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B-115-Bau wird zur Geduldsprobe für Kraftfahrer

Die Autos rollen wieder mitten durch Niesky. Aber auch die Einwohner des Ortsteiles See klagen über die Folgen der Umleitung.

Durch die Sperrung der Umgehungsstraße wird ein Großteil des Verkehrs wieder mitten durch Niesky geleitet. Nicht nur am Bahnübergang Muskauer Straße stauen sich die Fahrzeuge.
Durch die Sperrung der Umgehungsstraße wird ein Großteil des Verkehrs wieder mitten durch Niesky geleitet. Nicht nur am Bahnübergang Muskauer Straße stauen sich die Fahrzeuge. © André Schulze

Seit knapp drei Wochen rollt der B-115-Verkehr wieder durch die Stadt Niesky. Der Grund sind Bauarbeiten an der Seer Kreuzung. Dort werden der Straßenbelag, die Entwässerung und die Ampelanlage erneuert. Nur aus und in die Richtungen Kodersdorf und See lässt sich die Kreuzung befahren. Für die Nieskyer ist diese Umleitung nicht neu.

Bis zum August 2019 rollte der Umleitungsverkehr schon einmal durch Niesky, und zwar für ein ganzes Jahr. Dieses Mal wird es nur für knapp drei Monate sein. "Es ist mehr geworden an Verkehr, vor allem staut es sich jetzt länger an den Ampeln am Zinzendorfplatz", berichtet Mandy Gorn. Sie leitet das Geschäft am Zinzendorfplatz von der Friseurgenossenschaft "Sibylle". Vor den Schaufenstern zur Muskauer Straße staut oder rollt der Verkehr, je nachdem, was die Ampel anzeigt. Vor allem zur Mittagszeit und zum Feierabend ist da ganz schön was los, sagt die Geschäftsleiterin.

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Nicht so schlimm wie beim Brückenbau

Das bestätigt auch ein älterer Herr, der seinen Namen lieber für sich behält. Er wohnt in einem der Wohnblöcke an der Muskauer. "Man muss viel Zeit einplanen, um über die Straße zu kommen", sagt der Nieskyer. Ist eine Fahrbahn frei, fährt es auf der anderen. "Aber so schlimm wie zu Zeiten des Brückenbaus ist es jetzt nicht", lautet seine Einschätzung.

Als die Brücke auf der B 115 dem Ausbau der Niederschlesien-Magistrale Platz machen musste, rollte nicht nur der Verkehr von der Bundesstraße durch Niesky, sondern auch viele schwere Baufahrzeuge. Das setzte vor allem dem Zinzendorfplatz zu, der bereits für eine Straßensanierung vorgesehen war. Nicht nur das historische Pflaster litt unter der Dauerbelastung, auch die Rohre und Leitungen im Untergrund.

Im vergangenen Jahr wurde die Hauptmagistrale vom Zinzendorfplatz in zwei Bauabschnitten grundhaft erneuert. Mit der erheblichen Nebenwirkung, dass das Stadtzentrum über mehrere Monate lahmgelegt wurde und die Geschäftsinhaber über Umsatzrückgang klagten, weil die Kunden ausblieben. Und nun muss Niesky wieder eine Blechkarawane verkraften.

Keine weiteren Baustellen

Aus Sicht des Tiefbauamtes der Stadt Niesky bleiben die Auswirkungen auf den Zustand der Straßen gering. Der Zinzendorfplatz ist vor einem Jahr neu gemacht worden und auch die Muskauer Straße hat Nehmerqualitäten, auch wenn ihr Ausbau schon wieder einige Jahre her ist. "Unser Bestreben ist es, dass es in dieser Zeit zu keinen weiteren Straßenbaustellen in der Stadt kommt", sagt Sachgebietsleiter Enrico Bachmann. Denn die Verkehrslage sei zwar angespannt, aber beherrschbar.

Nachteilig auf den Verkehrsfluss wirkt sich der Bahnübergang Muskauer Straße aus. Weniger von der Frequenz der ihn querenden Züge, sondern von der Schließzeit der Schranken. Die Schranke bleibt eine lange Zeit unten, das sorgt für mehr Stau als eigentlich notwendig wäre.

Ampelschaltung wird verändert

Und noch einen neuralgischen Punkt hat Niesky: Vier Ampeln muss der Kraftfahrer beachten, wenn er durch Niesky fährt: Zwei am Zinzendorfplatz, eine am Gewerbegebiet Süd und die vierte an der Jänkendorfer Kreuzung. Das ist auch dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr aufgefallen. Damit es zügiger auf der Nord-Süd-Achse rollt, sollen die Ampelzeiten verändert werden. Mit der Folge, dass der Umleitungsverkehr längere Grün-Phasen hat. Der Auftrag dazu soll vom Lasuv bereits ausgelöst sein.

Lkw-Fahrer suchen sich einen Schleichweg durch See. Das passt den Anwohnern so gar nicht, zumal einige Kraftfahrer auch das Tempolimit ignorieren.
Lkw-Fahrer suchen sich einen Schleichweg durch See. Das passt den Anwohnern so gar nicht, zumal einige Kraftfahrer auch das Tempolimit ignorieren. © Arnim Christgen

Im Gegensatz dazu wären die Seer Anwohner froh, ein paar Ampeln im Ort stehen zu haben - zur Verkehrsberuhigung. Denn nicht nur mancher Autofahrer, sondern auch Brummifahrer haben einen Schleichweg durch See und Zeche für sich entdeckt.

Anwohner Arnim Christgen berichtet: "Die Lkws rasen mit hoher Geschwindigkeit die Mittelstraße entlang. Dafür gibt es mehrere Zeugen. Diese und auch andere Fahrer, wie von den Paketdiensten, interessiert es überhaupt nicht, dass die Ortslage eine 30 km/h- Zone ist und die meisten Kreuzungen unübersichtlich sind." Die Anlieger haben schon öfter solche Fahrer angehalten und angesprochen. Ihre Ausrede: Sie haben keine Zeit, sind schon viele Stunden unterbezahlt unterwegs.

Kontrollen in See angekündigt

Diese Beschwerden haben inzwischen das Nieskyer Rathaus erreicht. Die Straßenverkehrsbehörde will darauf reagieren, zumal die Straße durch Zeche nur für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen zugelassen ist. 40-Tonner sind dort fehl am Platz. Die Stadt hat bereits mit der Landespolizei vereinbart, dass in See Geschwindigkeitsmessungen stattfinden sollen, heißt es aus der Behörde. Ebenso soll das Durchfahrtsverbot für schwere Lkws in Zeche kontrolliert werden.

Leider kann Niesky die Stadt Görlitz nicht beauftragen, in See zu "blitzen", da ein Rechtsstreit über die Messdaten dieses Gerätes noch nicht beigelegt ist. Demzufolge bleibt Niesky nur die Landespolizei.

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