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Tresorbauer plant mit 80 seinen Ruhestand

Seit drei Jahrzehnten entwirft Jürgen Starovsky aus Jänkendorf Tresore für Unis, Kliniken und Firmen. Nun sucht er einen Nachfolger.

Jürgen Starovsky plant seit fast 30 Jahren Tresore. Die Einzelstücke konstruiert er noch analog am Reissbrett.
Jürgen Starovsky plant seit fast 30 Jahren Tresore. Die Einzelstücke konstruiert er noch analog am Reissbrett. © André Schulze

Im nächsten Jahr wird Jürgen Starovsky 80 Jahre alt. Man würde es ihm nicht glauben, wenn er es nicht selbst sagen würde. Nach einem Ruhesitz sieht es auf seinem Grundstück in Jänkendorf nicht aus. Erst am Montag war der 79-Jährige unterwegs, um einen Tresor zu öffnen, bei dem der Schlüssel abhanden gekommen ist. Auch das gehört zu seiner Arbeit: Anderer Leute Tresore zu öffnen oder zu reparieren. Meist sind das Stahlschränke für Wertsachen, mehr oder weniger kompliziert zu öffnen. Vor allem alte Geldschränke begeistern ihn anhand des ausgeklügelten Riegelwerkes, das sich ihm jedes Mal als eine Meisterleistung der Feinmechanik zeigt.

Der Schwerpunkt in Jürgen Starovskys Arbeit ist die Konstruktion sicherer Schränke. Das sind weit mehr als Tresore der bekannten Art, die einst ein Egon Olsen geräuschlos mit Stethoskop und roten Gummihandschuhen öffnete. Der Fachmann spricht vom Strahlenschutzwertschränken, den Jürgen Starovsky in seinem kleinen Büro konstruiert. Dazu steht er am Reissbrett, so wie er das einst gelernt hat. Schließlich war Starovsky bis zur Wende Ausbildungsleiter für Metallbau und hatte den Abschluss als Ingenieur-Pädagoge in der Tasche.

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In der Marktwirtschaft wurde er als Ausbilder nicht mehr gebraucht. Tresore wurden zu seinem neuen Job: Vertrieb, Wartung, Reparatur und Konstruktion sein neues Betätigungsfeld. Schließlich hat das auch mit Metallbau zu tun. Seine Frau, heute 77 und immer noch dabei, hat die Buchhaltung übernommen. "Es braucht hierbei viel Wissen, nicht nur technologisches, sondern auch bei Gesetzen und Vorschriften", erklärt der Ingenieur. Das hat er sich über die Jahre autodidaktisch angeeignet. "Dabei ist und bleibt man ein ewig Lernender", ist seine Erfahrung. Denn Vorschriften ändern sich gewöhnlich schnell und seine Tresore sollen ja mindestens 100 Jahre halten, so wie die einst von Carl Kästner gebauten und noch heute funktionierenden.

Jürgen Starovsky vor seinen konstruierten Tresoren für strahlenintensives Material. Sie werden bei Käppler und Pausch in Neukirch/Lausitz hergestellt.
Jürgen Starovsky vor seinen konstruierten Tresoren für strahlenintensives Material. Sie werden bei Käppler und Pausch in Neukirch/Lausitz hergestellt. © privat

Strahlensichere Tresore

Zu seinen Kunden gehören Universitäten, Kliniken, Forschungslabors, Sachverständige wie die Dekra, die Feuerwehr bis hin zu Betreibern von Atomkraftwerks- wie Nuklearforschungsanlagen. Denn was in Starovskys Tresore eingelagert wird, sind Materialien und Prüfkörper, die Gamma-, Beta- und Neutronenstahlen aussenden.„Meine Schränke müssen nicht nur von außen vor fremdem Zugriff sicher sein, sondern auch von innen.“ Vorwiegend Blei wird dabei verbaut, um die Strahlung im Inneren zu halten. Das macht die Strahlenschutztresore besonders schwer. So wiegt ein Tresor schon mal zwei bis drei Tonnen.

Was auf Jürgen Starovskys Reissbrett entsteht, muss von einem Hersteller produziert werden. Dazu hat sich eine Zusammenarbeit verschiedener Firmen über die Jahre eingespielt: Die Tresor-Rohlinge werden im Westerzgebirge bei der Firma Erz-Tech gebaut. Das komplette Innenleben bekommen die Schränke in Rossendorf vom Unternehmen Isotope Technologies Dresden. Den Transport zum Kunden übernimmt die Spedition Jürgen Beyer in Markersdorf, zählt der Fachmann auf.

2018 gab es für ihn aber einen harten Einschnitt: das Rossendorfer Unternehmen zog sich aus der Tresorfertigung zurück. Jürgen Starovsky stand vor der Frage: Aufhören oder einen neuen Partner suchen? Da er schon Vorarbeit geleistet hatte für Universitäten und die Dekra, es aber in Deutschland keinen Hersteller dafür gab, der hier eingesprungen wäre, hat er sich entschieden, einen neuen Partner zu suchen, "der das auch kann". Schließlich wurde der Jänkendorfer in Neukirch im Metallbaubetrieb Käppler und Pausch fündig. Seit vergangenem Jahr übernimmt dieses Unternehmen die Montage des Innenlebens der Strahlenschutz-Tresore. Der Vollständigkeit halber sei noch das Bleiwerk Halsbrücke bei Freiberg genannt, das die passgenauen Bleieinsätze für die Tresore liefert.

Mit regionalen Firmen zusammenarbeiten

Für Jürgen Starovsky ist es wichtig, mit regional ansässigen Firmen zu kooperieren. "Die Leute hier haben das Fachwissen und die Betriebe sind gut aufgestellt", ist die Erfahrung des Konstrukteurs. Seine Pläne sollten schon mal in Polen umgesetzt werden, aber das hat Jürgen Starovsky erfolgreich verhindert. "Meine Kunden schätzen die Wertarbeit, die in jedem Tresor steckt. Das sind alles Einzelanfertigungen, die den Normen entsprechen müssen", betont er.

Das soll auch in Zukunft so funktionieren. Deshalb sucht Jürgen Starovsky einen Nachfolger. Nicht für sein kleines Konstruktionsbüro in Jänkendorf, sondern für diese Arbeit. Die Messlatte liegt hoch: Der oder die Interessent/in sollte nicht nur etwas von Planung und Konstruktion solcher Sicherheitsschränke verstehen, sondern auch von Wartung und Reparatur alter und neuer Tresore.

In Jürgen Starovskys Werkstatt liegen derzeit auch Schlösser aus Tresoren der Görlitzer Kathedrale, die saniert wird. Er arbeitet sie wieder auf - als Mechaniker. Ebenso die Tür einer Notöffnung, die wieder funktionsfähig und mit einem neuen Schloss versehen dem Kunden übergeben werden soll. Ersatzteile im Baumarkt gibt es für diese Schlösser nicht. Die eigene Kreativität ist gefragt, oder man hat einen guten Schlosser an der Hand, der sein Handwerk beherrscht und hilft. Das soll auch in Zukunft so sein.

Kontakt über: https://www.starovsky-tresor.de

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