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Wird Niesky zur größten sächsischen Tempo-30-Zone?

In vielen Wohngebieten ist die "30" Alltag. Die Wünsche sind aber weitaus größer. Das Rathaus prüft das jetzt.

Der Friesenweg in Niesky ist nur für Anwohner frei.
Dennoch wird er besonders im Sommer als Zufahrt zur Kiesgrube genutzt.
Der Friesenweg in Niesky ist nur für Anwohner frei. Dennoch wird er besonders im Sommer als Zufahrt zur Kiesgrube genutzt. © André Schulze

Lothar Gothan ist Stadtrat und wohnt am Friesenweg. Vor seinem Grundstück hat er ein Problem: Es staubt mächtig, wenn bei Trockenheit die Autos dort entlangfahren. Mit weniger Geschwindigkeit lässt sich der Staub nicht ganz vermeiden, aber zumindest müssen die Fenster weniger geputzt werden. Deshalb plädiert Gothan für eine "30" auf dem Friesenweg.

Bereits im Frühsommer stellte er einen Antrag an die Stadt auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h. Ein Anliegen, das von weiteren Anwohnern unterstützt wird. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich eine Gartensparte. Auch dort ist der Staub Thema, vor allem, wenn man wie in einem Garten üblich draußen sitzt. "Da knirschte es manchmal zwischen den Zähnen beim Kuchen essen", sagt ein Nieskyer Parzellenbesitzer.

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Lothar Gothan ist Mitglied im Stadtrat Niesky für die Fraktion der AfD. Er setzt sich dafür ein, dass der Friesenweg eine "30" bekommt, um die Staubbelastung auch für sein Grundstück zu verringern.
Lothar Gothan ist Mitglied im Stadtrat Niesky für die Fraktion der AfD. Er setzt sich dafür ein, dass der Friesenweg eine "30" bekommt, um die Staubbelastung auch für sein Grundstück zu verringern. © André Schulze

40 unbefestigte Straßen

Der Friesenweg ist nicht die einzige Straße in Niesky, die aufgrund ihres unbefestigten Zustandes ein Ärgernis für die Anwohner ist. Laut Tiefbauverwaltung hat Niesky noch rund 40 unbefestigte Straßen. Eine Mammutaufgabe, wolle man sie alle asphaltieren. Vom Geld ganz zu schweigen. Verkehrsschilder sind da preiswerter und helfen erstmal aus der Situation. Aber den Anwohnern geht es nicht nur um Schlaglöcher und Staub.

Ein weiterer Aspekt ist die Verkehrssicherheit. Die großen Wohngebiete wie Ringstraße, beiderseits der Bahnhofstraße oder an der Konrad-Wachsmann-Straße sind bereits zu 30er-Zonen deklariert worden. Ebenso der Ortsteil See. Aber woanders wird auch zu schnell gefahren. Das kritisieren unter anderem die Bewohner der Neuhofer Straße. Sie mussten jahrelang kämpfen, um ihre "30" wiederzubekommen. 2012 wurde sie während einer Schilderbereinigungsaktion abmontiert. Als die Bahntrasse 2018 in Betrieb ging, wurde die Neuhofer Straße zum Schleichweg, um nicht am Bahnübergang Muskauer Straße zu warten. Die Unterführung Krone-Tunnel ermöglicht fortan das Unterqueren der Bahngleise, um in die Stadt oder aus ihr zu kommen.

30er-Zonen gibt es in der Stadt Niesky vor allem in den mehrgeschossigen Wohngebieten wie hier in der Ringstraße.
30er-Zonen gibt es in der Stadt Niesky vor allem in den mehrgeschossigen Wohngebieten wie hier in der Ringstraße. © André Schulze

Mit Beharrlichkeit zum Ziel

Letztendlich zeigte nach einer Messung der Stadt, dass die Zahl der Fahrzeuge erheblich ist und sich nicht jeder an die 50 km/h hält. Also kam das Schild mit der Dreißig wieder hin. Der beharrliche Kampf der Anwohner für ihre "30" brachte etwas, wenn auch erst nach Jahren. Lothar Gothan möchte nicht so lange warten. Seit 1976 wohnt er an dieser Straße. An ihrem Zustand hat sich bis heute kaum etwas geändert. Deshalb war eine "30" schon in den 1980er Jahren angebracht worden. Zum Ende der DDR waren die Löcher so groß, dass nur noch 10 km/h gestattet waren, erzählt Gothan.

Nach der Wende verschwanden irgendwann die Geschwindigkeitsschilder und der Friesenweg wurde zur Anliegerstraße. "Das wird aber von vielen Kraftfahrern, die zur Kiesgrube baden fahren, ignoriert", ist Gothans Eindruck. Deshalb ist er für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h, die auch zu kontrollieren ist. Bleibt die Frage, ob der Kraftfahrer, der bereits das Schild Durchfahrverbot und "Nur für Anlieger" ignoriert, sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hält? Alternativ ließe sich die Straße zur Sackgasse umfunktionieren, mit zwei Pollern am Ende. Aber, ob das die Anwohner und Gartenbesitzer wünschen?

Geschwindigkeit und Fahrzeugzahl wird gemessen

Für die Stadt Niesky steht der Friesenweg mit auf der Liste der zu überprüfenden Straßen. In der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses wurde sich darauf geeinigt, weitere Straßen in der Stadt auf ihre Dreißig-Tauglichkeit zu prüfen. Lothar Gothan (AfD) verwies noch einmal auf seinen Antrag und eine Antwort darauf. Die Meinungen gehen bereits im Ausschuss auseinander. Lothar Halke plädierte für eine generelle 30er-Zone im Zentrum der Stadt. Frank Mrusek (beide Bürgerbewegung) gab zu bedenken, dass das öffentliche Straßen sind, die jeder Kraftfahrer benutzen darf. "Wir sollten bei unserer Entscheidung nicht nur an die Anlieger, sondern auch an die Autofahrer denken."

Die Straßenverkehrsbehörde der Stadt wird in den nächsten Wochen prüfen, wo eine Geschwindigkeitsreduzierung angebracht ist, erklärte Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann. Das erfolgt mit dem Gerät der Stadtverwaltung, das nicht nur die Geschwindigkeit misst, sondern auch wie viele Fahrzeuge daran vorbeifahren. Da die Messungen ohne verkehrsrechtliche Konsequenzen bleiben, erhofft sich die Stadt ein reelles Bild an den jeweiligen Orten.

Die Ergebnisse sollen in einem Konzept münden, das die Verwaltung bis Jahresende dem Stadtrat vorlegen will. Dieser soll über weitere Geschwindigkeitsreduzierungen entscheiden. So ist der Fahrplan der Stadtverwaltung.

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