Geld. Auch wenn die Brüdergemeine jedem einzelnen Spender dafür dankbar ist, wird das nicht reichen, um den Glockenstuhl im Ganzen zu erneuern.

Seit einhundert Jahren werden an dem Stahlgerüst täglich über drei Tonnen Gussstahl mit jedem Läuten bewegt. Eine Notreparatur zwischendurch half, dass wenigstens die Glockenschläge zur Turmuhr wieder über Niesky hörbar sind und zu besonderen Anlässen geläutet werden kann. Das erledigen die beiden kleineren Glocken, während die große stumm bleibt.

Fördermöglichkeiten ausschöpfen

Vor der Nieskyer Brüdergemeine liegt noch ein ganzes Stück Arbeit, schätzt Vorsteher Leubner ein. Das Geld durch Spenden zusammenbekommen ist das eine. Man will auch nach Fördermöglichkeiten suchen, damit die Summe nicht allein die Brüdergemeine aufbringen muss. Steht die Finanzierung, kann an die Planung und Erneuerung des Glockengestühls gegangen werden. Einen Zeitplan dafür zu nennen, kann Christoph Leubner nicht. "Dazu ist es noch viel zu früh", sagt der Nieskyer.

Als das Ausmaß der Schäden in der Nieskyer Kirche durch einen Sachverständigen festgestellt wurde, erfolgte die umgehende Stilllegung des Geläuts. Das geschah bereits am 8. Januar dieses Jahres. Die Statik der Glocken ist nicht mehr gegeben, und das lässt sich dauerhaft nicht mit Reparaturen beheben, lautet das Fazit des Fachmannes. Denn seit dem Bau der Kirche 1874/1875 thront der Glockenstuhl unverändert hoch oben im Kirchturm.

Petershain sucht eine Lösung

Unter den betroffenen Kirchen ist auch die Dorfkirche in Petershain. Auch hier macht der Glockenstuhl der Gemeinde große Sorgen. Das ist im Zusammenhang mit dem Mauerwerk zu sehen. Denn bei Sanierungsarbeiten in den 1960er-Jahren wurde das Holzgestühl in den Turmmauern verankert. Diese Versteifung führte über die Jahrzehnte zu Rissen im Mauerwerk, die zu beheben sind. Mit einem fünfstelligen Betrag an Kosten rechnet die Kirchengemeinde. Aber in Petershain steht man erst am Anfang des Sanierungsvorhabens. Ein erster Schritt ist die Gründung eines Kirchbauvereins Ende Mai gewesen.

Spendenkonto: Evangelische Brüdergemeine Niesky, KD-Bank eG, IBAN: DE64 3506 0190 1559 9510 10, Zweck: „Glocken Brüderkirche“

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