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Warum die Fischerfeste ins Wasser fallen

Das publikumswirksame Abfischen ist abgesagt. Auch in Petershain. Dort wird es nur einen Hofverkauf geben.

Auf diesen Massenansturm muss Teichwirt Dietmar Bergmann in diesem Jahr verzichten. Rund 2.500 Besucher säumten den Teich in Klitten bei dem 27. Fischerfest.
Auf diesen Massenansturm muss Teichwirt Dietmar Bergmann in diesem Jahr verzichten. Rund 2.500 Besucher säumten den Teich in Klitten bei dem 27. Fischerfest. © Archiv/Joachim Rehle

Das Abfischen im Oktober wird in der Oberlausitz traditionell mit einem Fischerfest begangen. Das sollte auch dieses Jahr wieder so sein, dass Tausende Menschen an die Teiche strömen, um die Fischzüge zu verfolgen. Die Corona-Pandemie macht dem aber einen Strich durch die Rechnung. Vielerorts sind die Fischerfeste abgesagt. Nur Armin Kittner hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Aber auch in Petershain wird es kein Fest in der gewohnten Art geben. 

In der Teichwirtschaft Kittner laufen die Vorbereitungen zum 29. Schaufischen schon seit Wochen. Der Reformationstag, also der letzte Tag im Oktober, ist traditionell dem Petershainer Fischerfest vorbehalten. Damit setzt Armin Kittner traditionell den Schlusspunkt für die Feste zum Abfischen in der Nieskyer Region. "Dass wir unser Schaufischen unter bestimmten Bedingungen nur durchführen können, war uns seit Corona klar. Aber seit Montag haben sich die Bedingungen um ein weiteres verschärft", sagt der Teichwirt.   

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Nur Einkaufen, nicht Schlemmen

Nach Rücksprache mit dem Landratsamt am Montag, wird Armin Kittner auf einiges verzichten müssen, was schon als Programmpunkte festgezurrt war. 8 Uhr sollte der erste Fischzug beginnen, ein großer Handwerker- und Bauernmarkt im Gelände der Teichwirtschaft war geplant und natürlich die Beköstigung der Gäste mit Fischsemmel und Fischsuppe sowie weiteren deftigen Speisen. "Alles das können wir leider unseren Besuchern nicht bieten. Zu groß ist der Aufwand und die Gefahr einer Infektion. Deshalb bieten wir zum Reformationstag nur einen erweiterten Hofverkauf an", erklärt Armin Kittner.  Das heißt, die Leute können zum Einkaufen kommen, zu mehr aber nicht.  

"Unser Gelände ist groß genug, da können wir genügend Abstand zwischen den Verkaufsständen lassen", sagt Kittner. Auf das Einhalten der Hygienevorschriften, wie das Tragen einer Alltagsmaske, werden die Besucher nach derzeitiger Lage nicht umhin kommen.  

Schwarze Lache erst 2022 wieder

An der Schwarzen Lache bei Kreba, wo jährlich der größte Fischzug stattfindet, bleibt alles ruhig. Pächter Rüdiger Richter hat die inzwischen zu einem Volksfest gewordene Veranstaltung für dieses Jahr abgesagt. "Für uns als kleiner Betrieb ist unter Beachtung der Corona-Regeln das nicht machbar", sagt der Teichwirt. Und noch einen zweiten Grund führt Richter an: "Wir standen in diesem Jahr mehrmals vor der Situation des Notabfischens. Wäre das eingetreten, dann hätten wir jetzt keinen Fischzug in der Schwarzen Lache machen können." Diese Ungewissheit führte mit dazu, dass es kein Abfischen in diesen Oktobertagen gibt. 

Im kommenden Jahr wird die Schwarze Lache gleichfalls nicht zum Pilgerort für alle Fischliebhaber werden. "Wir pausieren ein Jahr und setzen das Abfischen 2022 fort, wenn es die Lage erlaubt", so der Teichpächter. Der Grund für die Pause ist im Fischbesatz zu finden. Den Karpfen allein gehört nicht mehr der Teich, sie teilen sich ihn mit Schleien. Diese brauchen aber ein Jahr länger bis zur Vermarktung. Im kommenden Jahr sind sie also noch nicht "reif" für den Fischzug. Dafür wird der Weiße Lug 2021 abgefischt. Aber die Gegebenheiten dort sind nicht für die Öffentlichkeit, also wird es auch im kommenden Jahr kein Fischerfest an den Krebaer Teichen geben.  

Den Teichen fehlt das Wasser

Bei den anderen Teichwirtschaften herrscht in diesem Oktober ebenfalls Flaute um das Abfischen. Klaus Funke in Weigersdorf sagt, dass die Corona-Regeln nicht einzuhalten sind, bei dem Menschenauflauf, den er jedes Jahr an seinem Teich zu verzeichnen hat. Gewöhnlich findet das Abfischen in der Teichwirtschaft Weigersdorf immer am ersten Sonnabend im Oktober statt.    

Peter Kittner lädt am letzten Sonntag im Oktober zum Abfischen an den Pfarrteich zwischen Niesky und Horka ein. Was in kleiner Runde vor einigen Jahren begann, hat sich inzwischen zu einem Fest mit Hunderten Besuchern ausgeweitet. "Daher sind wir mit den Corona-Auflagen überfordert, können ihre Einhaltung nicht gewährleisten", sagt der Horkaer. Zudem sei der Platz am Teich nicht unendlich, um den Abstand von eineinhalb Metern einzuhalten. Also wurde das Fest des Abfischens für dieses Jahr gestrichen. Auf ihren Fisch brauchen die Kunden aber nicht zu verzichten, sagt Peter Kittner, der Verkauf findet wie die Jahre zuvor wieder in seinem Anwesen statt.

Hoffnung auf kommendes Jahr

Die Klittener mussten in diesem Jahr ebenfalls auf den geselligen Teil des Abfischens verzichten. Teichpächter Dietmar Bergmann hatte sein für das zweite Oktoberwochenende geplantes Fischerfest beizeiten abgesagt. Auch bei ihm sind Corona und die Trockenheit die beiden Gründe, warum es nichts zu feiern gibt. Bergmann hatte ebenso mit dem fehlenden Wasser und damit weniger Nahrung für die Fische zu kämpfen. Deshalb rechnet er in diesem Jahr mit einem "verhaltenen Ertrag" an Fischen, vorrangig Karpfen. Mit Blick auf kommendes Jahr ist Bergmann in Bezug auf das Abfischen "froher Hoffnung, dass wieder etwas wird". Schließlich sind die Fischerfeste für die Teichwirte die umsatzstärksten Tage im Jahr. Und darauf verzichtet man nicht freiwillig.  

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