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Warum die Nieskyer Eishockey-Cracks positiv bleiben

Die Regionalligasaison neigt sich dem Ende entgegen. Die Nieskyer Tornados konnten noch keinen Sieg feiern – was macht das mit der Mannschaft?

Von Frank Thümmler
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Ein seltenes Glücksgefühl für die Nieskyer Tornados: Tom Domula jubelt über den Treffer zum 2:3 gegen Schönheide.
Ein seltenes Glücksgefühl für die Nieskyer Tornados: Tom Domula jubelt über den Treffer zum 2:3 gegen Schönheide. © Hans-Ernst Friedrich

Niesky. Von den guten alten Zeiten schwelgen die Nieskyer Eishockey-Fans noch immer. Im Waldstadion, damals eine der letzten Freiluftarenen, eilten die Nieskyer Tornados von Sieg zu Sieg, kämpften meist mit den Schönheider Wölfen um die Meisterschaft, lockten weit über 1.000 Zuschauer an – auch bei Eiseskälte oder Schneetreiben – und begeisterten diese meistens mit tollem Eishockey. Längst ist die Freiluftarena einem modernen, überdachten Stadion gewichen. Aber die meisten alten Cracks – unter ihnen einige Ex-Profis – sind weg, haben die Schlittschuhe an den Nagel gehängt.

Ersatz auf ähnlichem Niveau zu finden ist vor allem in der Breite kaum möglich, auch in Anbetracht der finanziellen Möglichkeiten des Vereins. Also backen die Tornados sprichwörtlich kleinere Brötchen, setzen auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Sie alle eint der Spaß am Eishockey – und auch die Lust, vor den in der Vergangenheit so verwöhnten Fans alles zu geben.

Aber: Zumindest in dieser Saison, in der wie schon im Jahr zuvor Corona die Kader zusätzlich schmelzen ließ und kontinuierliches Training über die gesamte „Eiszeit“ kaum möglich war, reicht es in der Regionalliga nicht. Nach 15 Spielen steht ein einziger Punkt auf dem Konto der Tornados, erkämpft bei einer 3:4-Penaltyniederlage im Oktober gegen den ESC Dresden. Auch das Rückspiel in Dresden endete knapp (4:5 aus Tornado-Sicht). Die bisherigen Partien gegen die U23-Mannschaft des ES Weißwasser (6:9 und 3:6) verliefen ebenfalls vergleichsweise eng, hinzu kam ein Spiel in Chemnitz (2:4) und zuletzt das 4:5 gegen die Eisbären Juniors.

Keine Chance, dennoch Lust

Das gesamte Torverhältnis von 40:123 verrät aber auch, dass die Tornados oft genug chancenlos waren. Trainer Jens Schwabe weiß das und sagt: „Trotzdem haben meine Jungs Lust, wollen in jedem Spiel alles geben und die Favoriten mindestens ärgern. Und wir lernen ja immer dazu.“

So war auch das Spiel am Sonnabend gegen Spitzenreiter Schönheide – früher ja ein Saisonhöhepunkt – eines, in dem sich die Ziele der Tornados auf „vielleicht ein wenig ärgern“ beschränkten. Und das gelang zwischenzeitlich sogar ganz gut. Das erste Drittel entschieden die Schönheider mit 2:0 für sich, wobei der zweite Treffer nach einem geblockten Schuss in Nieskyer Überzahl und einem Alleingang danach schon ärgerlich war.

Im Mitteldrittel brachen die Tornados nach dem 0:3 nicht zusammen, sondern kamen wieder auf 2:3 heran – zunächst durch David Frömter, der freigespielt von Christoph Rogenz einen Alleingang startete und die Scheibe hoch in der kurzen Ecke versenkte. Wenig später erzielte Tom Domula mit viel Willen im Nachschuss den Anschlusstreffer. „Aber dann haben die Jungs in ihrer Euphorie den Fehler gemacht, mitspielen zu wollen statt sich aufs Zerstören der gegnerischen Angriffe zu konzentrieren“, sagte Trainer Jens Schwabe. Schönheide zog bis zur zweiten Drittelpause auf 6:2 davon und legte im Schlussdrittel auch dank der personellen Überlegenheit (Niesky hatte nur zwölf Feldspieler, Schönheide eine komplette Reihe mehr) noch vier Tore nach – Endstand 10:2. Trotzdem erkannten die Fans (auch ein Bus aus Schönheide war angereist) den Kampf der Nieskyer nach dem Spiel an.

Hoffnung auf ersten Sieg lebt

Natürlich weiß auch Jens Schwabe, dass es so nicht auf Dauer weitergehen kann. In den vergangenen Wochen konnte er die Tornado-Legenden Sebastian Greulich und Jens Becher überzeugen, auszuhelfen. „Das hat man sofort gesehen: Zwei Erfahrene, die unsere jungen Spieler führen können, von denen sie sich was abschauen können“, sagt Schwabe. Gegen Schönheide musste er auf beide aus Krankheitsgründen verzichten. Aber wenn am kommenden Sonnabend die U23 des ES Weißwasser zum letzten Punktspiel der Saison nach Niesky kommt, hofft Schwabe, dass die beiden wieder dabei sind. Vielleicht wird es ja doch noch etwas mit einem Sieg in dieser Saison.

Schwabes Gedanken gehen natürlich weiter: „Wir müssen unseren Kader über den Sommer verstärken, auch wenn ich weiß, dass es nicht leicht wird, gute Spieler nach Niesky zu locken. Der eigene Nachwuchs wird auch in Zukunft ein wichtiger Spielerquell sein müssen.“ Und auch da arbeiten die Nieskyer kontinuierlich: „Wir haben guten Zulauf, hoffen, dass wir in den kommenden Jahren wieder eigenständige Nachwuchsteams stellen können“, sagt der Trainer. Bis dahin geht sein Blick vor allem nach Weißwasser, wo ja auch immer wieder Spieler aus dem Nachwuchs kommen, die einst in Niesky begonnen haben.