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Die Tücken des neuen schnellen Internets

Neißeaue ist endlich ans schnelle Netz angeschlossen. Darüber freute sich auch Familie Scheuner. Doch sie stieß auf neue Probleme.

Von Steffen Gerhardt
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Mit viel Prominenz vollzog die Telekom im September 2020 in Rothenburg den Spatenstich zum Beginn des Breitbandausbaus im Landkreis Görlitz. Vier Cluster sind vom Landkreis an das Unternehmen vergeben worden.
Mit viel Prominenz vollzog die Telekom im September 2020 in Rothenburg den Spatenstich zum Beginn des Breitbandausbaus im Landkreis Görlitz. Vier Cluster sind vom Landkreis an das Unternehmen vergeben worden. © André Schulze

Schnelles Internet ist über viele Jahre in Neißeaue ein Wunsch gewesen. Nun ist er in Erfüllung gegangen. Mit der über den Landkreis ausgeschriebenen und geförderten Erschließung durch das Görlitzer Unternehmen NetComunity ist Neißeaue mit Glasfaserkabel versorgt. Nach und nach werden die Anschlüsse zugeschaltet. "Am Donnerstag sind es zehn Anschlüsse in Kaltwasser gewesen", sagt Geschäftsführer Peter Himmstedt. Aber noch läuft nicht alles perfekt.

Das zeigt sich vor allem dann, wenn man einen anderen Anbieter nutzen will. Familie Scheuner aus Klein Krauscha wollte ihren bisherigen Dienstleister Vodafone weiter nutzen, aber dieser findet den Anschluss der Familie nicht in seinem System. Ähnlich geht es Kunden, die bisher von der Telekom versorgt wurden. Grund ist, dass den Unternehmen die neuen Anschlüsse nicht bekannt sind. "Dadurch haben wir keine Möglichkeit, Tarife online miteinander zu vergleichen", sagt Frau Scheuner.

Das bestätigt die Telekom. In welchen Gegenden Glasfaseranschlüsse neu verlegt werden, ist aber kein Geheimnis. "Das kann man recherchieren", antwortet Pressesprecher Georg von Wagner auf eine Anfrage der SZ. Natürlich müssen diese neuen Anschlüsse auch in das eigene System eingepflegt werden, damit zum Beispiel Familie Scheuner auf der Telekom-Seite überprüfen kann, welche Leistungen und Tarife für ihren Anschluss infrage kommen. Das ist wohl derzeit nicht der Fall.

Vereinbarung erfordert Willen der Beteiligten

Grundsätzliche Voraussetzung, damit die Telekom über ein fremdes Netz ihre Kunden weiter versorgen kann, ist eine Vereinbarung zwischen dem Netzbetreiber und der Telekom. Der Net Community liegt dazu von der Telekom bisher nichts vor, sagt Geschäftsführer Peter Himmstedt. Auch Vodafone hat bisher keine Anfrage auf Nutzung des NC-Netzes gestellt. Nur mit Sachsen Energie (ehemals Enso Netz) und dem lokalen Anbieter Speedloc stehen die Görlitzer im Kontakt, um beiderseitig die Netze nutzen zu können. "Wir sind genauso daran interessiert, unsere Leistungen in anderen Netzen den Kunden anzubieten", sagt Peter Himmstedt.

Aber das muss vertraglich geregelt sein. Im Cluster 8 ist das scheinbar noch nicht passiert. Zudem gibt Peter Himmstedt zu bedenken, dass das Glasfasernetz gerade erst fertiggestellt ist und jetzt nach und nach die Anschlüsse zugeschaltet werden. Geduld ist in manchem Haushalt gefragt. Also wird es auch in Neißeaue noch etwas dauern, bis andere Anbieter in dem neuen Netz Fuß gefasst haben.

Die Einwohner in den zu erschließenden Clustern ist es freigestellt, von wem sie ihre Telekommunikationsdienste beziehen. Das Breitbandteam des Landkreises und Net Community bestätigen, dass das jetzt verlegte Glasfasernetz in den Gemeinden Horka, Kodersdorf, Neißeaue und Schöpstal ein deutschlandweit offenes Netz ist. Aber es muss auch gewollt sein, seine Dienste in einem fremden Netz anzubieten.

Familie Scheuner hat jetzt einen Vertrag mit der Net Community unterschrieben. "Ich arbeite im Homeoffice und bin auf ein stabiles und leistungsstarkes Internet angewiesen", sagt Carmen Scheuner. Dass sie sich für die NC entschieden hat, bringt ihr nicht nur einen preislichen Vorteil, sondern auch einen Ansprechpartner vor Ort, wenn es mal in der Leitung klemmt.