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Wie der Wald zu Bäumen kommt

Borkenkäfer und Dürre sorgen für großflächige Kahlschläge. Das Wiederaufforsten ist in den Königshainer Bergen mühsam, aber es gibt Hilfe.

Ekkehard Kießling ist Besitzer von 48 Hektar Wald in den Kämpferbergen bei Köningshain. 600 Jungtannen haben er und seine Familie bereits in den Boden gebracht. Der 50-jährige Altbestand ist fast verschwunden.
Ekkehard Kießling ist Besitzer von 48 Hektar Wald in den Kämpferbergen bei Köningshain. 600 Jungtannen haben er und seine Familie bereits in den Boden gebracht. Der 50-jährige Altbestand ist fast verschwunden. © André Schulze

Wald zu besitzen, das hat in unserer Familie Tradition. Das sagt nicht ohne Stolz Ekkehard Kießling aus Königshain. Er ist 76 Jahre alt. An den Kämpferbergen haben Kießlings rund 48 Hektar Wald. "Die Fläche habe ich von meinem Vater und er von seinem Vater geerbt", erzählt Ekkehard Kießling. Inzwischen bewirtschaften er und sein Sohn das Stück Wald am Ortsausgang von Königshain in Richtung Arnsdorf.

In früheren Jahrzehnten ließ sich mit dem eigenen Wald Geld verdienen, inzwischen hat sich das umgekehrt, zum Nachteil der Waldbesitzer. Seit der Jahrtausendwende ist der Wald mal mehr oder weniger zu einem Zuschussgeschäft geworden. Der Klimawandel zeigt mit Orkanen, Stürmen und Dürre seine zerstörerische Seite und provoziert ein sprunghaftes Wachstum an Waldschädlingen. Der Borkenkäfer ist zum Inbegriff dieses Spektrums geworden.

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50 Jahre alte Fichten

Der rund 50 Jahre alte Bestand an Fichten von Ekkehard Kießling ist so gut wie verschwunden. Ungezählte Baumstumpen lassen heute nur noch ahnen, wie groß und dicht die Bäume einst standen. "Dürre und der Borkenkäfer haben uns den Wald genommen", bringt es Kießling auf den Punkt. Vor einem Jahr sorgte modernste Forsttechnik für den Kahlschlag. Nach langer Wartezeit war der Harvester, ein fahrbares Forstgerät, das Bäume absägt, entastet und Stämme sortiert, auch in Kießlings Wald unterwegs. "Allein und ohne diese Technik hätten wir das nie geschafft", sagt der Waldbesitzer rückblickend.

Zwischen den Baumstumpen ist bereits zartes Tannengrün als Zeichen der Wiederaufforstung zu entdecken. "600 junge Tannen haben wir in den vergangenen Monaten gepflanzt, 50 müssen noch in die Erde", berichtet Ekkehard Kießling. Dazu kommen noch Laubgehölze wie Eiche, Erle und Linde. Damit wird sich an die Vorgaben des Staatsbetriebes Sachsenforst gehalten: Grundsätzlich sollen die künftigen Wälder im Rahmen des Waldumbaus zu struktur- und artenreichen Mischwäldern mit standortgerechten Baumarten gestaltet werden. Nur so können sie die Herausforderungen des zunehmenden Klimawandels bestehen, heißt es von Sachsenforst.

Waldbesitzer werden gefördert

Betroffene private Waldeigentümer können grundsätzlich auf unterschiedliche Unterstützung von Sachsenforst zurückgreifen. Dazu zählen neben Beratung, Aus- und Fortbildung für sie auch die Betreuung durch forstliche Fachkräfte und technische Hilfe. Wobei der Staatsbetrieb einschränken muss, dass in den Forstrevieren Hähnichen, Niesky und Königshain derzeit keine Betreuung und technische Hilfe möglich ist. Entsprechende Kapazitäten sind in anderen Revieren gebunden.

Dürre und Borkenkäfer haben im Wald von Familie Kießling ganze Arbeit geleistet. Nach dem Kahlschlag 2019 wird nun wiederaufgeforstet. Hanglage und Granitgestein als Untergrund machen den Einsatz von Forsttechnik schwierig.
Dürre und Borkenkäfer haben im Wald von Familie Kießling ganze Arbeit geleistet. Nach dem Kahlschlag 2019 wird nun wiederaufgeforstet. Hanglage und Granitgestein als Untergrund machen den Einsatz von Forsttechnik schwierig. © André Schulze

Worauf sich Familie Kießling stützt, ist die finanzielle Forstförderung zur Wiederaufforstung sowie des Waldumbaus. Sie kann in und außerhalb von Schutzgebieten in Anspruch genommen werden. Sie bietet eine Basisförderung von 1.625 Euro pro Hektar Waldfläche plus einer Festbetragsförderung je gesetzter Pflanze, informiert Sachsenforst. Ekkehard Kießling sagt, dass ohne diese Förderung die Wiederaufforstung vom Waldbesitzer allein nicht zu tragen ist. "In früheren Jahren haben wir die Neuanpflanzungen aus dem Verkauf des geschlagenen Holzes bezahlen können. Aber jetzt ist der Holzpreis im Keller und die Flächen zum Aufforsten sind um ein Vielfaches größer."

60 Hektar wieder aufforsten

Besonders betroffen ist das Gebiet der Königshainer Berge. Sachsenforst spricht von 44.200 Kubikmeter Schadholz im Königshainer Revier. Im Forstrevier Niesky sind im vergangenen Jahr 14.065 Kubikmeter angefallen und im Revier Hähnichen 3.330 Kubikmeter. Pressesprecher Renke Coordes sagt: "In den drei genannten Revieren gehen wir in diesem Jahr von einer Aufforstungsfläche von rund 60 Hektar aus." Eine Fläche, so groß wie 84 Fußballfelder zusammen. Dass Königshain und Niesky so einen hohen Schadholzbestand hat, liegt in der Monokultur des Waldes begründet. Diese Reviere haben einen hohen Fichtenanteil, der besonders durch Witterungsextreme und Borkenkäferbefall in Mitleidenschaft gezogen wurde. "Mittlerweile sind aber auch zunehmend Kiefern-Bestände betroffen. Hier sind viele Kahlflächen entstanden, die wieder bewaldet werden müssen", ergänzt der Sachsenforst-Sprecher.

Dass sein Wald nicht gleichermaßen vom Borkenkäfer betroffen ist, diese Erfahrung hat Ekkehard Kießling gemacht. Der kleine Bestand an Fichten, die mit rund 25 Jahren nur halb so alt sind wie die bereits gefällten Bäume, wurden vom Borkenkäfer und seinen Artgenossen nur im geringen Umfang geschädigt. Das heißt, der Borkenkäfer fühlt sich im saftlosen, abgestorbenen Holz am wohlsten. Die Dürrejahre 2018 und 2019 haben diese Entwicklung beschleunigt.

Nachholebedarf an Laubbäumen

Im Landkreis dominiert die Kiefer. Das geht aus einer Statistik des Kreisforstamtes Görlitz hervor. Mit 58 Prozent ist die Kiefer die weit verbreitete Baumart in den Wäldern zwischen Zittauer Gebirge und Muskauer Heide. Mit großem Abstand folgt die Fichte mit 18 Prozent. Die Laubbaumarten bringen es zusammen auf 22 Prozent im Gesamtbaumbestand, wobei die Eiche mit sechs Prozent den größten Anteil daran hat. Dazu kommt, dass die Fläche des Landkreises Görlitz zu 37 Prozent aus Wald besteht. Das Land Sachsen kommt nur auf 28 Prozent. Das heißt, 78.000 Hektar Waldfläche sind zu bewirtschaften. 59 Prozent davon, also 46.000 Hektar, sind im privaten Besitz. Ekkehard Kießling ist einer von insgesamt rund 10.000 privaten Waldbesitzern im Landkreis. Sie stehen alle vor der gleichen Herausforderung: Unseren Wald für die Zukunft fit zu machen.

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