merken
PLUS Niesky

Teichwirte hoffen auf guten Ertrag bei Karpfen & Co.

Das wechselhafte Wetter hat den Fischern zwischen Görlitz und Rietschen in die Karten gespielt. Für das Wachstum der Tiere hätte es jedoch wärmer sein können.

Die Teichwirtschaft Petershain hat jetzt vorzeitig den Wiedholzteich bei Kosel abgefischt.
Die hauptsächlich hier schwimmenden Emmafische sollten eigentlich erst im November herausgeholt werden. Doch die Kundennachfrage ist so groß.
Die Teichwirtschaft Petershain hat jetzt vorzeitig den Wiedholzteich bei Kosel abgefischt. Die hauptsächlich hier schwimmenden Emmafische sollten eigentlich erst im November herausgeholt werden. Doch die Kundennachfrage ist so groß. © André Schulze

Armin Kittner ist die gute Laune regelrecht anzumerken: "2021 ist viel besser gelaufen als die Jahre zuvor", sagt der Geschäftsführer der Teichwirtschaft in Petershain. Zwar sei der April noch relativ kalt gewesen. Die folgenden Monate hätten dieses Defizit aber wieder rausgerissen. Denn für den Fisch-Ertrag in den Gewässern zwischen Görlitz und Rietschen sind vor allem zwei Faktoren wichtig: Genügend warme Temperaturen und ausreichend Wasser, damit der Sauerstoffgehalt in den Fluten stimmt, ordentlich gefüttert werden kann und die Flossentiere damit an Gewicht zulegen können.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Weil die Abfischsaison gerade erst begonnen hat, möchte Kittner noch nicht über mögliche Erträge spekulieren. Allerdings will er mehr Fisch aus seinen Teichen holen, als der Durchschnitt in Sachsen. Der liege - ausgenommen in den letzten Dürrejahren - bei 300 bis 350 Kilo je Hektar. Zwar fischt der Petershainer den Großteil seiner Flächen - etwa 200 Hektar - innerhalb der nächsten Wochen ab. Den Rest von 40 bis 50 Hektar lässt er aber erst im Frühjahr folgen, um auch dann noch auf Kundenwünsche reagieren zu können. "Wir wissen deshalb erst im März, wie gelungen das Jahr 2021 tatsächlich war."

Nachfrage bei Verbrauchern und Gaststätten steigt

Kittner ist froh, dass die Nachfrage nach Fisch aus der Lausitz zuletzt gestiegen ist und er das in seinem Betrieb ganz konkret merkt. Zum einen seien Karpfen & Co in den zurückliegenden Monaten bei vielen Endverbrauchern beliebter geworden. Zum anderen würden aber auch Gaststätten - "die endlich wieder offen sind", so der Teichwirt - verstärkt darauf zurückgreifen. Das Schaufischen in Petershain, das steht für Armin Kittner fest, soll wie vorgesehen am 31. Oktober stattfinden. "Es müsste schon viel passieren, um es doch noch abzusagen."

Ausfallen wird dagegen das Abfischen der Schwarzen Lache in Kreba. Das hat jedoch weniger mit den Auswirkungen von Corona zu tun. Ausschlaggebend sind vielmehr fischereispezifische Gründe. "Wir haben das Wasser in diesem Jahr für den Weißen Lug genutzt", erklärt Rüdiger Richter von der gleichnamigen Teichwirtschaft, die jetzt verantwortlich ist für die Traditionsveranstaltung. "Außerdem verfolgen wir eine andere Besatzstruktur, sodass die Lache erst 2022 wieder mit einem großen Fest abgefischt werden kann."

Hecht, Zander, Schleie sind im Kommen

Insgesamt aber ist der Chef des Krebaer Fischerei-Unternehmens zufrieden: "Die Bedingungen waren sehr gut in diesem Jahr - es gab genügend Wasser, die Temperatur hat gestimmt." Die Tiere hätten ordentlich gefressen. "Deshalb erwarten wir auch gute Größen." Zielgewicht für den dreijährigen Karpfen seien vier Pfund. Richter bestätigt, dass es großen Bedarf gibt an Fisch aus der Oberlausitz. Für seine 407 Hektar Teichfläche strebt er Hektarerträge von 400 bis 500 Kilo an. Das macht zwischen 200 und 250 Tonnen Speise- und Satzfische im Jahr.

Auch Gunther Ermisch, der Fischereipächter des Stausees Quitzdorf, kann nicht klagen. Er setzt in dem rund 700 Hektar großen Gewässer im Gegensatz zu seinen Kollegen, die ihre Teiche ablassen, um an die begehrten Fische zu kommen, ausschließlich auf die sogenannte "stille Fischerei" mit Reusen und Stellnetzen. "Wie es jetzt aussieht, haben wir keine nennenswerten Verluste. Ich denke deshalb, es wird ein durchschnittliches Jahr." Nicht nur Karpfen, sondern auch Hechte, Zander und Schleie seien bei den Kunden sehr beliebt.

Teichwirte beliefern Verarbeitungsbetrieb

90 Prozent des Ertrages verkauft Ermisch über Direktvermarktung, beliefert Hofläden und Frischemärkte. Zudem setzt er große Stücke auf die Marke "Lausitzer Fisch", für die sich jede Teichwirtschaft unter bestimmten Voraussetzungen zertifizieren lassen kann. Schließlich versprechen seiner Meinung nach auch Werbeoffensiven für mehr Fisch in medizinischen und Kureinrichtungen sowie die neue Produktionslinie bei Meisters Bautzen neue Absatzchancen. In dem sonst auf Fleisch- und Wurstwaren spezialisierten Betrieb werden nun auch Produkte wie Karpfenfilet, Spreelocken oder Fischsülze hergestellt. Der Rohfisch dafür kommt von Teichwirten aus der Umgebung.

Wegen des guten Wasserangebots kann die Fischzucht Rietschen in diesem Jahr das volle Sortiment anbieten. Also nicht nur Karpfen, sondern auch Beifische wie Barsch und Zander. Karsten Tusche und seine Mitarbeiter bewirtschaften rund 260 Hektar, 200 davon werden noch im Herbst abgefischt. Über das zu erwartende Ergebnis möchte der Geschäftsführer nicht spekulieren. "Wir haben gerade bei den ersten kleinen Teichen angefangen. Entscheidend sind die Stückzahlen und das Größenwachstum." Das hätte unter Umständen noch besser ausfallen können. Wenn es länger höhere Temperaturen gegeben hätte. Aber auch so gehen die Rietschener von einem guten Jahr aus. Rund 80 Tonnen Speise- und Satzfische produziert der Betrieb durchschnittlich im Jahr.

Mehr zum Thema Niesky