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Sie wollen Bürgermeister in Hähnichen werden

Drei Kandidaten stellen sich der Wahl am 25. April. Was sie prägte, was sie wollen - die SZ stellt sie vor.

Sie wollen sich als Bürgermeister für Hähnichen am 25. April wählen lassen: Heiko Titze (51), Patrick Schultze (36) und Matthias Zscheile (60).
Sie wollen sich als Bürgermeister für Hähnichen am 25. April wählen lassen: Heiko Titze (51), Patrick Schultze (36) und Matthias Zscheile (60). © André Schulze/Montage: SZ

Hähnichen wählt einen neuen Bürgermeister. Am 25. April findet die Wahl in den vier Ortseilen Hähnichen, Quolsdorf, Spree und Trebus statt. Eine Neuwahl macht sich notwendig, weil Werner Queiser als bisheriger Bürgermeister sein Ehrenamt aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hat. Drei Kandidaten wetteifern um die Aufgabe, die AfD will endlich einen Rathauschef in Sachsen stellen. Hähnichen stand zuletzt wegen des Eisenbahntestrings in den Schlagzeilen. Das Vorzeigeprojekt aus dem Strukturwandel ist umstritten. Doch es ist nicht das einzige Thema der Kandidaten.

Patrick Schultze ist Inhaber und Geschäftsführer von Schwarz-Reisen und Gemeinderat in Rietschen. Jetzt kandidiert der 36-Jährige für das Amt des Bürgermeisters.
Patrick Schultze ist Inhaber und Geschäftsführer von Schwarz-Reisen und Gemeinderat in Rietschen. Jetzt kandidiert der 36-Jährige für das Amt des Bürgermeisters. © André Schulze

Patrick Schultze: Busunternehmer will Bürgermeister sein

Busunternehmer und Bürgermeister zu sein, dass hat sich Patrick Schultze für die nächsten Jahre vorgenommen. "Das Bürgermeisteramt traue ich mir zu, auch im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit", sagt der Geschäftsführer von Schwarz Reisen. Ganz unbeleckt, was die Kommunalpolitik betrifft, ist der 36-Jährige nicht. Er wohnt in Rietschen mit seinem sechsjährigen Sohn und seiner Lebenspartnerin. In Rietschen sitzt Schultze seit 2019 im Gemeinderat, mit dem Mandat der CDU. Da blieb die Frage der Parteifreunde nicht aus, ob er für das Bürgermeisteramt in Hähnichen kandidieren wolle? Er nahm das Vertrauen an und nun wird der Name Patrick Schultze mit auf dem Wahlschein für nächsten Sonntag stehen.

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Zu Hähnichen hat er immer eine feste Beziehung gehabt, sagt der parteilose Kandidat. Mit seiner Mutter und im Alter von sechs Jahren ist er nach Hähnichen gezogen. Seine Mutter Hannelore heiratete den Fuhrunternehmer Harald Schwarz und Patrick besuchte die Schule in Hähnichen. Dem folgte die Ausbildung als Zimmerer. Berufserfahrung sammelte Patrick Schultze ab 2002 im Westteil Deutschlands. "Die Heimat hat mich aber nie losgelassen, irgendwann wollte ich wieder zurück", sagt er. Einen neuen Job fand Patrick Schultze 2012 im Unternehmen seines Stiefvaters. Statt Bretter und Balken bewegt er seitdem Reise- und Linienbusse. Dazu absolvierte er ein Studium in Betriebswirtschaft und machte den Busführerschein. Seit 2017 führt er das Unternehmen im ehemaligen Tanklager der NVA bei Hähnichen, das nach der Wende Betriebssitz von Schwarz Reisen wurde.

Somit ist Patrick Schultze auch über sein Unternehmen eng mit Hähnichen verbunden. "Auf meinem beruflichen Weg habe ich gelernt, anzupacken, mit Menschen umzugehen, wirtschaftlich zu denken und Verantwortung zu übernehmen." Das möchte er auch als Bürgermeister. Seinen Fokus legt er auf die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Nicht nur in Hähnichen, sondern auch in den weiteren drei Ortschaften der Gemeinde. Den sanften Tourismus weiter zu entwickeln spielt für Patrick Schultze ebenso eine wichtige Rolle wie die medizinische Versorgung der Bürger. Werbung unter Medizinstudenten soll einen Berufsstart in Hähnichen schmackhaft machen.

Aufmerksam verfolgt der Kandidat den Strukturwandel in der Lausitz. Nachhaltige Projekte möchte er auch für die Gemeinde entwickeln. Ob eine Teststrecke für die Eisenbahn dazu gehört, dazu will sich Patrick Schultze weder mit einem Ja noch einem Nein festlegen. "Ich will im Interesse unserer Gemeinde transparent über Tetis sprechen und einen offenen Meinungsaustausch anregen. Ich werde die Entscheidung der Bürger und des Gemeinderates mit tragen", sagt er für den Fall, dass er zum Bürgermeister gewählt wird.

Heiko Titze: Brauhaus zum Dorfhaus machen

Heiko Titze wohnt sein Leben lang in Hähnichen und will als gewählter Bürgermeister das Brauhaus (im Foto) zu einem Begegnungszentrum für die Gemeinde machen.
Heiko Titze wohnt sein Leben lang in Hähnichen und will als gewählter Bürgermeister das Brauhaus (im Foto) zu einem Begegnungszentrum für die Gemeinde machen. © André Schulze

Heiko Titze möchte damit punkten, dass er einer aus der Gemeinde ist. "Ich bin in Hähnichen aufgewachsen, hier zur Schule gegangen, seit 1972 lebe ich in dem Ort", sagt der 51-Jährige. Neben seiner Verbundenheit zu Hähnichen ist es auch sein politisches Interesse, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Als Mitglied der AfD sitzt Titze im Kreistag und gehört dem Gemeinderat an. Die Partei will endlich eine Personenwahl gewinnen, nachdem sie zuletzt zwar den Sprung in viele Kommunalparlamente schaffte, aber noch nie ein Rathaus oder Gemeindeamt eroberte. Auch wenn Titze sagt: "Sollte ich zum Bürgermeister gewählt werden, dann ruht meine Parteizugehörigkeit zur AfD."

Heiko Titze ist ein Praktiker, der vor Ort etwas bewirken will. Das tat der gelernte Schiffsbetriebsschlosser bereits in seiner beruflichen Entwicklung. Zwar trieb es ihn nach der Ausbildung hinaus auf die Meere, aber letztlich kehrte er in seine Heimat zurück und arbeitete als Technikwart im Kraftwerk Boxberg. 1993 wechselte Heiko Titze den Blaumann gegen eine Uniform des Bundesgrenzschutzes und war fortan im Dienst des BGS - als Polizeivollzugsbeamter. Fachlich spezialisierte er sich auf das Führen von Diensthunden und war als Lehrwart und Leistungsrichter in der Bundespolizeiinspektion Bad Muskau tätig. Bis ihn 2010 ein Dienstunfall aus der Spur warf und die Bundespolizei ihn in Ehren in den Ruhestand schickte.

Untätig blieb Titze nach überstandener Verletzung nicht. Er trat 2018 der AfD bei, weil er unter anderem die Politik der regierenden Parteien kritisch sah und eine politische Alternative suchte. Im Görlitzer Kreistag arbeitet er in verschiedenen Ausschüssen. Ziele hat sich der 51-Jährige bereits gesetzt: Das alte Brauhaus neben der Kirche will er vor dem Abriss bewahren und zu einem Gemeindezentrum ausbauen lassen. Dagegen soll die ehemalige Gaststätte im Ortszentrum einer breiteren Straße weichen und kein Verkehrshindernis mehr sein. Nachdem Hähnichen schon viele Jahre keine Schule mehr hat, will Titze den Kindergarten im Ort erhalten. Nicht nur, weil er dort selbst als Kind betreut wurde, sondern weil die Einrichtung sehr gut angenommen wird.

Zu Tetis, dem beabsichtigten Bahnprojekt einer Teststrecke nördlich von Niesky, hat Heiko Titze eine feste Meinung: Er lehnt eine Streckenführung über Hähnichener Flur ab. "Arbeitsplätze sind wichtig, dürfen jedoch nicht gegen die Lebensqualität unserer Einwohner und unsere Natur ausgespielt werden.", argumentiert der Kandidat. Er hält andere Gegenden für geeigneter für so eine Teststrecke, wie den Truppenübungsplatz oder den Tagebau.

Matthias Zscheile: Verwaltung begreifbar machen

Matthias Zscheile wohnt seit zehn Jahren in Trebus und tritt als Kandidat zur Bürgermeisterwahl in Hähnichen am 25. April an.
Matthias Zscheile wohnt seit zehn Jahren in Trebus und tritt als Kandidat zur Bürgermeisterwahl in Hähnichen am 25. April an. © André Schulze

Matthias Zscheile ist ein Fachmann in Sachen Holz. Dieser nachwachsende Rohstoff beschäftigt ihn beruflich gleich an mehreren Orten in Deutschland. Klar, dass der 60-Jährige viel unterwegs ist. Zuhause ist Matthias Zscheile in Trebus, und das seit gut zehn Jahren. Trotz seines Arbeitspensums macht er aber einen durchaus bodenständigen Eindruck. Dass es einen bayrischen Beamten in die Gemeinde Hähnichen verschlägt, hat in diesem Fall mit einem Klinikaufenthalt in Görlitz und der Liebe zu einer Krankenschwester zu tun. Es geht um die heute in Rothenburg tätige Pflegedienstleiterin Annett Preuß, seine jetzige Ehefrau.

"Ich bin mit Holz aufgewachsen" blickt Matthias Zscheile auf sein Leben zurück. Seine Eltern betrieben im Harz ein Sägewerk, bis es 1972 verstaatlicht wurde. Nach seiner Lehre in der Holzbranche studierte und promovierte Matthias Zscheile an der TU Dresden. Nach mehreren beruflichen Stationen im Projektgeschäft für namhafte, weltweit tätige Maschinenbauunternehmen der Holzbranche im In- und Ausland wurde der aus Stolberg im Harz stammende Zscheile an die Hochschule in Rosenheim als Professor für Sägewerkstechnik und Massivholzverarbeitung berufen. Seit 2003 lehrt er an der dortigen Fakultät für Holztechnik und Bau.

In der Chemiestadt Leuna hat Matthias Zscheile sein zweites Standbein: Als Vorstandsvorsitzender beziehungsweise Geschäftsführer ist er für ein ehemals vom Bund gefördertes Großprojekt der Holzbasierten Bioökonomie zuständig. Sinn und Zweck des Projektes mit rund 60 Partnern besteht darin, neue Lösungen zu finden und industriell umzusetzen, um weniger Erdöl, dafür mehr nachwachsende Rohstoffe zu nutzen. Dabei ist Holz eine gute Alternative. Außerdem unterstützt Zscheile die Initiative zur Etablierung eines Holzkompetenzzentrums im Großraum Niesky-Kodersdorf im Rahmen des Strukturwandels in der Oberlausitz.

Bleibt bei diesem Arbeitspensum noch Zeit für ein Bürgermeisteramt? Matthias Zscheile sagt ja. Strukturiertes Arbeiten unter Einbeziehung moderner Kommunikationsmittel machen dies möglich. Er möchte sich weiter aktiv für seine Heimatgemeinde engagieren. Das macht er bereits in dem von ihm und seiner Frau im vergangenen September gegründeten Verein "Bürgergemeinschaft Trebus". Dieser will das Dorfleben in Trebus in Schwung bringen und die Mitglieder gaben Matthias Zscheile den Schub, sich als Bürgermeisterkandidat aufstellen zu lassen. Über 20 Leute sind dem Verein bereits beigetreten.

Zudem engagiert sich der Trebuser in der Bürgerinitiative "Stopp Tetis". "Ich bin aber einer der gemäßigten Vertreter dieser Initiative" sagt Zscheile von sich. "Die Eisenbahnteststrecke ist eine Idee und nichts Fertiges. Wir müssen gemeinsam einen vernünftigen Weg finden, um damit umzugehen. Das heißt, auch mit Kompromissen leben zu müssen." Diese Meinung vertritt Zscheile auch als Bürgermeister, so er in dieses Amt gewählt wird.

"Vernünftig, fair und mit Augenmaß" will der Trebuser die Gemeinde durch die nächsten acht Jahre führen und mit den kleinen Dingen anfangen. Das heißt, das einheimische Handwerk und Gewerbe stärken, sich um Fördermittel kümmern und mehr Transparenz für die Bürger in die Zusammenarbeit mit der Stadt Rothenburg bringen. Beide Kommunen bilden eine Verwaltungsgemeinschaft. "Die Bürger sollen verstehen und nachvollziehen können, was eine Verwaltung macht", stellt sich Zscheile als eine weitere Aufgabe.

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