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"Macht er es gut, wird er wiedergewählt"

Die Menschen in Neißeaue wählten Per Wiesner zu ihrem neuen Bürgermeister. Am Tag danach sind fast alle zufrieden.

Seine Ärmel hochkrempeln wird jetzt Per Wiesner. Der 42-Jährige aus Groß Krauscha ist der neue Bürgermeister für Neißeaue.
Seine Ärmel hochkrempeln wird jetzt Per Wiesner. Der 42-Jährige aus Groß Krauscha ist der neue Bürgermeister für Neißeaue. © André Schulze

Die Gemeinde Neißeaue hat ihren neuen Bürgermeister: Per Wiesner. Noch muss der 42-Jährige auf die Bestätigung des Wahlergebnisses und damit seines Sieges über Mitbewerber Ewald Ernst durch das Kommunalamt warten. Liegt diese vor, nimmt er den Platz von Evelin Bergmann im Gemeindeamt Groß Krauscha ein. Für Frau Bergmann war am Montag der letzte Arbeitstag als Bürgermeisterin im Ehrenamt.  Bis zu Per Wiesners Amtsantritt übernimmt kommissarisch Carla Michel aus Zodel die Amtsgeschäfte. Sie ist die stellvertretende Bürgermeisterin von Neißeaue.

Mit Per Wiesner übernimmt ein junger Mann ehrenamtlich die Geschicke von Neißeaue. Seit Kurzem ist der Groß Krauschaer als Projektmanager für Strukturwandel bei der Entwicklungsgesellschaft des Landkreises (ENO) beschäftigt. Was erhoffen sich die Menschen in Neißeaue von ihrem neuen Bürgermeister? 

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Gemeinderat steht hinter dem Neuen

Mit dem Mandat der Freien Liste Neißeaue zieht Wiesner in das Bürgermeisteramt ein. Mario Ludwig, Mitglied der Wählerinitiative und 2. stellvertretender Bürgermeister, "ist froh, dass es so gekommen ist". Über die Hälfte der Wähler (57,3 Prozent) stimmten am Sonntag für Per Wiesner. "Mit unserem Kandidaten als Bürgermeister können wir uns jetzt auf die anstehenden Aufgaben konzentrieren", sagt Ludwig. Das heißt: Sanierung Turnhalle, Sicherheit in der Grenzregion und das Zusammenwachsen der Ortsteile und damit der Menschen. Dabei ist es wichtig, den Gemeinderat hinter sich zu haben. Mario Ludwig glaubt fest daran. Es ist ein Gremium mit acht Personen. Die Hälfte von der Freien Liste, drei Räte aus der Bürgerinitiative "Kein Giftmüll in der Neißeaue" sowie eine Rätin der Freunde der Feuerwehr Zodel.   

In Klein Krauscha richten sich die Augen auf die Deponie. Sie liegt zwar etwas entfernter als von Kaltwasser aus. Aber der kleine Ort wäre stark von den Transporten betroffen, sollte eine zweite Deponie im Biehainer Forst gebaut werden. Deshalb hat Hans-Joachim Mautschke, Inhaber des Gutes Krauscha, die Erwartung an den neuen Gemeindechef, alles zu tun, dass es zu keiner zweiten Deponie kommt und dass die Tatra-Straße als Zufahrt nicht genutzt wird. 

Ein paar Häuser neben dem Gut wohnt Lothar Kieslich. Wie Mautschke saß auch er im Gemeinderat und kennt die Probleme von Neißeaue aus erster Hand. Auch für Kieslich darf es keine zweite Deponie einschließlich Transporte dorthin geben. Und noch auf etwas anderes hofft der Klein Krauschaer: Dass die Ortschaften wieder mehr zusammenwachsen und nicht jeder Ort nur für die eigenen Interessen kämpft. "Wir müssen unseren verlorenen Gemeinschaftssinn wieder zurückholen", betont Kieslich.  

Schulstandort stärken

Das Miteinander ist für Daniela Ritzmann ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Sie leitet die Grundschule in Zodel. Da die Gemeinde der Träger der Schule ist, wünscht sie sich eine engere Zusammenarbeit mit der Verwaltung. "Zweimal im Jahr sollten wir uns mit dem Bürgermeister schon austauschen", sagt die Schulleiterin, die auch Einwohnerin von Neißeaue ist. Am Schulhaus muss dringend etwas getan werden. Gebaut wurde es in den 1970er Jahren. Aber auch die Ganztagsangebote sollen erweitert werden, um den Zodeler Schulstandort attraktiver zu machen. Dafür braucht es Geld. Doch zunächst ist die Turnhalle neben der Schule dran. Die komplexe Sanierung wird im nächsten Jahr beginnen - später als erhofft.  

Ohne ihre Bürgermeisterin Evelin Bergmann will sich die Bürgerinitiative "Kein Giftmüll in der Neißeaue", "mit aller Kraft der Giftmüll-Problematik in der Region widmen", sagt Vorsitzende Andrea Wiedmer. Evelin Bergmann, eines der Gründungsmitglieder, wird die erste Ehrenvorsitzende der BI werden. Die Bürgerinitiative ist froh über den Wahlausgang. Mit Wiesners Kontrahenten Ewald Ernst konnte sich die Organisation keine "zweckdienliche Zusammenarbeit" vorstellen.  Der Grund sind die unterschiedlichen Haltungen zur Deponie.   

Umstrittener Aufruf an die Wähler

Zum zweiten Wahlgang, für den Frau Bergmann nicht mehr kandidierte, rief die BI ihre Wähler daher auf, für Per Wiesner zu stimmen. Er wird sich gegen die neue Deponie einsetzen, und er kommt aus Neißeaue, argumentierte die BI. Das kommt nicht bei jedem Wähler gut an, von Wahlbeeinflussung ist die Rede. Das sagt auch Ewald Ernst, der Gegenkandidat von Wiesner. "Das wird nicht zum Frieden in der Gemeinde beitragen, zumal ich im Wahlkampf keinen verbal angegriffen habe", sagt Ernst. Trotz seiner Niederlage ist er mit dem Wahlergebnis zufrieden: 42,7 Prozent der Stimmen. Das sind 2,8 Prozent mehr als beim ersten Wahlgang vor drei Wochen.  

Ewald Ernst holte die meisten Stimmen in den Neißedörfern von Zodel bis Deschka. Dort stimmten 216 Wähler für ihn. Beim ersten Wahlgang waren es 196. Per Wiesner vereinte hier 169 Stimmen (147 am 20. September) auf sich. Evelin Bergmann kam bei der ersten Wahl nur auf 48. Umgekehrt ist das Verhältnis in den Krauscha-Dörfern und Kaltwasser. Dort stimmten (einschließlich Briefwahl) 270 Wähler für Wiesner und 92 für Ernst. Hier macht sich der Einfluss der Bürgerinitiative besonders bemerkbar. Vergleichszahlen zur ersten Wahl konnten die Ämter der SZ nicht zur Verfügung stellen.  

Konrad Kuscher setzt seine Hoffnungen auf Per Wiesner. "Er ist ein junger Mann, wir sollten ihm die Chance geben. Er hat gute Mitstreiter in seiner Wählerinitiative", sagt der Inhaber von Zimmis Einkaufsmarkt in Zodel. Zudem sei Wiesner ein Bürgermeister mit Perspektive: "Macht er es gut, wird er bestimmt wiedergewählt", so der Einzelhändler.

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