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Stahlbau Niesky hat Arbeit bis Jahresende

Die Erzeugnisse rollen per Lkw zu den Kunden. Denn der Anschluss ans Gleisnetz wurde jetzt gekappt. Warum?

Die menschenleere Halle täuscht. In der Stahl Technologie Niesky GmbH wird gearbeitet, denn das Werk ist mit Aufträgen ausgelastet. Zunmindest bis Jahresende.
Die menschenleere Halle täuscht. In der Stahl Technologie Niesky GmbH wird gearbeitet, denn das Werk ist mit Aufträgen ausgelastet. Zunmindest bis Jahresende. ©  Archiv/André Schulze

Wer den Bahnübergang Muskauer Straße öfters benutzt, wird es schon gesehen haben. Das Gleis, das vom Nieskyer Stahlbau in Richtung Bahnhof führt, ist gekappt. Ein großer Schotterhaufen zeigt an, dass nach der Straße Schluss ist. Eine Einbindung in das Schienennetz der Deutschen Bahn (DB) ist nicht mehr gegeben. Das hat seine Gründe.  

Seit es den Nieskyer Stahlbau gibt, führte ein Gleis vom Bahnhof weg direkt in den Betrieb. Aber in den vergangenen Jahrzehnten sah man immer weniger Güterwaggons auf dem Gleis. Die letzten Jahre keinen mehr. Als der Nieskyer Stahl- und Brückenbau in seine Insolvenz schlitterte, kam alles auf den Prüfstand, was Kosten verursacht. Auch das Gleis. Es rentierte sich nicht mehr, also weg damit, so das Urteil darüber. Das bestätigt die Deutsche Bahn auf Nachfrage der SZ. "Wegen des Insolvenzverfahrens für den Stahlbau, wurde der Gleisanschlussvertrag beendet und der Rückbau daraufhin vereinbart", erklärt eine Sprecherin der DB.    

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Die Firma Gostec hat im Auftrag der Deutschen Bahn das abzweigende Gleis am Bahnhof Niesky zum Stahlbau zurückgebaut und durch zwei neue Sackgassen ersetzt. Damit hat der Nieskyer Stahlbau keine Anbindung an das Schienennetz der DB mehr. Von Unternehmenss
Die Firma Gostec hat im Auftrag der Deutschen Bahn das abzweigende Gleis am Bahnhof Niesky zum Stahlbau zurückgebaut und durch zwei neue Sackgassen ersetzt. Damit hat der Nieskyer Stahlbau keine Anbindung an das Schienennetz der DB mehr. Von Unternehmenss © André Schulze

Schienentransporte sind zurückgegangen

Nach dem Insovenzverfahren wird seit dem  16. März unter neuem Namen an der Muskauer Straße produziert. Stahl Technologie Niesky GmbH heißt das selbstständige Unternehmen jetzt. Geschäftsführer Philipp Hänel sagt, dass die Kosten für das Gleis nicht die Ersparnisse durch Transporte mit der Bahn rechtfertigt. Aus diesem Grund trauert die neue Geschäftsführung den verloren gegangenen Gleisanschluss nicht nach.  "Für uns ist der Transport von Materialien und Erzeugnissen mit der Bahn sehr zurückgegangen", betont Hänel. Denn es geht nicht nur darum, die fertigen Stahlerzeugnisse von Niesky aus auf die Baustellen zu schaffen, sondern auch um das Anliefern von Stahl für die Verarbeitung. Diese Transportwege sind mehr und mehr von der Schiene auf die Straße verlagert worden.   

Also schlechte Zeiten für die Bahn? Hat sie doch einen weiteren Kunden für ihr Schienennetz verloren. Vonseiten der Deutschen Bahn entstehen daraus keine Nachteile. "Natürlich bedauern wir jeden Verlust eines Gleisanschluss-Partners. Zudem arbeiten wir mit Hochdruck daran, neue Partner zu gewinnen und damit den Güterverkehr auf der Schiene zu stärken", sagt die Bahnsprecherin. Als Beispiel nennt sie Kodersdorf. Dort ist es gelungen, durch eine weitere Firmenansiedlung mehr Transportverkehr auf der Schiene zu bekommen. 

Wartezeit ist zu lang

Wenn der Stahlbau derzeit keinen Bedarf sieht, die Schiene zu nutzen, ist die Tür zur Bahn nicht zugeschlagen. Sollte später ein Anschluss im Bahnhof  Niesky nachgefragt werden, sind die Voraussetzungen für eine Anbindung im Bahnhof gegeben, heißt es von der Bahnsprecherin. Um diesen wieder zu aktivieren, muss die Bahn gegenüber ihren Kunden flexibler werden, schätzt Philipp Hänel ein. "Wenn wir Transportkapazitäten bestellen, dauert es mitunter zehn, zwölf Wochen bis sie uns zur Verfügung stehen", berichtet der Geschäftsführer. Solange wartet kein Kunde, zumal die Nieskyer Stahlerzeugnisse in der Regel noch verbaut werden müssen, sie Teil eines Ganzen sind. 

    Gegenwärtig arbeitet der Nieskyer Betrieb einen Auftrag für den Chemiepark in Leuna ab. Dabei geht es um Verbundbetonträger, die eine Brücke zwischen zwei Werksteilen halten werden. Die Träger sind ein Gemeinschaftswerk zwischen der Stahl Technologie Niesky und Hentschke Bau in Bautzen. Dort werden die Träger mit Beton verfüllt und nach Leuna gebracht. Alles mit Lkw.  

    Gefülltes Auftragsbuch

    Wenn Philipp Hänel in das Niesyker Auftragsbuch schaut, dann macht er ein zufriedenes Gesicht. Zumindest was den Rest dieses Jahres betrifft. "Wir sind ausgelastet bis Jahresende", sagt der Geschäftsführer. Aber im nächsten Jahr hat das Werk noch freie Kapazitäten. "Wir stellen fest, dass die Kunden sich mit Aufträgen schwertun", schätzt der 32-Jährige ein. Corona und Kurzarbeit sind die beiden Hauptgründe für die Zurückhaltung der Auftraggeber. 

    32 Mitarbeiter hat der Nieskyer Betrieb jetzt. Auch wenn die Stahl Technologie Niesky eine eigene GmbH ist,  ist sie eng an die Industriemontagen Delitzsch angebunden. Dort ist Philipp Hänel nicht nur Prokurist, dort sind auch die Kapazitäten gebündelt. Alles was mit Planung und Projektabwicklung zu tun hat, wird von Delitzsch aus geleistet. In Niesky erfolgt nur noch die reine Produktion unter der Leitung von Frank Sommer. Wobei der Neueigentümer mehr auf Sonderstahlbau und technologischen Stahlbau setzt, statt auf den klassischen Brückenbau, wo es viele Mitbewerber gibt.   

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