merken
PLUS Niesky

Schweinepest hat leichtes Spiel in Wäldern

Es gibt viel zu viele Wildschweine im Kreis Görlitz, die die Schweinepest übertragen können. Die Jäger sind mit ihrem Latein am Ende.

Auch wenn in den vergangenen Monaten vermehrt Wildscheine gejagt wurden, den ersten Schweinepest-Fall im Landkreis Görlitz konnte es nicht verhindern.
Auch wenn in den vergangenen Monaten vermehrt Wildscheine gejagt wurden, den ersten Schweinepest-Fall im Landkreis Görlitz konnte es nicht verhindern. © Egbert Kamprath

Nun ist es also doch passiert: Am vergangenen Sonnabend bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut, dass ein am 27. Oktober auf dem Krauschwitzer Gemeindegebiet geschossenes Wildschwein mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert war. Damit gibt es nun den ersten ASP-Fall im Kreis Görlitz. 

Das ist die jetzt festgelegte Restriktionszone im Landkreis Görlitz. Hier darf nicht gejagt werden.
Das ist die jetzt festgelegte Restriktionszone im Landkreis Görlitz. Hier darf nicht gejagt werden. © Screenshot SZ

Das federführende Sozialministerium in Dresden hat nun eine Restriktionszone festgelegt, in der nicht mehr gejagt werden darf.  Außerdem hat das Landestierseuchenbekämpfungszentrum weitere Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung und das weitere Einsickern der Krankheit in den Wildschweinbestand zu verhindern. Die am Dienstag veröffentlichte Allgemeinverfügung sieht vor allem drei wichtige Punkte vor: Es gilt eine Anzeigepflicht für verendet gefundene Wildschweine, heißt es vom Ministerium. Hunde müssten in der Sperrzone an der Leine geführt werden, Schweine dürften nicht an die frische Luft.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Die Strategie, die Wildschweinbestände in den hiesigen Wäldern so auszudünnen, dass die Verbreitung der Krankheit verhindert werden kann, ist damit an ihre Grenzen gelangt. Das Borstenvieh hat sich in den vergangenen Jahren zwischen Weißwasser, Rothenburg und Zittau nahezu explosionsartig vermehrt. Alles andere als günstige Voraussetzungen, um die Übertragungsgefahr mit der tödlichen Krankheit zu minimieren, deren Eindringen in die Hausschweinbestände unbedingt verhindert werden soll. "Der Sauenbestand in den Wäldern ist viel zu hoch", stellt denn auch Hans-Dietmar Dohrmann fest.

Der dafür entscheidende Grund sind laut dem Vorsitzenden des Jagdverbandes Niederschlesische Oberlausitz die hervorragenden Lebensbedingungen der Schwarzkittel. "Strenge Winter haben wir ja schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Damit gibt es in den vier bis zehn Frischlingen starken Würfen kaum noch Verluste." Die pro Jahr im Kreis rund 5.000 erlegten Wildschweine würden den Gesamtbestand deshalb nicht entscheidend dezimieren. "Wir schießen vielleicht 30 Prozent der Population ab. Das heißt aber auch, dass 70 Prozent übrig bleiben und im Folgejahr für noch mehr Nachwuchs sorgen."

Die Jäger im Kreis schaffen es im Jahr nur, den Wildschweinbestand um rund ein Drittel zu reduzieren - zu wenig für eine kontinuierliche Vergrößerung der Population.
Die Jäger im Kreis schaffen es im Jahr nur, den Wildschweinbestand um rund ein Drittel zu reduzieren - zu wenig für eine kontinuierliche Vergrößerung der Population. © Lino Mirgeler/dpa

Dass die Abschusszahlen nicht höher sind, liegt an der aktuell komplizierten Situation rund um Schweinepest und Corona-Einschränkungen bei potenziellen Fleischabnehmern. Hans-Dietmar Dohrmann findet die Umsetzung der ASP-Verordnung für die größtenteils in die Jahre gekommene Jägerschaft sehr beschwerlich. So dürfe das Wild nicht mehr vor Ort im Wald aufgebrochen, sondern müsse als Ganzes heraustransportiert werden, um den Aufbruch dann in spezielle Behälter zu geben. "50 bis 60 Kilo schwere Sauen zu verladen, ist aber nicht ganz einfach. Vor allem wenn man als Einzeljäger unterwegs ist", erklärt der Rothenburger.

Außerdem müssten die Blutproben zur Prüfung auf die Schweinepest zur Landesuntersuchunsanstalt nach Dresden geschickt werden. "Ehe ein Ergebnis vorliegt, kann das bis zu einer Woche dauern. Die Frage ist aber: Wie kühle ich das Schwein in der Zwischenzeit? Nicht jeder Jäger hat ausreichend Möglichkeiten dazu." Und dann müsse es - bei Negativbefunden - noch vermarktet werden.

Absatz von Schweinefleisch lässt zu wünschen übrig

Überhaupt lässt der Absatz derzeit zu wünschen übrig. Außer für den Eigenbedarf oder zum Verkauf an private Abnehmer ist momentan nichts möglich. Seit Monatsbeginn haben Restaurants und Hotels coronabedingt erneut geschlossen. "Wenn der Jäger nichts loskriegt, schießt er auch nichts", benennt Dohrmann das Dilemma. In Bayern und Baden Württemberg trete das Land als Aufkäufer auf, Sachsen mache dies hingegen nicht. Der Chef des Jagdverbandes Niederschlesiche Oberlausitz sieht deshalb Bund und Freistaat gefordert, in Zeiten der ASP-Gefahr zusätzliche Abnahmemöglichkeiten zu schaffen.

Dohrmann wehrt sich gegen die pauschale Aussage, die Jäger müssten mehr Wildschweine erlegen. "Wir sind keine Angestellten des Freistaates. Man kann diese Forderung natürlich aufstellen, aber dann müssen die Rahmenbedingungen stimmen." Schießen - und wegen fehlender Alternativen danach in die Tonne. "Das funktioniert so mit der Jägerschaft nicht."

Gerd Eberle ist da in einer vergleichsweise glücklichen Lage. Der Jäger betreibt in Lodenau eine Wilddirektvermarktung und verfügt über ausreichend Kühlkapazitäten. Damit kann er im Jahr durchschnittlich 250 Wildschweine absetzen, die er in seinen zwei Jagden in Klein Priebus und Baruth erlegt. Aber auch er glaubt nicht, dass wegen der bedrohlichen ASP-Lage viel mehr Schweine zur Strecke gebracht werden. Der Abschuss richte sich nach dem Bedarf, da würden staatlich versprochene Anreize nur wenig helfen.

Freistaat errichtet nun festen Zaun an der Grenze

Weiterführende Artikel

Weitere Schweinepest-Fälle in Sachsen

Weitere Schweinepest-Fälle in Sachsen

Ende Oktober war im Landkreis Görlitz der erste Fall der Tierseuche im Freistaat nachgewiesen worden. Nun sind weitere dazugekommen.

Trupps suchen Sperrzone ab

Trupps suchen Sperrzone ab

Rund 200 Mann fahnden im Kreis Görlitz nach weiteren Tieren, die an der Afrikanischen Schweinepest verendet sind. Klarheit soll es schnell geben.

Maschendrahtzaun gegen kranke Schweine

Maschendrahtzaun gegen kranke Schweine

Großeinsatz gegen die Afrikanische Schweinepest: Nach dem Abschuss eines infizierten Wildschweins im Kreis Görlitz wird an der Neiße ein Zaun gebaut.

Zweiter Schweinepestfall im Kreis Görlitz?

Zweiter Schweinepestfall im Kreis Görlitz?

Angeblich soll die Krankheit am Freitag bei einem weiteren Wildschwein in Uhsmannsdorf bei Rothenburg nachgewiesen worden sein.

Der Freistaat hatte zuletzt auf eine Mischung aus finanziellem Anreiz für die Jäger und weiteren baulichen Maßnahmen gesetzt. So bekommen Jäger für das Erlegen und Versorgen der Proben und Kadaver eine Prämie von 30 Euro. Außerdem wollte das Land in den Kauf von 30 Fanganlagen für Wildschweine investieren und es sollte ein 50 Kilometer langer Zaun zur Errichtung einer Gefahrenzone angeschafft werden - zusätzlich zu der schon seit dem Frühjahr bestehenden Elektrozaun-Barriere entlang der Neiße. Wie ein Sprecher des Sozialministeriums am Dienstag auf Nachfrage mitteilt, wird mit dem Errichten eines festen Zaunes zeitnah begonnen. Das zunächst benötigte Material ist vorrätig. Die Baumaßnahmen verlaufen dann vom Norden des Kreises und der Landesgrenze zu Brandenburg nach Süden parallel zur bestehenden mobilen Wildbarriere. 

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky