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Brückenstreit tobt in kleinem Dorf

In Spree soll eine Fußgängerbrücke über den Weißen Schöps weggerissen werden. Doch Einwohner wollen einen Ersatzbau. Für die Schulkinder.

Mit Metallgittern verrammelt ist die Fußgängerbrücke über den Weißen Schöps in Spree. Damit sind die Anwohner nicht einverstanden.
Mit Metallgittern verrammelt ist die Fußgängerbrücke über den Weißen Schöps in Spree. Damit sind die Anwohner nicht einverstanden. © André Schulze

Kein Durchkommen ist mehr auf der Kirchbrücke im Hähnichener Ortsteil Spree. Nachdem die aufgestellten Verbotsschilder kaum Akzeptanz bei den Anwohnern gefunden haben, hat die Gemeinde Tatsachen geschaffen: Zwei Absperrgitter machen es unmöglich, die kleine Holzbrücke über den Weißen Schöps zu passieren.

Die Anwohner haben darauf reagiert: mit einem Protestplakat im Namen ihrer Kinder. Denn der Weg über die Brücke wird gern als Schulweg benutzt, um nicht an der Straße laufen zu müssen. Das ist schon seit Generationen so und soll auch in Zukunft so bleiben, sagt Wolfgang Liebig. Er setzt sich mit weiteren Spreern intensiv für den Erhalt des Bauwerkes ein.

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211 Unterschriften für den Erhalt

Mit dem Erhalt allein ist es aber nicht getan. Die Brücke muss ersetzt werden, um die Sicherheit ihrer Passanten wieder zu gewährleisten. In der Pflicht ist die Gemeinde Hähnichen. Der amtierende Bürgermeister Jürgen Schubert sagt, dass die Brücke seit Jahren zur Diskussion steht. Vor neun Jahren sollte sie bereits abgerissen werden. Das führte aber zu heftigen Protesten der Spreer und zu einer Unterschriftenaktion. "211 Bürger hatten unterschrieben. Die Gemeinde lenkte ein und beschloss den Erhalt der Brücke durch einen Ersatzbau im Jahr 2013", berichtet Wolfgang Liebig aus der Brückenhistorie.

Doch es blieb bei diesem Willen. In den Folgejahren wurde nichts an der Brücke unternommen. Das Todesurteil folgte im vergangenen Dezember, als ein Brückenprüfer sich das Bauwerk genauer anschaute. Sie ist im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr tragbar. Die Gemeinde musste daraufhin handeln. Zunächst mit Verbotsschildern. Jürgen Schubert rechtfertigt diese Maßnahme aus Gründen der Sicherheit. "Kommt jemand auf der Brücke zu Schaden, dann haftet die Gemeinde dafür", betont er.

Fördermöglichkeiten verschlafen

Die Brückenbefürworter werfen der Verwaltung vor, Fördermöglichkeiten über Jahre ungenutzt gelassen zu haben. Wolfgang Liebig spricht die Kommunalpauschale an, mit der Vorhaben im ländlichen Raum unterstützt werden. Von 2018 bis 2020 zahlte das Land jährlich 70.000 Euro jeder Kommune. Für was wurde das Geld ausgegeben?, fragt sich der Spreer.

In einer Ausschusssitzung stand das Thema Kirchbrücke jetzt auf der Tagesordnung. Wie Jürgen Schubert sagt, kam man überein, die Brücke abzureißen. Ihr soll eine neue Brücke folgen, "wenn wir das Geld dafür haben". Damit sind die Brückennutzer nicht einverstanden. Wolfgang Liebig kündigt eine neue Unterschriftenaktion "pro Brücke" an. Am 8. Juni wird der Gemeinderat mit Matthias Zscheile als neuen Bürgermeister tagen. Die Spreer sind guter Hoffnung, dass ihre kaputte Brücke bei ihm mehr Gehör findet.

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