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Der Talsperre Quitzdorf auf den Grund gehen

Die Landestalsperrenverwaltung hat für eine Komplexsanierung Fördergeld beantragt. Auch der Landkreis will eine große Lösung.

Die Natur lässt sich in diesen Herbsttagen am Stausee Quitzdorf genießen, wie hier am Einlauf des Schwarzen Schöps. Seit einem Monat ist das Betreten der Ufer wieder erlaubt.
Die Natur lässt sich in diesen Herbsttagen am Stausee Quitzdorf genießen, wie hier am Einlauf des Schwarzen Schöps. Seit einem Monat ist das Betreten der Ufer wieder erlaubt. ©  Archiv/André Schulze

An einer großen Sanierung der Talsperre Quitzdorf hält die Landestalsperrenverwaltung Sachsen (LTV) fest. "Seit 2019 wird eine Komplexsanierung vorbereitet", sagt LTV-Sprecherin Katrin Schöne. Um ein umfassendes Bild zu bekommen, laufen derzeit weitere verschiedene Bauzustandsanalysen und Machbarkeitsstudien zu dem Stausee.

Dabei steht auch die Frage nach den Kosten. Mit Zahlen hält sich die LTV noch zurück und erklärt, dass im September 2020 die finanziellen Mittel für die Sanierung beantragt worden sind. "Bezüglich einer Finanzierung des Vorhabens wird erst im kommenden Jahr entschieden", so Katrin Schöne. Sind die Finanzen geregelt, kann im Detail geplant werden. Wird dem Vorhaben stattgegeben, so ist eine Umsetzung ab dem Jahr 2022 durchaus möglich.

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Fischwirtschaft und Tourismus

Das setzt voraus, dass die Talsperre wieder abgestaut werden muss. Dann aber im Ganzen, denn mit der Komplexsanierung sollen auch die über Jahrzehnte abgelagerten Sedimente beseitigt werden. Eine Forderung, hinter der nicht nur die Anrainer, sondern auch der Landkreis steht. Bereits vor einem Jahr favorisierte Landrat Bernd Lange eine "große Lösung" für den Stausee, um ihn fischwirtschaftlich und touristisch effektiver nutzen zu können. Eine Möglichkeit der Finanzierung dieses millionenschweren Vorhabens bietet der Strukturfond zum Kohleausstieg. Der Landkreis hat daraus Gelder beantragt.

Ursprünglich war mit den im vergangenen Jahr durchgeführten Sanierungsarbeiten am Staudamm die Hoffnung verknüpft, dass gleich im Großen mal sauber gemacht wird. Genährt wurde dieser Wunsch davon, dass der Wasserspiegel abgesenkt werden musste. Die Arbeiten konzentrierten sich 2019 auf das Grundablassbauwerk. Dort wurde die noch vorhandene Beschichtung aus glasfaserverstärktem Kunststoff auf der Wasserseite entfernt. "Diese war beschädigt und drohte sich abzulösen und vor die Grundablässe zu setzen. Damit wäre die Funktionstüchtigkeit der gesamten Stauanlage beeinträchtigt gewesen", erklärt die LTV-Sprecherin. Ein Teil der Beschichtung war bereits im Trockenjahr 2018 entfernt worden.

Staudamm später instand setzen

Die Entfernung der Beschichtung war laut LTV außerdem nötig, um den Zustand des Betons an der Winkelstützwand des Grundablassbauwerks beurteilen zu können. Dabei stellte sich heraus, dass die Instandsetzung der Betonteile nicht sofort nötig ist, sondern im Zuge einer möglichen Komplexsanierung durchgeführt werden kann. Die Arbeiten waren damit im Dezember 2019 abgeschlossen. Die Talsperre brauchte deshalb nicht bis zum Grund abgestaut werden. Damit entfiel das Ausbaggern der Stauseesohle, das nicht nur viel kostet, sondern auch mit einem hohen logistischen Aufwand verbunden ist. Der Schlamm muss irgendwo gelagert werden. Im Dezember konnte der Wiedereinstau beginnen.

Derzeit ist die Talsperre Quitzdorf zu rund 61 Prozent gefüllt, teilt die LTV mit. Das Stauziel sind 16,48 Millionen Kubikmeter Wasser. Momentan sind rund zehn Millionen Kubikmeter Wasser hinter dem Staudamm. Wie viel Wasser in den Stausee fließt, ist abhängig von den Niederschlägen. Seit der vergangenen Woche stieg der Inhalt aufgrund der geringen Regendauer um nur 0,3 Prozent an. In den vier Wochen davor waren aufgrund von mehr Niederschlägen höhere Anstiege zu verzeichnen. Zwischen 2,3 und 5,3 Prozent erhöhte sich der Wasserspiegel. Besonders ertragreich war die vorletzte Oktoberwoche. In dieser steigerte sich der Wasserstand um 11,6 Prozent.

Diese Regenfälle führten dazu, dass seit einem Monat die Ufer der Talsperre wieder betreten werden dürfen. Ein Jahr lang war das aus Gründen der Sicherheit nicht gestattet, da sich bis zu einem Drittel weniger Wasser im Stausee befand. Der Wasserspiegel ist in den Herbstwochen um einen halben Meter gestiegen und hatte die kritische Marke von 157,8 Metern über Normalnull hinter sich gelassen. Bei einem Wasserstand von 158 Metern hat die LTV die Ufer wieder freigegeben.

Biber bauen neuen Damm

Dass wieder mehr Wasser in den Stausee fließt, haben auch die Biber zu spüren bekommen, die sich am Einlauf heimisch fühlen. In ihren ersten Damm wurde ein Loch gerissen, was dazu führte, dass sie sich davor einen zweiten Damm gebaut haben. Für diesen brauchten sie weiteres Baumaterial, sprich Bäume. Die LTV schätzt ein, dass die Biber dem natürlichen Baumbewuchs im Umfeld zwar zusetzen, das bisher aber ohne wesentliche Auswirkungen für den Talsperrenbetrieb bleibt. Für den kommenden Donnerstag ist die nächste Vorortkontrolle durch die Verwaltung geplant.

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