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Wie es mit Zimmis Markt weitergeht

Eine große Handelskette streicht Zodel aus ihrem Lieferprogramm. Darüber sind nicht nur Kuschers schockiert.

Kerstin und Konrad Kuscher betreiben Zimmi's Einkaufsmarkt in Zodel seit über 30 Jahren. Nun müssen sie sich nach einem neuen Großhändler umsehen.
Kerstin und Konrad Kuscher betreiben Zimmi's Einkaufsmarkt in Zodel seit über 30 Jahren. Nun müssen sie sich nach einem neuen Großhändler umsehen. © André Schulze

Zodel ohne seinen Einkaufsmarkt ist nicht nur für viele Bürger aus der Gemeinde Neißeaue undenkbar, auch darüber hinaus. Wo hat man heute auf dem Dorf noch so ein Angebot? Auf einer Fläche von 150 Quadratmetern sind rund 2.500 Artikel zu finden. Dazu bietet "Zimmis Einkaufsmarkt" noch eine Fleisch- und Wursttheke der Fleischerei Richter sowie die Dienstleistungen von Deutscher Post und dem Hermes-Versand an. Alles das steht jetzt auf wackligen Füßen, weil ein großer Handelskonzern seinen Liefervertrag mit Kuschers gekündigt hat.

Mit Bedauern und Unverständnis haben Marktinhaberin Kerstin Kuscher und ihr Mann Konrad die Kündigung zur Kenntnis nehmen müssen. "Fast 30 Jahre haben wir unsere Waren von dieser Handelskette bezogen. Alle Rechnungen wurden pünktlich beglichen, nie gab es Differenzen", betont Konrad Kuscher. Den Namen des Händlers möchte Herr Kuscher aber nicht nennen, damit sich mögliche künftige Geschäftsbeziehungen nicht negativ auswirken. Was der Handelsriese ins Kalkül zieht, sind die nackten Umsatzzahlen. Jedes Jahr wurden sie ein Stück höher geschraubt und daran der Liefervertrag geknüpft.

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Umsatz bleibt hinter der Erwartung

Es ist absehbar gewesen, dass eines Tages die Schere zwischen Umsatz und Erwartung so weit auseinandergehen wird, dass sich der Handelspartner nicht nur aus Zodel zurückziehen wird. Denn neben Kuschers bekamen 16 weitere Lebensmittelhändler die Kündigung vom gleichen Handelsunternehmen. "Wir sind also nicht allein die Betroffenen, aber dass uns in diesem schwierigen Jahr gekündigt wird, spricht nicht für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit", nimmt Konrad Kuscher Bezug auf die Corona-Pandemie. Es spricht einiges dafür, dass die Geschäftsbeziehung aufrechterhalten wird. Kerstin Kuscher, die durch ihren Spitznamen "Zimmi" dem Markt seinen Namen gegeben hat, sagt: "Im Vergleich zu den Vorjahren konnten wir unseren Umsatz sogar steigern. Denn in Corona-Zeiten ziehen die Kunden kleinere Läden den Großmärkten vor, um mit nicht so vielen Leuten Kontakt zu haben."

Aber gegen den spitzen Bleistift, mit dem in einer Verwaltungsetage gerechnet wurde, kommen Kuschers nicht an. Die Zahlen sind entscheidend und nicht der Standort. Zimmis Markt ist nicht nur auf dem Land, auch der Kundenkreis ist nur ein Halbkreis, bedingt durch Neiße und Polen. Dass nur nach Zahlen gegangen wird, ärgert auch Mario Ludwig aus Zodel. Er führt selbst einen Industriebetrieb und ist Gemeinderat in Neißeaue. "Leider ist es so, dass viele in Zodel und Umgebung überhaupt nicht verstehen, wie wichtig der Markt für die Dorfgemeinschaft ist. Viele holen dort die Pakete, preiswerte Blumen, die Wurst vom Fleischer und was sie sonst in den Großmärkten vergessen haben. Die Kunden sagen sich, ist ja so bequem, die Kuschers werden es schon machen", beschreibt Ludwig die Situation.

Drei Jahrzehnte im Geschäft

Ein Blick in den Markt im Januar 1999. Zu dieser Zeit führte Kerstin Kuscher das Geschäft seit zehn Jahren. Im Hintergrund ihr Mann Konrad, der mit in das Marktgeschäft eingestiegen ist.
Ein Blick in den Markt im Januar 1999. Zu dieser Zeit führte Kerstin Kuscher das Geschäft seit zehn Jahren. Im Hintergrund ihr Mann Konrad, der mit in das Marktgeschäft eingestiegen ist. © SZ-Archiv/Steffen Gerhardt

Kuschers leben von ihren Kunden. Und das schon seit dem 14. Januar 1999. An diesem Tag öffnete Kerstin Kuscher das erste Mal die Tür zu Zimmis Einkaufsmarkt. In dem Gebäude der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG), wo sie zuvor als Verkäuferin tätig war. Sie, zwei Verkäuferinnen und ihr Mann sind das Quartett, dass drei Jahrzehnte den Laden am Laufen hält. "Wir freuen uns über jedes Jahr, das wir geschafft haben und positiv abschließen können", sagt die Geschäftsfrau. So sollte es auch in diesem Jahr wieder sein, bis die Kündigung eintraf.

Für Bürgermeister Per Wiesner ist es wichtig, dass Zodel seinen Einkaufsmarkt behält. Er hat es selbst mit einem Laden in Groß Krauscha versucht und weiß um die wirtschaftliche Herausforderung als Einzelhändler. Per Wiesner teilt den Standpunkt Kuschers: " Mit Bezug auf Corona meinte ich, dass dadurch deutlich mehr Leute in Zodel einkaufen gehen als in der Vergangenheit. Meines Erachtens hat das einen positiven Schub für das Geschäft gebracht. Deshalb verstehe ich nicht, dass trotzdem der Vertrag gekündigt wurde." Der Bürgermeister schlägt einen anderen Großhändler vor. Gibt aber zu bedenken: Wenn man nicht ausreichend Umsatz hat, kauft man teilweise teurer ein, als wenn man sich die Angebote in den einzelnen Discountern anschaut.

Keinen Wareneinkauf beim Discounter

Die Kunden machen sich ebenso ihren Kopf um Zimmis Markt. Darunter ist auch der Vorschlag, in die Görlitzer Großmärkte zu fahren und dort die Waren einzukaufen, um sie in Zodel anzubieten. Konrad Kuscher kann darüber nur den Kopf schütteln: "Wir nehmen solche Mengen ab, die mit einem Pkw samt Anhänger nicht zu transportieren sind. Also wäre da schon das Problem der Logistik. Ein zweites ist, dass wir die Preise nicht eins zu eins an die Kunden weiterreichen können, da wir auch Kosten haben. Und sei es nur der Strom, der uns im Jahr 15.000 Euro abverlangt."

Mit der Kündigung sind Kuschers aber nicht untätig, sondern haben sich nach einem anderen Großhändler umgesehen. Dieser sitzt in Köln und hat die Zusage gegeben, auch nach Zodel zu liefern. Das soll ab neuem Jahr passieren. Kuschers sagen, ob sie die bisherigen Preise halten können, bleibt abzuwarten. "Wichtig ist, dass der Einkaufsmarkt für unsere Kunden fortbestehen kann", sagen die Eheleute. Sie knüpfen daran die Erwartung, dass die Kundschaft dem Markt die Treue , aber auch den Umsatz hochhalten.

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