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Tierschmuggel über die Grenze nimmt zu

Die Bundespolizei im Kreis Görlitz fand Hunde, stoppte aber auch einen Großtransport Papageien. Ertappt werden nur Einzelfälle, die Dunkelziffer liegt höher.

Hundewelpen werden wie hier im Bereich der Bundespolizei-Inspektion Ludwigsdorf illegal über die Grenze gebracht. Oft zu jung und unter schlechten Transportbedingungen.
Hundewelpen werden wie hier im Bereich der Bundespolizei-Inspektion Ludwigsdorf illegal über die Grenze gebracht. Oft zu jung und unter schlechten Transportbedingungen. © Bundespolizei

Einschlägige Internetportale sind voll mit verlockenden Angeboten: Malteser-Welpen für 1.500 Euro, auch für junge Zwergpinscher wird so viel verlangt. Labrador-Babies bringen mehr als 2.000 Euro. Da sind Beagle-Winzlinge für 1.200 Euro fast schon Schnäppchen. Wo die Hunde herkommen, ist nicht immer klar. Der Welpenhandel blüht, auch die Bundespolizisten der Inspektionen Ludwigsdorf und Ebersbach haben im zurückliegenden Jahr mehrere Fälle festgestellt.

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Auch wenn es in der Region kein Massenphänomen ist - die Anzahl der aufgedeckten Tierschmuggelfälle steigt. Nach Angaben des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes (Lüva), das zu jedem Fall hinzugezogen wird, hat sich das Problem im Laufe des zurückliegenden Corona-Jahres verstärkt. Wurden 2020 von März bis zum Jahresende noch sieben Fälle illegal gehandelter Kleintiere gezählt, waren es allein von Januar bis Anfang Mai schon elf. Hochgerechnet auf das ganze Jahr sind 2021 insgesamt also mehr als 30 Fälle zu erwarten.

Tierschmuggel steigt auf mehr als das Dreifache

Wie viele Tiere - in der Mehrzahl kleine Hunde - festgesetzt wurden, lässt das Lüva unbeantwortet. Auch die Orte, wo die Kleinen ihre ein bis dreieinhalb Monate dauernde Quarantäne verbringen, bleiben geheim. Sicher ist, dass die Tierheime der Region eine wichtige Rolle spielen und auch bei der späteren Vermittlung nicht wegzudenken sind. So war das St. Horkano in Horka kürzlich Zwischenstation für zwei Cockerspaniel-Welpen. Im Internet erzielen sie Preise von 2.000 Euro oder mehr. Ludwigsdorfer Bundespolizisten hatten den aus Polen kommenden Transport am letzten Februartag auf der A 4 gestoppt. Inzwischen haben die hübschen Fellknäuel längst ein neues Zuhause gefunden.

Auch Michael Engler bestätigt, dass es mit zunehmender Corona-Zeit mehr Fälle von Tierschmuggel im Bereich der Inspektion Ludwigsdorf gegeben hat. 2020 hielten die Beamten zwei Transporte wegen - wie bei fast allen Anzeigen in diesem Bereich üblich - Verstößen gegen das Tierschutz- und das Tierseuchengesetz an. In den ersten vier Monaten 2021 hat sich deren Zahl bereits verdoppelt. "Meist sind es 'unbescholtene' Kuriere", erzählt der Sprecher der Inspektion. "Keine Tierpfleger, keine Spezialisten, nur Transporteure. Aber sie wissen ja, was sie als Ladung mit sich führen."

Einer von zwei Cockerspaniel-Welpen, die vorübergehend im Tierheim Horka untergebracht wurden. Die Nachfrage in der Corona-Zeit ist riesig.
Einer von zwei Cockerspaniel-Welpen, die vorübergehend im Tierheim Horka untergebracht wurden. Die Nachfrage in der Corona-Zeit ist riesig. © Tierheim Horka

Gut erinnern kann er sich noch an den 8. April. Da hielten die Beamten auf dem Rastplatz am Wacheberg an der A 4 einen auf den ersten Blick unverdächtigen Transporter an. Hinter dem Lenkrad und auf dem Beifahrersitz zwei Libanesen mit deutschem Wohnsitz. Im Ladeteil des Fahrzeugs fünf kleine, illegal eingereiste Staffordshire Bullterrier. Ende des Monats führte ein bei Bad Muskau gestoppter Ukrainer zwei Hunde- und sieben Katzenwelpen unbekannter Rassen mit. "Der Zustand der Tiere ist meist desolat", weiß Engler. Transportiert würden sie überwiegend ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen. Entdeckt wurden die Verstöße bei normalen Kontrollen im Nahbereich der deutsch-polnischen Grenze. "Gezielte Nachforschungen gibt es nicht", erklärt der Sprecher. Ein Muster des Schmuggels sei deshalb kaum zu erkennen. "Tiere werden offenbar zu allen Jahreszeiten und ohne Spezialisierung auf eine bestimmte Art illegal über die Grenze gebracht."

37 von 1.511 Vögeln werden beschlagnahmt

Noch geschickter als im Raum Görlitz verhielten sich die Gauner im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Denn dort wurden von Beamten der Bundespolizei-Inspektion Ebersbach lediglich vier Fälle von Tierschmuggel festgestellt - und das auch noch während der nur einige Wochen dauernden Grenzkontrollen an der S 148 bei Neugersdorf. Fast immer waren die kleinen Hunde viel zu jung. Die Fahrer wurden deshalb wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz zur Verantwortung gezogen.

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Der wohl spektakulärste Fall ereignete sich im Juli 2020 und betraf ausnahmsweise keine Hunde, sondern Vögel. "Unsere Kollegen hielten zwei Tschechen mit insgesamt 1.511 Papageien an. Darunter Aras, Kakadus, Sittiche", erinnert sich Michael Engler. Neben dem Veterinäramt habe man auch die Naturschutzbehörde und den Görlitzer Tierpark informiert. Laut Lüva setzte der Großteil der kostbaren Gefiederten unbeanstandet die Reise fort. Lediglich 37 Vögel wurden beschlagnahmt, weil gegen den Artenschutz verstoßen worden war.

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