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Sie hat für Rothenburg viel bewegt

Petra-Edith Pietz verabschiedet sich als Vorstand der Diakonie St. Martin. Der Pflege, Erziehung und Bildung widmet sich die Görlitzerin weiterhin.

Dem Vorstand des Martinshofes gehört Petra-Edith Pietz seit 2007 an. Diesen Monat geht die Görlitzerin in den Ruhestand.
Dem Vorstand des Martinshofes gehört Petra-Edith Pietz seit 2007 an. Diesen Monat geht die Görlitzerin in den Ruhestand. © André Schulze

Ist der November vorüber, dann ist auch das Arbeitsleben von Petra-Edith Pietz vorbei. "Am 30. November werde ich meinen Schreibtisch ausräumen und damit meine Arbeit als Vorstand der Diakonie St. Martin beenden", sagt die 63-Jährige. Ein Entschluss, den Frau Pietz bereits vor der Fusion der Stiftungen Diakoniewerk Martinshof Rothenburg und Diakonie Görlitz-Hoyerswerda zum 1. Januar 2019 gefasst hatte.

Mit dem Zusammenschluss zur Diakonie St. Martin gab es vier Vorstände, zwei aus jeder Stiftung. "Wir beiden Älteren, also Johannes Johne und ich, wollte in den kommenden zwei Jahren in Rente gehen und die Vorstandsarbeit den beiden Jüngeren Mandy Köhler und Robert Dünnbier überlassen", erklärt Frau Pietz. Johannes Johne verabschiedete sich bereits im vergangenen Jahr in den Ruhestand. Petra-Edith Pietz folgt ihm zum Monatsende.

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Unternehmerische und diakonische Entscheidungen

In den Vorstand des Diakoniewerkes Martinshof wurde Petra-Edith Pietz zum 1. April 2007 gewählt. Gut 13 Jahre ist sie der theologische Vorstand in der Rothenburger Stiftung gewesen. Die unternehmerischen Entscheidungen wurden und werden immer vom kaufmännischen und theologischen Vorstand zusammen getroffen; auch in der neuen Stiftung St. Martin handeln die Vorstände miteinander.

Einher geht diese Erfolgsbilanz mit einem stetigen Wachstum des Martinshofes in den vergangenen Jahren. Die Einrichtung an der Neiße ist schon längst dem Status eines Pflegeheimes für behinderte Menschen entwachsen. In Petra-Edith Pietz Vorstandszeit kamen dazu: Das neu gebaute Medizinische Versorgungszentrum neben dem Martinshof, der Bau und Verkauf der Heinrich-Schütz-Residenz in Dresden, die eigenständigen Küchenbetriebe, die Diakonie Pflege Forst als ambulanter Pflegedienst, die Grundrenovierung der Wohnanlage G22 sowie die NOvA-Gesellschaft mit Sitz in Kodersdorf. Sie ist auf die Fertigung von Schutzeinrichtungen für Montagelinien durch behinderte Menschen spezialisiert.

Spuren in der Stadt Rothenburg

Im Rothenburger Stadtzentrum ist der Martinshof ebenfalls präsent: Mit dem Soziokulturellen Zentrum im Renthaus am Stadtpark. Das wurde in diesem Jahr in Partnerschaft mit Tschechien erweitert. Der Umbau der Kita Arche gehört ebenso dazu wie die Umwidmung des Hotels "Zur Krone" zu einer inklusiven Wohnstätte. Der Fortbestand der Handwerkerhalle in der Mühlgasse wurde mit dem gesichert, was sie früher schon einmal war: eine Produktionsstätte, jetzt für Industriemontagen.

Neben den baulichen Aktivitäten sind Frau Pietz auch die Kontakte zu den Menschen wichtig. Ganz gleich ob auf Freundestagen, in Gottesdiensten und Andachten oder zu den Kirchengemeinden, der Brüder- und Schwesternschaft des Martinshofes. Darüber hinaus unterbreitete sie biblisch-diakonische Fortbildungsangebote für Mitarbeitende und entwickelte eine eigenen Zeitung für sie.

Petra-Edith Pietz ist sicher, dass das Wachstum anhalten wird. Die Altenpflege und betreutes Wohnen wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, wenn man sich die demografische Entwicklung anschaut. Auch wenn sie nicht mehr Vorstand ist, will Petra-Edith Pietz sich im Ruhestand diesen Themen widmen. Vielleicht in einem Ehrenamt, überlegt sie. Denn was die Pflege betrifft, aber auch die Erziehung und Bildung junger Menschen, besonders in den Pflegeberufen, besteht Nachholebedarf auch bei der Diakonie. Zudem beschäftigt sie die Umsetzung des Bundesteilhabegesetz für Menschen mit Behinderungen und das geistliche Leben in den Häusern der Diakonie.

Als Pfarrerin aktiv bleiben

In ihrem eigentlichen Beruf, Pfarrerin, will Petra-Edith Pietz ebenfalls aktiv bleiben. "Pfarrer ist unsereins ein Leben lang. Wenn ich gebraucht werde, bin ich gern da, um auszuhelfen", sagt sie. Helfen wollte die gebürtige Görlitzerin bereits als junge Frau. Nur hatte sie sich dafür einen anderen Beruf vorgestellt: "Ich wollte Abitur machen und Medizin studieren, aber das durfte ich in den 1970er Jahren als Christin nicht", erzählt Petra-Edith Pietz. Sie bekam aber den Tipp, dass es in Potsdam eine Schule gibt, die zwar kein staatliches Abitur, aber dennoch ein Abi anbietet. "Das war aber mit der Maßgabe verbunden, dass ich danach nur Theologie studieren konnte. Also entschied ich mich dafür." Bereut hat es Petra-Edith Pietz bis heute nicht.

Ihr theologisches Examen absolvierte sie am Katechetischen Oberseminar in Naumburg. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Hans-Wilhelm kennen, ein Berliner, der gleichfalls Theologie studierte. Nach dem Vikariat nahmen beide die Pfarrstelle in Forst an. "Die Kirchgemeinde hatte zu dieser Zeit zweieinhalb Pfarrstellen, das ist heute undenkbar", erinnert sich Petra-Edith Pietz. Das war 1986, eine für beide spannende politische Zeit in der DDR. Ihr Mann war als Gemeindepfarrer eingesetzt und leitete in der Wendezeit den Runden Tisch in Forst. Bis 1992 wirkte das Pfarrerehepaar in Forst, 1993 folgte der Umzug nach Görlitz, wo beide auch als Rentner wohnen bleiben.

Ein Buch eigene Familiengeschichte

Seit einem Jahr ist Hans-Wilhelm Pietz im Ruhestand. Aber Ruhe gönnt sich der ehemalige Regionalbischof des Sprengels Görlitz nicht. Er schreibt die Lebensgeschichte seines Vaters Reinhold Pietz auf. Dieser folgte mit seiner Frau 1954 vom Westen aus dem Ruf in die DDR, um hier als Pfarrer tätig zu sein, weil viele Geistliche in den Westen geflüchtet waren. Erst Pfarrer wurde er zum Leiter der Predigerschule Paulinum und schließlich Präsident der Evangelischen Kirche der Union. "Eine sehr spannende Geschichte, die mein Mann aufschreibt. Und: Ohne den Umzug seines Vaters in die DDR hätte ich nie meinen Mann kennengelernt", sagt Petra-Edith Pietz. Mit ihm zusammen hat sie eine Tochter und einen Sohn und inzwischen sechs Enkelkinder, der Älteste ist zwölf Jahre. Für sie wird Petra-Edith Pietz jetzt mehr Zeit haben, zumindest hat sie sich das vorgenommen.

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