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Aus Liebe zu den schönen Uhren

Adina Pohl führt mit 37 Jahren die Handwerkstradition ihrer Eltern in Niesky fort. Jetzt kommt bei ihr das Familienglück dazu.

Adina Pohl führt in Niesky das Uhren- und Schmuck-Geschäft ihres Vaters weiter.
Seit sechs Jahren am Zinzendorfplatz.
Adina Pohl führt in Niesky das Uhren- und Schmuck-Geschäft ihres Vaters weiter. Seit sechs Jahren am Zinzendorfplatz. © André Schulze

Adina Pohl kann wieder lächeln, wenn sie aus dem Schaufenster ihres Geschäftes am Nieskyer Zinzendorfplatz schaut. Seit Montagmorgen rollt der Verkehr wieder über die Südseite des Platzes und damit auch an ihrem Geschäft für Uhren und Schmuck entlang. Das heißt, die Kunden finden jetzt wieder schneller und unkompliziert den Weg zu ihr.

Für vier Monate war die Sparkassen-Kreuzung aufgrund umfangreicher Bauarbeiten gesperrt. Nicht nur Adina Pohl klagt über das Ausbleiben der Kundschaft, auch die anderen Händler und Gewerbetreibenden rund um den Zinzendorfplatz. "Es war für uns eine schwere Zeit, aber nun hoffen wir darauf, dass es aufwärts geht, die Kunden wieder in die Geschäfte kommen", sagt die 37-Jährige.

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Mutter einer Tochter

Trotz der geschäftlichen Einbußen erlebt Adina Pohl eine für sie glückliche Zeit: Am 14. Oktober kam ihre Tochter Lisa zur Welt. "Fortan muss ich mein Leben und das meiner Familie neu organisieren. Mutter und Geschäftsfrau sind unter einen Hut zu bringen", erzählt die Nieskyerin. Ihren Laden wollte sie bereits in der Schwangerschaft nicht schließen und jetzt als junge Mutter auch nicht. Eine große Hilfe ist ihre Mutter Alexandra Pohl. Sie vertritt Tochter Adina im Geschäft, nimmt Reparaturen an und sorgt für Umsatz.

Für Adina Pohl ist das Arbeiten in Familie nicht neu. Ihr beruflicher Werdegang ist durch die Arbeit ihres Vaters vorgeprägt. Peter Pohl arbeitete fast fünf Jahrzehnte als Uhrmachermeister, 29 Jahre davon in Niesky. Peter Pohl war 1991 einer der ersten Mieter in der neu gebauten Ladenstraße mit Wohnungen oben drüber in der Lehrergasse. Seine Frau führte parallel das Familiengeschäft in Reichenbach und Görlitz auf der Kunnersdorfer Straße. Was bleibt da der einzigen Tochter, als auch Uhrmacherin zu werden? Zumal ihr in der Berufsberatung auch nichts anderes nahe gelegt wurde, als den Beruf des Uhrmachers zu ergreifen und damit ihren Eltern zu folgen. "Diese Beratung hätte ich mir schenken können", sagt sie heute.

In der Uhrmacherstadt gelernt

In den Beruf gedrängt hat sie niemand. Schon als Kind war sie fasziniert von den mechanischen Teilen die im Ganzen eine Uhr ergeben. Uhren wieder zum Laufen bringen und damit dem Besitzer eine Freude zu machen, das ist auch heute noch ihr Antrieb, das macht schließlich den Namen des Uhrmachers aus. Doch um sich der Feinmechanik fachlich widmen zu können, braucht es eine solide Ausbildung. Diese bekam die junge Frau in der Uhrenstadt Glashütte im Erzgebirge. Von 1999 bis 2002 ließ sie sich zum Uhrmachergesellen ausbilden. Mit dem Facharbeiterzeugnis in der Tasche kehrte sie nach Niesky und in das Geschäft ihres Vaters zurück. Dort arbeitete sie zwei Jahre, bis die Arbeit für zwei Pohls nicht mehr ausreichte.

Adina Pohl verließ den elterlichen Betrieb und ging in den Westen, nach Eschwege und später nach Thüringen in die Stadt Erfurt. Sie arbeitete als Angestellte bei einer Firma, die Uhren- und Schmuckservice anbot und mehrere Niederlassungen in Deutschland hatte. In den acht Jahren der Ferne hat sie Niesky nie ganz losgelassen. Irgendwann wollte sie zurück in ihre Heimatstadt. Das tat sie auch, nahm dafür ein Jahr Arbeitslosigkeit in Kauf, um daraus in die Selbstständigkeit zu wechseln. 28 Jahre jung, feierte Adina Pohl im Juli 2011 ihre Geschäftseröffnung mit reinem Uhrenservice - im Laden ihres Vaters. Peter Pohl, inzwischen 70 Jahre, arbeitete seine Tochter ein und zog sich aus dem Reparaturgeschäft zurück.

Adina Pohl ist nicht nur Uhrmacherin, sondern auch Schmuckhändlerin. Sie zeigt einen der Niesky-Anhänger, den sie seit vergangenem Jahr im Sortiment hat.
Adina Pohl ist nicht nur Uhrmacherin, sondern auch Schmuckhändlerin. Sie zeigt einen der Niesky-Anhänger, den sie seit vergangenem Jahr im Sortiment hat. ©  Archiv/André Schulze

Eigenes Geschäft am Zinzendorfplatz

Eigentlich hatte Adina Pohl nie vor, aus Niesky wegzugehen. Die acht Jahre in Hessen und Thüringen waren aber unumgänglich, um weiter arbeiten zu können und Geld zu verdienen. Denn die Auswahl an Uhrengeschäften in ihrem Heimatkreis war sehr geschrumpft. Von ursprünglich 18 Uhrmachermeistern zu DDR-Zeiten gab es 2011 zwischen Weißwasser und Görlitz noch vier. Die Zunft drohte auszusterben, auch in Niesky. Dass es in Niesky nicht dazu kam, ist der Uhrmacherfamilie Pohl zu verdanken. 2011 übernahmt Adina Pohl teilweise das Familiengeschäft und 2014 dann komplett.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass in Niesky bis März dieses Jahres ein zweites Uhren- und Schmuckgeschäft existierte. Bereits 1982 hatte der Görlitzer Lutz Hüter sein Juwelier-Geschäft in der Gersdorfstraße eröffnet und später dann auf der Horkaer Straße. Als der Goldschmiedmeister in Rente ging, übernahm Sohn Ralf Hüter als Goldschmied im Jahr 2006 den Laden. Ein, wenn auch geringer Teil seiner Kunden kommt jetzt zu Adina Pohl.

Was Adina Pohl am väterlichen Geschäft störte, war die Lage. An der Ecke zur Lehrergasse ist sie aus dem Blickfeld der Laufkundschaft und der Kraftfahrer. Das änderte sich 2014, als Geschäftsräume am Zinzendorfplatz frei wurden. Das nutzte die junge Geschäftsfrau und zog mit ihrem "Uhrwerk" in den Laden, der zuvor Genussmittel wie Liköre, Tee und Süßigkeiten angeboten hatte. Inzwischen sind sechs Jahre vergangen, nicht nur in den neuen Geschäftsräumen, sondern auch in der Partnerschaft mit ihrem Lebensgefährten. "Über Facebook haben wir uns kennengelernt", sagt Adina Pohl lächelnd. Der Freitaler ist seit drei Jahren ein Nieskyer. Er hat in Kodersdorf bei einem Flugzeugausrüster Arbeit bekommen und teilt sich seit einem Monat die Elternschaft mit Adina. Wenn das kein Grund zur Freude und zum Lächeln ist.

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