merken
PLUS Niesky

Corona-Zeit: Artisten bringen Abwechslung

Ab Donnerstag gastiert der "Circus Gebrüder Köllner" in Niesky. Die Künstler wollen gute Laune verbreiten. Obwohl ihnen selbst aktuell nicht zum Lachen ist.

Vom 22. bis 25. OKtober macht der "Circus Gebrüder Köllner" Station auf dem Friesenplatz in Niesky.
Mit dabei sind die Brüder Jason Köllner (links, mit Jonglage und Balanceakrobatik) und Ramon Köllner als Clown Charlie (rechts).
Vom 22. bis 25. OKtober macht der "Circus Gebrüder Köllner" Station auf dem Friesenplatz in Niesky. Mit dabei sind die Brüder Jason Köllner (links, mit Jonglage und Balanceakrobatik) und Ramon Köllner als Clown Charlie (rechts). © André Schulze

Wenn eines der fahrenden Zirkus-Unternehmen auf dem Friesenplatz seine Manege aufbaut, dann strömen die Besucher. Normalerweise. Doch dieses Mal wird das anders sein.

"Wir sind ja froh, dass wir überhaupt hier sein können", sagt Samantha Köllner. Sie ist Luftartistin beim gleichnamigen Familienzirkus, moderiert und kümmert sich um den Kontakt zur Presse. "Damit der Laden läuft", lacht sie - was in diesen Zeiten alles andere als einfach ist. Gehört die Branche doch zu jenen, die in den vergangenen Monaten stark unter der Coronakrise und den von der Politik verhängten Einschränkungen gelitten haben.

Anzeige
Laden Sie Ihre Akkus auf
Laden Sie Ihre Akkus auf

...und lassen Sie sich elektrisieren.

Zirkus sitzt fünf Monate im Spreewald fest

Auch der "Circus Gebrüder Köllner", der bis 2015 unter dem Namen "Circus Americano" durch die Lande tourte, blieb davon nicht verschont. Corona kam plötzlich und traf die Köllners völlig ahnungslos. "Wir waren gerade auf Tournee durch Brandenburg und wollten in Vetschau auftreten. Da ging auf einmal gar nichts mehr. Fünf Monate haben wir dort gestanden", erzählt Samantha Köllner, die normalerweise zusammen mit ihren Eltern, mit Oma, Opa und den Geschwistern für gute Laune beim Publikum sorgt.

"Die Leute vor Ort haben uns zwar sehr geholfen und den Tieren Heu gebracht. Trotzdem ist es nicht leicht, einen Zirkus völlig ohne Einnahmen über die Zeit zu bringen. Würden wir noch Fremdartisten beschäftigen, hätte das vermutlich überhaupt nicht geklappt." So aber fanden sich immer wieder Wege, Futter für die Ponys, Lamas, Ziegen und Hunde aufzutreiben, aber auch die laufenden Kosten zu bestreiten.

Die Artisten selbst schoben in der fast halbjährigen Auszeit keine Langeweile. "Wir haben unsere Wohnwagen repariert und Sachen gemacht, für die sonst nie Zeit ist", gewinnt Samantha Köllner den vergangenen Monaten noch etwas Gutes ab. Auch neue Programme wurden einstudiert. Mit Hindernissen zwar, denn die vertrauten Bedingungen in der nicht aufgebauten Manege fehlten. "Wir hätten unsere Kunst als kleines Dankeschön gern vor Kitas und Altenheimen gezeigt. Das funktionierte aber leider nicht."

Besucherzahl schrumpft von 400 auf 70

Erst seit ein paar Wochen ist der "Circus Gebrüder Köllner" wieder unterwegs. Niesky ist nach Lübbenau, Spremberg und Senftenberg die vierte Station. Und soll ganz sicher nicht die letzte sein, auch wenn ein erneuter Lockdown wie ein Damoklesschwert über der Artistenfamilie schwebt. Aber auch unter den aktuellen Bedingungen ist es nicht leicht, durchzuhalten. Passen normalerweise 400 Besucher in das große Zirkuszelt, ist jetzt bei 70 Gästen je Vorstellung Schluss. "Das ist eine Größenordnung, die wir gerade noch vertreten können. Schließlich muss zumindest das Geld für die laufenden Kosten zusammenkommen", erläutert die Luftakrobatin.

Werden sonst zwei Tribünen und weitere Plätze - dicht an dicht - im weiten Rund des Besucherraums aufgebaut, sind die Stühle jetzt im notwendigen Abstand aufgestellt. Schilder weisen auf die veränderten Bedingungen hin - wie die Besucher zu ihren Sitzen kommen und dass Mundschutz zu tragen ist. Damit das Hygienekonzept stimmig ist und keine Vorsichtsmaßnahme unterlassen wird, steht der Zirkus immer mit dem Gesundheits- und Veterinäramt des jeweiligen Kreises im Kontakt. Aus Görlitz haben die Künstler bereits das Okay bekommen, denn nach Niesky sind weitere Stationen hier geplant.

Ganz so akrobatisch geht es beim Aufbau der Bestuhlung im Zirkuszelt nicht zu. Zumal sich die Zahl der Plätze coronabedingt von 400 auf 70 reduziert hat.
Ganz so akrobatisch geht es beim Aufbau der Bestuhlung im Zirkuszelt nicht zu. Zumal sich die Zahl der Plätze coronabedingt von 400 auf 70 reduziert hat. © André Schulze

Trotz aller Einschränkungen freuen sich Samantha Köllner und ihre Crew auf das Gastspiel am Friesenplatz. Von Donnerstag bis Sonnabend gibt es täglich eine Vorstellung um 16 Uhr. Am Sonntag laden die Künstler um 11 Uhr zum Besuch ihrer Kunststücke ein. Die Tierschau ist jeweils von 10 bis 12 Uhr geöffnet, in dieser Zeit gibt es auch Tickets an der Tageskasse. "In den vergangenen Wochen haben wir uns intensiv um das Programm gekümmert, die Leute sollten sich die Chance also nicht entgehen lassen", wirbt die Artistin um möglichst zahlreichen Besuch.

In Görlitz soll es wieder Weihnachtszirkus geben

Wer es verpasst, hat in den nächsten Wochen noch mindestens zwei andere Gelegenheiten dazu. Denn nach Niesky baut der Zirkus sein Zelt in Bernstadt auf. Und zum Jahresende steht Görlitz im Terminkalender. "Der Weihnachtszirkus dort ist immer eine tolle Sache. Jetzt sind wir schon zum vierten Mal da", freut sich Samantha Köllner auf den Jahreswechsel in der Neißestadt. Ab der Woche vor Heiligabend bis nach Neujahr kommen alle Fans auf ihre Kosten. Vorausgesetzt, das Coronavirus macht den Zirkusleuten keinen Strich durch die Rechnung.

Der "Circus Gebrüder Köllner" gastiert vom 22. bis 25. Oktober auf dem Friesenplatz in Niesky. Karten für die Vorstellungen gibt es zwischen 10 und 12 Uhr vor Ort.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky