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Nieskyer Stahlbauer starten mit Aufträgen ins neue Jahr

Erst die Insolvenz, dann die Suche nach neuem Investor - und schließlich ein glückliches Jahresende: 32 Mitarbeiter hat das neue Unternehmen STN.

Im Nieskyer Stahlbau stand die Produktion dieses Jahr zwar auf der Kippe, aber nicht still. Altaufträge und neue Aufträge sorgen für Beschäftigung in dem Traditionsbetrieb.
Im Nieskyer Stahlbau stand die Produktion dieses Jahr zwar auf der Kippe, aber nicht still. Altaufträge und neue Aufträge sorgen für Beschäftigung in dem Traditionsbetrieb. © André Schulze

Die Nieskyer Stahlbauer können mit Optimismus und Zuversicht ins neue Jahr gehen. Das unterstreicht Geschäftsführer Philipp Hänel: "Für das kommende Jahr konnten bereits einige Aufträge eingeworben werden, so dass eine Grundauslastung bereits zu verzeichnen ist." Vor einem Jahr sah das in dem Nieskyer Traditionsbetrieb noch ganz anders aus.

Da hieß es, beim Stahlbau gehen die Lichter aus. Eine Insolvenz wurde bereits im Oktober 2019 unausweichlich. Für dessen Verwalter Ralf Hage ist die ganze Sache ein hartes Brot, das er zu schneiden hat. Nicht nur der Alleingesellschafter DFA Industriemontagen, auch der Eigentümer der Liegenschaft, Claude Pirson, ließen zunächst die Zuversicht Hages auf einen Neubeginn schwinden. Die DFA will keinen Konkurrenten in die Nieskyer Hallen lassen und der belgische Unternehmer möchte seinen Grund und Boden nicht verkaufen.

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120 Mitarbeiter stehen auf dem Spiel

120 Mitarbeiter hingen buchstäblich in der Luft. Ihre Zukunft in diesem Betrieb schien nicht mehr gegeben. Eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG) wurde für vier Monate gegründet. Ihre drei Ziele: Profiling (Erstellung des Gesamtbildes einer Person), Qualifizierung und Vermittlung. Rund 100 Stahlbauer sahen in der BQG einen befristeten Rettungsanker. Insolvenzverwalter Hage verfolgte damit das Ziel, die Belegschaft fit zu machen für neue Jobs, wenn es in den alten nicht mehr weiter geht.

Ralf Hage ist Fachanwalt für Insolvenzrecht und bei einer Dresdner Kanzlei tätig. Seine Aufgabe als Insolvenzverwalter des Nieskyer Stahl- und Brückenbaus ist noch nicht beendet
Ralf Hage ist Fachanwalt für Insolvenzrecht und bei einer Dresdner Kanzlei tätig. Seine Aufgabe als Insolvenzverwalter des Nieskyer Stahl- und Brückenbaus ist noch nicht beendet © André Schulze

In dieser Situation drohte die Belegschaft auseinander zu brechen. Stahlbauer sahen sich nicht nur im benachbarten Waggonbau nach neuen Jobs um, sondern auch bei Metallbau Schubert in Markersdorf und dem Stahlbau Oberlausitz in Neugersdorf. Beides Firmen, die Fachleute suchen und mehr Mitarbeiter aufweisen, als der Nieskyer Stahlbau zuletzt hatte. Hinter den Kulissen geht derweil die Suche nach einem neuen Investor weiter. Inzwischen hatte sich Grundbesitzer Pirson ins Spiel und die DSD Steel Group GmbH als Vorschlag gebracht. Das in Saarlouis beheimatete Unternehmen könnte ab März mit einer neuen Stahlbaufertigung in Niesky beginnen, so die Manager der DSD-Holding.

Nieskyer Neustart im März

Die DSD-Gruppe mit ihren 17 Gesellschaften gehört zum Firmenvermögen des belgisch-schweizerischen Industriellen Claude Pirson. Der Manager lebt seit 2001 im schweizerischen Kanton Zug. Eine der 17 Töchter, die DSD Industriemontagen mit Sitz in Delitzsch, wurde zum Hauptgesellschafter des Nieskyer Stahlbaus. Dieser nennt sich fortan Stahl Technologie Niesky GmbH (STN) und startete am 16. März - als eine eigene Gesellschaft im DSD-Verbund. Zum neuen Geschäftsführer in Niesky wird der Prokurist der IMO Delitzsch, Philipp Hänel, bestimmt. Ein junger Mann, der im heutigen Landkreis Görlitz aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, in Leipzig seinen Bauingenieur machte und als Projektleiter bei der IMO Leipzig arbeitete, bevor er nach Delitzsch wechselte. Nun führt ihn der Job in seine Heimat zurück.

Für den Neuanfang wird aber nur ein Viertel der zuletzt beschäftigten Stahlbau-Belegschaft gebraucht. 30 von einstmals 120 Mitarbeitern sollen sich um Aufträge kümmern, die von anderen Pirson-Gesellschaften nach Niesky vergeben werden, heißt es von Martin Diederichs, Beirat der DSD Steel Group. Vorgesehen ist, dass Niesky vornehmlich Sonderkonstruktionen des technologischen Stahlbaus fertigt und liefert. Mit dieser Profilierung soll Niesky nicht mehr Stahlbrücken bauen, denn hier sei die Konkurrenz sehr groß am Markt.

Corona bremst weitere Einstellungen aus

Sie führen seit März den Nieskyer Stahlbau unter neuem Namen und mit neuen Gesellschaftern fort: Geschäftsführer Philipp Hänel (links) und Produktionsleiter Frank Sommer.
Sie führen seit März den Nieskyer Stahlbau unter neuem Namen und mit neuen Gesellschaftern fort: Geschäftsführer Philipp Hänel (links) und Produktionsleiter Frank Sommer. © André Schulze

Philipp Hänel musste im Frühjahr nicht nur das neue Unternehmen zum Laufen bringen, sondern parallel die Corona-Krise bewältigen. Zwar sorgen die Aufträge aus dem DSD-Verbund für Arbeit bei den 30 Beschäftigten. Doch um weitere Mitarbeiter einstellen zu können, müssten Fremdaufträge herangeschafft werden. Daran hapert es. Hänel sieht einen der wichtigsten Gründe dafür in der Corona-Krise. "Jetzt eine neue Firma auf den Weg zu bringen, ist alles andere als leicht", sagte er zur Situation im Frühjahr. Trotzdem sieht der Geschäftsführer nach dem ersten Monat die STN auf einem guten Weg. "Wir sind nun nicht mehr im Brückenbau aktiv, sondern beschäftigen uns mit Sonderstahlbau und technologischem Stahlbau. Mit Konstruktionen, die in dieser Branche gebraucht werden."

Das macht den Nieskyer Stahlbau unabhängiger gegenüber anderen Brückenherstellern. Mit seinen speziellen Erzeugnissen ist Niesky viel weniger Konkurrenz ausgesetzt, betont Hänel. Im Oktober kann der Geschäftsführer berichten, dass nun 32 Mitarbeiter tätig sind und das Unternehmen bis Jahresende mit Aufträgen ausgelastet ist. Der Einstieg der DSD-Gruppe und das Weiterreichen von Aufträgen hat den Nieskyer Stahlbau erfolgreich durchs zweite Halbjahr gebracht. Zudem schätzt der noch tätige Insolvenzverwalter Ralf Hage ein, dass drei Viertel der rund 100 Mitarbeiter, die in die Transfergesellschaft gewechselt sind, inzwischen neu Jobs haben.

Stahlbauer haben einen guten Ruf

Philipp Hänel kann sich über die Feiertage zufrieden zurücklehnen: "Das Unternehmen konnte in Zusammenarbeit mit seinen Gesellschaftern eine kontinuierliche Auslastung mit einem entsprechenden Umsatz erzielen. Wir haben es geschafft, mit dem Mitarbeiterstamm nicht in die Kurzarbeit zu geraten." Oberstes Ziel für das erste Jahr war, die STN auf dem Markt zu etablieren und bekannt zu machen. "Das ist uns gelungen. Zum einen durch den Verbund mit DSD und zum anderen natürlich durch den guten Ruf der Mitarbeiter in Niesky", schlussfolgert der Geschäftsführer.

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