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Was hinterm Geburtenboom in Quolsdorf steckt

30 Neugeborene zählt der kleine Ort bei Niesky in den vergangenen zehn Jahren. Warum klappt hier manches besser als andernorts? Familie Süße berichtet.

Frank und Lisa Süße leben mit Sohn Aaron in Quolsdorf. Ihr Sohn ist jetzt vier Wochen alt und wohl der jüngste Einwohner in dem Ortsteil von Hähnichen.
Frank und Lisa Süße leben mit Sohn Aaron in Quolsdorf. Ihr Sohn ist jetzt vier Wochen alt und wohl der jüngste Einwohner in dem Ortsteil von Hähnichen. © André Schulze

Aaron, das ist der jüngste Spross im Haus Süße in Quolsdorf. Und der derzeit wohl jüngste Einwohner von Quolsdorf. Die Eltern Lisa und Frank Süße sind dementsprechend stolz auf ihren Sohn, der seit vier Wochen die kleine Familie komplett macht. "An Familien mit Kindern mangelt es uns in Quolsdorf nicht", sagt Frank Süße. Der Ortsteil in der Gemeinde Hähnichen ist zwar klein, aber von der Zahl der Geburten her ein starkes Dorf.

In den zurückliegenden zehn Jahren erblickten 30 neue Erdenbürger in Quolsdorf das Licht der Welt. Wenn auch die meisten Geburten in den Krankenhäusern in Görlitz und Weißwasser stattfinden, so sind die Eltern doch Quolsdorfer. Dabei halten sich vom Geschlecht her Mädchen und Jungen fast die Waage. Laut Statistik der Stadt Rothenburg wurden in dieser Zeit 14 Mädchen und 16 Jungen geboren. Im Durchschnitt also drei Geburten im Jahr. Einen Ausreißer nach oben gab es dabei nur im Jahr 2016: mit sieben Geburten - drei Mädchen und vier Jungen. Es war auch das Jahr, als Quolsdorf in Hähnichen, zu dem es gehört, der Geburtenkönig war: Von zehn Geburten kamen sieben aus Quolsdorf. Was alle Jahrgänge auszeichnet ist, dass in der Gemeinde Hähnichen mehr Jungen als Mädchen geboren werden. Auf drei männliche Babys kommen zwei weibliche.

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Ein Dorf der Generationen

Ist Quolsdorf anhand seiner Geburtenzahl ein junges Dorf? Das Durchschnittsalter der Frauen beträgt 45 Jahre, das der Männer 43 Jahre. Frank Süße will die Frage dennoch nicht mit einem Ja beantworten. "Quolsdorf ist wohl mehr ein Dorf der Generationen", sagt der 35-Jährige. Seine Familie ist das beste Beispiel dafür. "Wir wohnen zusammen mit meinen Eltern im Haus meiner Großmutter. Mit unserem Sohn Aaron ist nun die vierte Generation eingezogen", erzählt der Familienvater.

Wer durch Quolsdorf fährt, entdeckt einige Grundstücke, auf denen nicht nur eine Generation lebt. Die Kinder kehren zu ihren Eltern zurück, bauen am Wohnhaus an oder um, schaffen sich auch mitunter etwas eigenes zum Wohnen. Dazu kommt früher oder später der eigene Nachwuchs, so wie bei Süßes. Dennoch reichen auch hier der Zuzug und die Geburten nicht aus, um den Rückgang an Einwohnern zu stoppen. Zählte Quolsdorf vor zehn Jahren noch 261 Einwohner, so sank ihre Zahl 2015 auf 239 und im vergangenen Jahr auf 234.

Es ziehen mehr Menschen weg

Die Ursache sind weniger die Todesfälle. Sie sind annähernd identisch mit der Zahl der jährlichen Geburten. Quolsdorf hatte von 2010 bis 2020 insgesamt 32 Todesfälle und 30 Geburten. Bei den Zu- und Wegzügen sieht es da schon anders aus. In den vergangenen zehn Jahren sind 97 Personen neu nach Quolsdorf gezogen, während 111 das Dorf verlassen haben. Auch wenn 14 Menschen nicht viele sind, macht sich das bei der geringen Einwohnerzahl schon bemerkbar.

Kindereinrichtung ist begehrt

Frank Süße fühlt sich in seinem Dorf wohl. Seine Frau Lisa ebenso. Die 29-Jährige ist in Ludwigsdorf bei Görlitz aufgewachsen. "Ich kenne das nicht anders, ich komme aus einem Vier-Generationen-Haushalt und liebe das Landleben", erzählt die junge Mutter. Ihre Verbindung nach Ludwigsdorf hält sie aufrecht. Nicht nur wegen ihrer Familie, auch wegen des Berufes. Lisa Süße arbeitet in der Buchhaltung bei Metallbau Weiner. Ihr Mann ist gelernter Kfz-Meister und Filialleiter im Autohaus Büchner in Weißwasser. Damit pendelt sie in den Süden des Landkreises, er in den Norden. Aaron soll nach der Elternzeit die Krippe im Kindergarten Hähnichen besuchen. Das Anmeldeformular hat sich Lisa Süße schon geholt. Denn die Hähnichener Kita ist begehrt. Von den 14 Krippen- und 31 Kita-Plätzen sind laut Stadt Rothenburg zehn beziehungsweise 28 Plätze belegt.

Das bestätigt der ehemalige und langjährige Bürgermeister Werner Queiser: "Wir haben eine sehr gute Auslastung der Kita mit rund 40 Kindern." Ein fester Brauch in seiner Amtszeit ist für ihn gewesen, den Eltern zu ihrem Nachwuchs zu gratulieren. Mit einem Blumenstrauß, einer Glückwunschkarte und einem Gutschein besuchte er sie, was ihm immer große Freude bereitet hat. "Oft war ich dabei in Quolsdorf unterwegs, aber auch Hähnichen und Spree sind geburtsstarke Ortschaften", erzählt Queiser.

Engagement für ihren Ort zeigen die Einwohner. So wird in Quolsdorf der alte Volleyballplatz hinter dem Kulturhaus demnächst wieder zu einer ansehnlichen Sportstätte herausgeputzt, finanziert über eine Prämie des Landkreises für das Ehrenamt. Ins Rollen gebracht hat dieses Vorhaben Stefanie Gellrich. Selbst Quolsdorferin und Mutter dreier Kinder.

Feuerwehr und Gemeinderat

Frank und Lisa Süße wollen ihren Aaron in Quolsdorf aufwachsen sehen. Denn mit dem Ort sind beide verbunden. Frank Süße ist seit gut zehn Jahren Wehrleiter der Ortswehr. Mit Zwölf ging er zur Jugendfeuerwehr, heute ist er Oberbrandmeister. 18 Männer und eine Frau sind unter seiner Führung im aktiven Dienst. "Ich möchte nicht nur in Quolsdorf wohnen, sondern mich in den Ort und in die Gemeinde einbringen", sagt er. Frank Süße ist Mitglied der Freien Wählervereinigung Quolsdorf. Er saß mit ihrem Mandat im Gemeinderat Hähnichen bis 2019. Das wollte er mit der jüngsten Wahl fortführen, aber die Zahl der Stimmen reichten für einen Sitz bei ihm nicht aus.

Um so gespannter werden er und seine Frau die Wahl des neuen Bürgermeisters am Sonntag verfolgen. Ganz gleich, wer die Wahl im ersten oder zweiten Wahlgang für sich entscheidet, Süßes haben ihre Erwartungen an das neue Gemeindeoberhaupt: Jungen Leuten das Bauen in der Gemeinde schmackhafter zu machen. "Mit einem vereinfachten Baurecht und besseren Rahmenbedingungen", ergänzt Frank Süße. Praktische Erfahrungen hat er zusammen mit seinem Vater mit dem Umbau des Hauses seiner Großmutter gemacht. "Wir haben in Quolsdorf noch einige Baulücken, die geschlossen werden können", ist Süße überzeugt. Auch davon, dass mit einem weiteren Zuzug junger Familien der Rückgang der Einwohnerzahl gestoppt werden kann. Zum Beispiel durch das Eisenbahnprojekt "Tetis", dessen Chancen die Eheleute höher bewerten als seine Risiken.

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