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131 Einsatzkräfte bei Großbrand in Niesky

Bei Höpner Lacke brannte es am frühen Freitagnachmittag. Ein Lackfass hatte Feuer gefangen. Niemand wurde verletzt.

Schwarz-grauer Rauch steigt Freitagnachmittag über Höpner-Lacke auf. Ein Lager mit Lackfässern ist in Brand geraten.
Schwarz-grauer Rauch steigt Freitagnachmittag über Höpner-Lacke auf. Ein Lager mit Lackfässern ist in Brand geraten. © André Schulze

In der Nieskyer Firma Höpner Lacke hat es am Freitagnachmittag gebrannt. Schwarz-grauer Rauch stand über dem Firmengelände an der Muskauer Straße. Vor Ort  waren schließlich alle in der Umgebung von Niesky verfügbaren Feuerwehren, der Kreisbrandmeister, Spezialeinheiten, die Polizei und der Rettungsdienst - insgesamt 131 Einsatzkräfte. Zudem suchte Landrat Bernd Lange die Brandstelle auf und erkundigte sich nach den Löscharbeiten.

Nach Aussage von Firmeninhaber Michael Schäfer soll es bei Bauarbeiten zu einem Funkenflug gekommen sein. Dadurch hatte sich ein Lackfass entzündet und war in Brand geraten. Die Flammen breiteten sich schnell in der Lagerhalle aus und setzten auch das Gebälk in Brand. Weiter wollte sich der Firmeninhaber nicht äußern. Er müsse erstmal den Schock überwinden, sagte er. 

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Die Polizei meldete am Abend, dass ein 46- und ein 27-Jähriger in der Lagerhalle beschäftigt waren. Nach ersten Erkenntnissen soll es bei den Arbeiten zum Funkenflug gekommen sein. Die Männer retteten sich unverletzt ins Freie.

Die Nieskyer Feuerwehr war 14.33 Uhr alarmiert worden. Ihre erste Aufgabe war, das Gelände zu evakuieren, um die Mitarbeiter nicht weiter der Gefahr auszusetzen. Dann wurden die Schlauchstrecken gelegt und die Trupps in den Einsatz geschickt.  Wie Einsatzleiter Sebastian Schramm von der Nieskyer Stadtfeuerwehr gegenüber der SZ sagte, waren drei Löschtrupps im Einsatz. Zwei bekämpften den Brand in dem Lager und der dritte Trupp kühlte die Fässer. Denn solange es in der Halle brannte, bestand Explosionsgefahr bei den übrigen eingelagerten Fässern mit Farblacken.

Betriebsgelände evakuiert

Ungewissheit herrschte anfangs über die Schadstoffe in dem ausgetretenen Rauch. Zum Glück trieb es die Rauchwolken in Richtung Norden und damit aus dem Stadtgebiet. Dennoch sperrten Kräfte der Bundespolizei wegen der Rauchentwicklung kurzfristig den angrenzenden Bahnverkehr. Das Landratsamt hatte zunächst die Anwohner gebeten, alle Fenster und Türen geschlossen zu halten und den betroffenen Bereich großräumig zu umfahren beziehungsweise zu meiden. Denn der Einsatz der Feuerwehr und die Rauchwolken hatten etliche Gaffer zum Firmengelände gezogen. 

Laut Polizei war das Feuer gegen 15:50 Uhr unter Kontrolle. Der ABC-Trupp der Brandbekämpfer gab Entwarnung für die Bevölkerung.  17 Uhr kam auch vom Landkreis die Entwarnung: "Es besteht keine Gefahr mehr durch Rauch- und Geruchsbelästigung. Die Einsatzkräfte vor Ort haben die Lage unter Kontrolle."

THW reißt Dach ein

Laut Einsatzleiter Sebastian Schramm war der Brand 17.45 Uhr unter Kontrolle, aber noch längst nicht endgültig gelöscht. Immer wieder flammten Glutnester in dem Gebäude auf. Die Einsatzleitung fasste daraufhin den Entschluss, das Dach einzureißen und zu Boden fallen zu lassen. Mit Unterstützung des Technischen Hilfswerkes (THW) erfolgte in den Abendstunden die Demontage des restlichen Daches. Als alles am Boden lag, wurde von der Feuerwehr ein Schaumteppich darüber gelegt. Damit sollte der Brand endgültig gelöscht werden.

Ein Großaufgebot an Feuerwehren und Rettungskräften eilte Freitagnachmittag zu dem Betriebsgelände an der Muskauer Straße. 
Ein Großaufgebot an Feuerwehren und Rettungskräften eilte Freitagnachmittag zu dem Betriebsgelände an der Muskauer Straße.  © André Schulze
Blick in das Betriebsgelände von Höpner-Lacke. Im Hintergrund die brennende Lagerhalle. Hier bestand Explosionsgefahr durch weitere Lackfässer.
Blick in das Betriebsgelände von Höpner-Lacke. Im Hintergrund die brennende Lagerhalle. Hier bestand Explosionsgefahr durch weitere Lackfässer. © André Schulze
Stadtwehrleiter Steffen Block, Einsatzleiter Sebastian Schramm von der Niesyker Feuerwehr und Kreibsbrandmeister Björn Mierisch (v.l.) beraten das Vorgehen der Einsatzkräfte.
Stadtwehrleiter Steffen Block, Einsatzleiter Sebastian Schramm von der Niesyker Feuerwehr und Kreibsbrandmeister Björn Mierisch (v.l.) beraten das Vorgehen der Einsatzkräfte. © André Schulze
In Flammen stand nicht nur ein Fass mit Lackfarbe, sondern auch die Lagerhalle. Schnell hatte sich das Feuer in ihr ausgebreitet.
In Flammen stand nicht nur ein Fass mit Lackfarbe, sondern auch die Lagerhalle. Schnell hatte sich das Feuer in ihr ausgebreitet. © André Schulze

Am Abend konnte der wegen des Brandes abgeschaltete Strom in der Lackfabrik schließlich wieder zugeschaltet werden. Das war auch notwendig, denn in unmittelbarer Nähe des Brandherdes befindet sich ein Gefahrengutlager und das musste gekühlt werden. Zum Glück griffen die Flammen nicht auf dieses Lager über, sonst hätte es eine Katastrophe werden können.

Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Der Sachschaden blieb noch unbekannt. Ein Brandursachenermittler nahm seine Arbeit auf und wird diese am Montag fortsetzen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung.

Eine Firma mit langer Tradition

Die Höpner Lacke GmbH gilt als eine der ältesten noch produzierenden Lackfabriken in Deutschland. Die Ursprünge der Lackproduktion in Niesky gehen auf das Jahr 1787 zurück. 1895 ging die ständig wachsende Firma aus dem Besitz der Brüdergemeine Niesky in den der Herrnhuter Brüderunität über. Zu dieser Zeit zählte das Werk über 100 Beschäftigte. Auch zu DDR-Zeiten blieb die Brüderunität Besitzerin der Lackfabrik, führte ihn als eigenständigen Wirtschaftsbetrieb. 

Erst vor zweieinhalb Jahren erfolgte der Verkauf der Fabrik durch die Brüderunität. Das Ehepaar Bianca und Michael Schäfer erwarb den Betrieb. Sie führen ihn mit sieben Mitarbeitern aus den roten Zahlen. Ihre erste große Investition war vor einem Jahr eine automatische Abfüllanlage für Lacke. Bisher wurde alles per Hand erledigt. Bianca Schäfer erfuhr von dem Brand aus den sozialen Netzwerken und fuhr gleich zum Betrieb. Sie war tief betroffen. Das Unglück werfe sie und ihren Mann um Längen zurück in ihrem Bestreben, Höpner-Lacke auf gesunde wirtschaftliche Füße zu stellen.  

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