SZ + Niesky
Merken

So fällt die Bilanz der Nieskyer über ihre Rathauschefin aus

Am Freitag endet die Amtszeit von Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann. Lesen Sie hier, wie Einwohner der Stadt die vergangenen sieben Jahre einschätzen.

Von Steffen Gerhardt
 2 Min.
Teilen
Folgen
Das neue Eisstadion in Niesky wurde in der Amtszeit von Beate Hoffmann eingeweiht. Es war ein Geschenk im 275. Jahr des Bestehens der Stadt Niesky.
Das neue Eisstadion in Niesky wurde in der Amtszeit von Beate Hoffmann eingeweiht. Es war ein Geschenk im 275. Jahr des Bestehens der Stadt Niesky. © André Schulze

Beate Hoffmanns letzte Amtshandlung als Oberbürgermeisterin wird am Freitag die Übergabe der Schlüssel an ihre Nachfolgerin Kathrin Uhlemann sein. Sieben Jahre führte die Nieskyerin ihre Stadt. Welche Bilanz sie aus Sicht der Nieskyer hinterlässt, das wollte die SZ mit einer Umfrage in Erfahrung bringen.

"Sie war eine zuverlässige Repräsentatin der Stadt"

Schwester Sonja Rönsch ist Oberin der Emmaus Diakonissenanstalt Niesky.
Schwester Sonja Rönsch ist Oberin der Emmaus Diakonissenanstalt Niesky. © André Schulze

Sonja Rönsch, Oberin der Diakonissenanstalt Emmaus: Ich habe unsere OB als zuverlässige und verantwortungsvolle Repräsentantin für unsere Stadt erlebt. Jedoch kann eine OB nur so gut sein, wie die Stadträte es zulassen und umgedreht gilt das wohl auch. Während der Flüchtlingskrise erlebte ich sie als konstruktive Unterstützerin, um den Fremden in unserer Stadt ein zu Hause geben zu können. Richtig finde ich zudem, ihr Engagement für das Waldbad und das Eisstadion - auch, wenn hierfür immer noch die nötigen Parkflächen fehlen. Jedenfalls erscheint es vielen Waldbadnutzern sehr viel bequemer, ihr Auto auf den Parkflächen der Diakonissenanstalt abzustellen. Das wiederum verstimmt die in Emmaus Diensthabenden, die dann auf irgendwelche Seitenstraßen ausweichen müssen und hier riskieren, dass sie ein Knöllchen bekommen.

"Sie hatte für uns immer ein offenes Ohr"

Renè Gottschling, der Leiter der Ortsgruppe Sachsen im Verein zur Klärung des Schicksals Vermisster und Gefallener, VKSVG,
Renè Gottschling, der Leiter der Ortsgruppe Sachsen im Verein zur Klärung des Schicksals Vermisster und Gefallener, VKSVG, © Bernhard Donke

René Gottschling, Vorsitzender des sächsischen Verbandes zur Klärung des Schicksals Vermisster und Gefallener (VKSVG) und Stadtrat (AfD): Was die Zusammenarbeit mit dem Verein betrifft, ist diese mit Frau Hoffmann und der Stadt sehr gut. Für unsere Belange hat sie immer ein offenes Ohr und wir haben eine gute Unterstützung durch den Bauhof, wenn es um praktische Arbeiten geht. Dafür danken wir ihr.

"Sie hat viel für die Stadt und die Händler getan"

Beate Radisch in ihrer Weinhandlung Flicke.
Beate Radisch in ihrer Weinhandlung Flicke. © André Schulze

Beate Radisch, Geschäftsinhaberin Weinhandlung Flicke: Frau Hoffmann hat in den sieben Jahren viel für die Stadt getan. Oft konnten das nur kleine Schritte sein. Das größte Projekt war das Eisstadion. Enttäuscht bin ich, dass nur die Hälfte der Nieskyer zur Wahl gegangen ist, obwohl sich in unserer Stadt in den letzten Jahren einiges getan hat. Für uns Händler hat Frau Hoffmann immer ein offenes Ohr, auch in der Zeit der Pandemie. Persönlich danke ich ihr für die angenehme Zusammenarbeit und wünsche ihr für die Zukunft alles Gute.

"Sie hat eingefahrene Strukturen nicht aufbrechen können"

Hartmut Schuster ist Mitglied im Stadtrat in Niesky für die Fraktion der CDU.
Hartmut Schuster ist Mitglied im Stadtrat in Niesky für die Fraktion der CDU. © André Schulze

Hartmut Schuster, Ortschaftsrat See und Stadtrat (CDU): Mein Eindruck nach sieben Jahren Amtszeit ist, dass es Frau Hoffmann nicht gelungen ist, über Jahre eingefahrene Strukturen in der Verwaltung aufzubrechen. Es ist beim Verwalten geblieben. Zu wenige Innovationen sind aus dem Rathaus gekommen. Natürlich sind die beiden letzten Jahren durch die Einschränkungen mit Corona besonders zu bewerten. Städtische Aktionen wie Herbstfest, Weihnachtsmarkt oder das Frühlingserwachen mit dem MDR mussten abgesagt werden.

"Kämmerin ist keine ideale Besetzung als Oberbürgermeisterin"

Silvio Arndt, Inhaber eines Autohauses: Wir wussten vor sieben Jahren, dass wir eine Kämmerin als neue Oberbürgermeisterin bekommen. Über die Leitung einer Stadtverwaltung kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ich sehe eine Buchhalterin nicht als beste Besetzung für so ein Amt an. Frau Hoffmann konnte ihre Wurzeln nie hinter sich lassen, um eine nach vorn gerichtete Stadtpolitik zu machen.

"Oft kam sie zu Ausstellungseröffnungen"

Gabriele Beinlich in ihrem Atelier.
Gabriele Beinlich in ihrem Atelier. © André Schulze

Gabriele Beinlich, freiberufliche Grafikerin: Ich habe sehr gern mit Frau Hoffmann zusammengearbeitet. Ich schätze ihre fachliche Kompetenz und ihr Engagement auf kulturellem Gebiet. Ausstellungseröffnungen fanden oft in ihrem Beisein statt. Auch für den Sport zeigt sie Interesse. Das neue Eisstadion und der angeschobene Neubau der Turnhalle am Rosensportplatz sind dabei ihre größten Verdienste. Nicht als Oberbürgermeisterin, sondern als Nieskyerin sind ihr die Parkeinsätze und der Bürgerball eine Herzensangelegenheit. Gut fand ich ihre Idee auf dem Neujahrsempfang, für Spenden für das Stadtmobiliar zu werben. Das sollte fortgesetzt werden, es macht unsere Stadt attraktiver.

"Die Kommunikation war mangelhaft"

Stadtrat Armin Menzel führt seine eigene Kfz-Werkstatt in Niesky.
Stadtrat Armin Menzel führt seine eigene Kfz-Werkstatt in Niesky. © André Schulze

Armin Menzel, Inhaber eines Auto-Service und Stadtrat (CDU): Was in den letzten Jahren baulich in Niesky geschaffen wurde, kann sich sehen lassen. Erweiterung der Oberschule, Sanierung DRK-Kita und Schulhort sowie Straßenbau, um die größten Vorhaben zu nennen. Auch dass die Goethe- und Herderstraße dieses Jahr ausgebaut werden kann, ist mit ihr Verdienst. Was ich aber kritisieren muss, ist die mangelnde Kommunikation nicht nur auf Verwaltungsebene, sondern auch zu den Unternehmen und Händlern der Stadt. Der Knatsch um die neue Friedhofssatzung hätte vermieden werden können, wenn die Stadt ihre Bürger rechtzeitig mit ins Boot geholt hätte. Mit Gesprächen lässt sich vieles klären.

"Kommunikation gut, aber Niesky steht zu oft hinten an"

Harald Prause-Kosubek ist Mitglied im Stadtrat in Niesky für die Fraktion der SPD und einer von zwei Vorsitzenden der SPD im Kreis Görlitz.
Harald Prause-Kosubek ist Mitglied im Stadtrat in Niesky für die Fraktion der SPD und einer von zwei Vorsitzenden der SPD im Kreis Görlitz. © André Schulze

Harald Prause-Kosubek, Stadtrat in Niesky(SPD) und einer von zwei Vorsitzenden der Kreis-SPD: Als ausgesprochen positiv empfand ich die Entwicklung in der Kommunikation und Moderation zwischen Verwaltungsspitze und Bürgerinitiativen, Vereinen und anderen gesellschaftlichen Akteuren in den letzten sieben Jahren. Auch im Stadtrat und seinen Ausschüssen herrschte seit ihrem Amtsantritt meist eine offene, aber wertschätzende Atmosphäre. Dafür bin ich Frau Hoffmann sehr dankbar. Schuldig bleibt Frau Hoffmann, mindestens in Teilen, einen gelungenen Umbau der Stadtverwaltung hin zu einer modernen und flexiblen Bürger-Behörde umzusetzen. Ebenfalls zu kritisieren ist wohl, dass Niesky im direkten Vergleich zu Nachbarkommunen allzu oft hinten ansteht, wenn es um Stadtentwicklung geht. Auch in puncto barrierefreie und lebendige Innenstadt, verfügbarem Bauland oder aktiver Ansiedlungsförderung hängen wir meilenweit hinterher, weil Entwicklung und Bedarfe lange ignoriert wurden.