merken
PLUS Niesky

Rolle rückwärts im Waggonbau Niesky

Mit Matus Babik löst der Vorgänger seinen Nachfolger Martin Weisenpacher als Geschäftsführer ab. Gerüchte gab's schon länger. Dann ging alles ganz schnell.

Matus Babik ist wieder Geschäftsführer der ELH Waggonbau Niesky GmbH. Schon von Anfang 2019 bis Oktober 2020 hatte er diese Position inne.
Matus Babik ist wieder Geschäftsführer der ELH Waggonbau Niesky GmbH. Schon von Anfang 2019 bis Oktober 2020 hatte er diese Position inne. © André Schulze

Nieskys größter Industriebetrieb geht durch turbulente Zeiten. Mit Matus Babik hat die ELH Waggonbau GmbH nach nicht einmal einem Jahr den nächsten Geschäftsführer. Sein Vorgänger Martin Weisenpacher hatte diese Position am 1. Oktober 2020 von ihm übernommen. Babik sitzt nun seit dem 18. August zum zweiten Mal auf dem Chefsessel des traditionsreichen Betriebes, nachdem ihn der slowakische Schienenfahrzeughersteller Tatravagonka zum Jahresbeginn 2019 aus der Insolvenz herausgekauft und er ihn seitdem geführt hatte. Der Waggonbau ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft.

Anzeige
Berufsakademie Sachsen wird 30
Berufsakademie Sachsen wird 30

Die Staatliche Studienakademie Bautzen ist eine von sieben Einrichtungen der Berufsakademie. In Bautzen wird noch 70 Jahre Ingenieurstudium gefeiert.

Insider berichten, dass es schon längere Zeit Gerüchte um einen Wechsel an der Unternehmensspitze gegeben habe. Gründe dafür seien Schwierigkeiten mit Materiallieferungen und Zulieferteilen gewesen, die in Niesky oft nachgearbeitet werden mussten. Konkret habe sich die Abberufung Weisenpachers zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht angekündigt. "Das war dann doch überraschend."

Probleme mit Lieferanten und eigener Fertigung

Dies sieht auch Betriebsratsvorsitzender Peter Jurke so, der aufgrund des plötzlichen Wechsels weder mit dem alten noch dem neuen Chef über die aktuelle Situation sprechen konnte. Und deshalb auch nichts zu den Hintergründen sagen kann. Jurke bestätigt aber, dass es immer wieder zu Problemen mit Lieferanten und der eigenen Fertigung gekommen sei. Allerdings ist er auch froh, dass mit Matus Babik ein alter Bekannter die Leitung übernommen hat. "Er kennt sich hier aus und ist schon früher gut in Niesky zurechtgekommen."

Diesen Eindruck hat auch Eileen Müller von der IG Metall. Die Verhandlungsführerin der Gewerkschaft im derzeit laufenden Tarifkonflikt hat mit dem neuen Geschäftsführer bereits Kontakt aufgenommen. "Er will den Standort voranbringen", hat sie aus der rund einstündigen Unterredung herausgehört. Und: "Die Arbeitgeberseite hat ein verbessertes Angebot vorgelegt." Dies liege "nicht unter unseren Forderungen" und werde deshalb die Grundlage künftiger Gespräche sein. Die finden nach ihren Angaben am 7. September statt. Über den Inhalt des Angebotes äußern möchte sie sich vorerst aber nicht.

Tarifverhandlungen mit Babik schon 2019 erfolgreich

Fest steht, dass die IG Metall Ostsachsen bereits 2019 gute Erfahrungen mit Matus Babik gesammelt hat. Denn damals konnte sich die Gewerkschaft mit dem slowakischen Manager ebenfalls auf eine Gehaltserhöhung einigen. "Man merkt, dass er sehr viel betriebswirtschaftliches Verständnis hat und weiß, dass gute Fachkräfte nicht so einfach auf der Straße zu finden sind", sagt Eileen Müller. Für den weiteren Verhandlungsverlauf sei sie deshalb optimistisch.

Mehr zum Thema Niesky