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Spritpreise in Görlitz und Niesky am höchsten

In der Oberlausitz gibt es ein starkes Gefälle. Rund um Bautzen werden teilweise bis zu 20 Cent weniger fällig. Woran liegt das?

Die Preise für Benzin und Diesel sind zwischen Niesky und Görlitz besonders hoch. Landeinwärts Richtung Bautzen wird deutlich weniger verlangt.
Die Preise für Benzin und Diesel sind zwischen Niesky und Görlitz besonders hoch. Landeinwärts Richtung Bautzen wird deutlich weniger verlangt. © Foto/Montage: André Schulze

Tanken in Deutschland ist kostspielig, in der Oberlausitz aber ganz besonders - wenn man bestimmte Zapfsäulen ansteuert. Denn das Gefälle in den Kreisen Görlitz und Bautzen ist ganz erheblich. Sogar innerhalb kürzester Entfernungen können die Preise für Benzin und Diesel stark differieren. Fest steht: Je näher man der Grenze kommt, desto teurer wird es. Unterschiede von bis zu 20 Cent pro Liter sind zwischen Bautzen und Niesky beim Benzin keine Seltenheit. Doch wie erklärt sich diese Preispolitik, zumal hinter der Neiße, in Polen, der Sprit deutlich günstiger zu bekommen ist?

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An diesem Freitagvormittag sind die Unterschiede noch recht moderat. Verschiedenste Internetportale und Apps sorgen für einen schnellen Überblick. Im Umkreis von rund 30 Kilometern ist Minera in Weigsdorf-Köblitz beim Benzin mit 1,65 Euro die günstigste Station. SB und Agip in Bautzen liegen auf dem gleichen Niveau. Am anderen Ende der Skala sind sämtliche Tankstellen entlang der Grenze zu finden: Total Energies in Görlitz, Aral in Kodersdorf und Görlitz, auch ept in Markersdorf wollen 1,75 Euro für den Liter haben. Ein bisschen günstiger sind die Marktkauf-Station in Görlitz (1,74 Euro), Gulf in Sohland am Rotstein (1,72 Euro) und Aral in Niesky (1,71 Euro). Am preiswertesten kann man seinen Tank zu dieser Stunde bei Gulf in Waldhufen für 1,68 Euro füllen. Beim Diesel reicht die Spanne vom billigsten Anbieter mit 1,47 Euro bei Gulf in Boxberg bis zum teuersten mit 1,55 Euro, was gleich von mehreren Zapfstationen in Görlitz und Sohland aufgerufen wird.

Pächter haben keinen Einfluss auf den Preis

Warum aber ist das so? Sind wir trotz dieser Differenzen noch gut dran oder werden wir hier im östlichsten Zipfel besonders stark abkassiert? Das Portal benzinpreis-aktuell.de zeigt für die gleiche Zeit am Freitagvormittag diese Mini- und Maximalwerte für Deutschland an: Weigsdorf-Köblitz gehört wie Hildesheim mit seinen 1,65 Euro für den Liter Super E5 zu den Preisgünstigsten, Autofahrer in Trier werden mit stolzen 1,86 Euro zur Kasse gebeten. Bei Diesel liegt der günstigste Wert bei 1,47 Euro ebenfalls in Hildesheim, der teuerste bei 1,61 Euro wiederum in Trier.

Die Tankstellenpächter zwischen Niesky und Görlitz halten sich zum Preisgefüge in der Oberlausitz sehr bedeckt. Niemand traut sich aus der Deckung. Das zur Grenze hin steigende Preisniveau ist zwar bekannt, aber: "Was die sich dabei denken und wie sie in der Zentrale ticken - keine Ahnung", erklärt eine Frau am Telefon hinter vorgehaltener Hand. Die Situation sei schon öfter angesprochen worden. Geändert habe sich aber nichts. "Für uns ist das schlecht", spricht sie wohl auch im Namen ihrer Kollegen. Denn wer nicht in Deutschland für weniger Geld im Landesinneren tanken will, fährt gleich nach Polen. Dort ist der Liter Super je nach Anbieter aktuell für etwa 1,32 Euro zu haben. Mit speziellen App-Rabattsystemen gibt es ihn tageweise sogar für 1,23 Euro. Bei Diesel fallen die Preise noch niedriger aus.

Konzern macht den Wettbewerb verantwortlich

Aral-Pressesprecherin Eva Kelm erklärt die regionalen Unterschiede in der Oberlausitz mit der "unmittelbaren Wettbewerbssituation vor Ort." Der Kraftstoffmarkt in Deutschland bestehe aus Teilmärkten mit verschiedenen Anbietern. "Der günstigste setzt die anderen preislich unter Zugzwang. Wer dann keine konkurrenzfähigen Preise einstellt, verliert auf Dauer Kunden." Je mehr Tankstellen an einem Ort seien, desto mehr Angebot stehe der Nachfrage gegenüber.

Laut Eva Kelm setzen sich die Kraftstoffpreise aus drei Komponenten zusammen: Einkaufspreis, staatliche Abgaben - die mit rund 65 Prozent den größten Teil ausmachen - sowie Kosten für Logistik und Vertrieb. Dies sei auch in anderen Ländern so. Polen aber zähle zu denen, die im europäischen Vergleich mit die niedrigsten Steuern auf den Kraftstoff erheben würden. "Das hat natürlich große Auswirkungen auf die Preisgestaltung."

Pächter verdienen nur einen Cent pro Liter

Warum die Kraftstoffpreise innerhalb weniger Kilometer im Raum Görlitz/Bautzen teilweise so erheblich schwanken, ist für Thomas Drott "kaum verständlich und nicht nachvollziehbar." Letztlich sei die Preisgestaltung Sache von Gesellschaften wie Aral, Shell, Total oder Jet, erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Tankstellen und gewerbliche Autowäsche. Möglicherweise - aber dies sei nur eine Vermutung - "versuchen die Mineralölgesellschaften im grenznahen Bereich durch hohe Preise pro Liter einen recht hohen Gewinn einzufahren, um ihre Investitionen beispielsweise in Tanktechnik oder Tankstelle zu refinanzieren."

Die Begründung des ADAC für das Preisgefälle in der Oberlausitz fällt ähnlich wie die Vermutung des Verbandsgeschäftsführers aus. Es könne sein, dass Tankstellen im deutschen Grenzraum ihre Fixkosten auf die weniger verkauften Mengen Kraftstoff draufschlagen, um mit den mutmaßlich weniger Tankkunden trotzdem leidlich leben zu können, erklärt Unternehmenssprecher Andreas Hölzel. Und er hat noch einen Tipp: "Untersuchungen des ADAC haben ergeben, dass Benzin und Diesel in der Regel zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr am günstigsten sind."

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