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Kohle-Millionen: Großvermieter kritisiert Niesky

Ein Immobilienexperte sieht im Kohleausstieg große Chancen für die Stadt, doch vieles geht ihm zu langsam. Er will selbst aktiv werden.

André Müller will sich als Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft für Projekte in Niesky einsetzen, die im Rahmen des Strukturwandels finanziert werden können.
André Müller will sich als Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft für Projekte in Niesky einsetzen, die im Rahmen des Strukturwandels finanziert werden können. © André Schulze

Vom Kohleausstieg ist Niesky zwar nicht direkt betroffen, allerdings liegt die Stadt mitten in dem Gebiet, das mit Strukturwandelhilfen bedacht werden soll. Doch gibt es schon Vorstellungen, wie das vom Bund zur Verfügung gestellte Geld eingesetzt werden könnte?

Lobbyarbeit für Ideen aus der Wohnungswirtschaft

Für André Müller geht der Prozess, zur Umsetzung geeignete Ideen zu finden, in Niesky viel zu langsam und wird zudem nicht intensiv genug betrieben. Der Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft will sich deshalb künftig selbst stärker engagieren und zusammen mit seinen Kollegen aus anderen Städten Druck machen auf die Lokalpolitik, dass in Sachen Strukturwandel bald möglichst viel passiert. "Das ist eine Chance, die wir so nie wieder bekommen. Deshalb müssen wir mit Hochdruck daran arbeiten und dürfen die Dinge nicht nur auf uns zukommen lassen."

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Aus diesem Grund sitzt Müller seit Kurzem beim Verband der sächsischen Wohnungsbaugenossenschaften in einer Arbeitsgruppe, die sich mit dem Kohleausstieg beschäftigt und natürlich vor allem für die Wohnungswirtschaft förderliche Infrastrukturprojekte vorantreiben will. "Es ist ganz einfach", meint der Wobag-Chef. "Wir müssen Lobbyarbeit leisten. Sonst passiert hier nichts." Denn dass die Millionen fließen - bis 2038 für kommunale Vorhaben in den Landkreisen Görlitz und Bautzen 120 Millionen  Euro pro Jahr - steht nach dem Beschluss des Strukturstärkungsgesetzes für die Kohleregionen fest. Nun müssen die Städte und Gemeinden Projekte in Stellung bringen, die ohne die in Aussicht gestellten Finanzen nicht verwirklicht werden könnten und zudem positiv auf die Entwicklung des eigenen Standortes wirken.

Rothenburg hat die Chancen bereits erkannt

Für Niesky und den Landkreis sieht André Müller da noch Nachholebedarf. "Ich werde mich zusammen mit meinen Kollegen von den Wohnungsbaugenossenschaften anderer Städte um aktive Mitgestaltung bemühen. Es gibt viele Dinge, die für unsere Branche wichtig sind und damit auch den Mietern, den Menschen vor Ort, zugute kommen." Der Wobag-Chef nennt als Beispiele Bus und Bahn. "Gibt es bessere Verbindungen in den ländlichen Raum, dann werden wir das in einer höheren Akzeptanz der Leute spüren." Denn gerade der Verkehr sei mit vielen anderen Bereichen eng verzahnt.

Rothenburg hat die mit dem Strukturwandel verbundenen Chancen bereits erkannt. Erst kürzlich informierte Bürgermeisterin Heike Böhm die Stadträte darüber und mahnte an, eigene Projekte auf den Weg zu bringen, um von den Strukturhilfegeldern zu profitieren. Wenn die notwendigen zehn Prozent Eigenmittel aufgebracht werden könnten, dann sei in den nächsten Jahren viel umsetzbar. Auch Kommunen mit instabilen Haushalten könnten auf millionenschwere Zuschüsse hoffen. Immerhin habe der Freistaat für solche Fälle Finanzmittel aus einem Sonderfonds in Aussicht gestellt.

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