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Trinkwasser bald mit viel besserer Qualität

5.000 Menschen rund um den Stausee Quitzdorf profitieren von einem neuen Wasserwerk. Und es gibt einen weiteren großen Vorteil.

Wassermeister Torsten Eichler aus Niesky vor dem neuen Brunnen, aus dem das Wasser künftig kommen wird. Die Stadtwerke übernehmen den technischen Support für die Anlage.
Wassermeister Torsten Eichler aus Niesky vor dem neuen Brunnen, aus dem das Wasser künftig kommen wird. Die Stadtwerke übernehmen den technischen Support für die Anlage. © André Schulze

Die beiden Wasserwerke in Mücka und Leipgen haben bald ausgedient, dafür entsteht in Leipgen ein neues, größeres. Die Versorgung mit dem kühlen Nass soll in Zukunft auch im Umkreis noch besser werden. Dazu folgen in den nächsten Jahren weitere Ausbaustufen.

Dass im Raum Mücka eine Investition nötig werden würde, war den Verantwortlichen schon seit dem Beitritt der Gemeinde 2014 in den Trinkwasserzweckverband Neiße-Schöps klar. Die Gebäude der Wasserwerke Leipgen und Mücka waren veraltet, die Technik längst nicht mehr auf einem akzeptablen Stand. Zudem gab es mit dem in Mücka geförderten Grundwasser immer wieder Qualitätsprobleme.

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Wasserversorgung soll ab Ende 2021 laufen

"2015 haben wir begonnen, uns intensiv Gedanken über das Bauprojekt zu machen", erinnert sich Maik Gerber. Mehrere Messstellen seien errichtet, ein geologisches Gutachten in Auftrag gegeben worden. "Unser Ziel war es, den Grundwasserkörper zu erkunden", erklärt der Geschäftsführer des Zweckverbandes. Heraus kam, dass ein Grundwasserleiter aus dem Tertiär, eine sogenannte eiszeitliche Rinne, genutzt werden kann. "Das ist eine Art unterirdischer Fluss, der große Sicherheit bietet, was die Verfügbarkeit des Wassers betrifft", so Gerber.

Im April 2020 lag die wasserrechtliche Genehmigung der Unteren Wasserbehörde vor, danach ging es ganz konkret an die Planung des Projektes. Am Dienstag gab es jetzt mit Landrat Bernd Lange den offiziellen ersten Spatenstich. Demnach entsteht in Leipgen ein neues Gebäude für die benötigten Anlagen, einschließlich Steuerungstechnik und Belüftungsanlage. Hinzu kommen ein aus zwei Kammern bestehender Reinwasserbehälter und eine Druckerhöhungsstation. Alles zusammen soll die Trinkwasserversorgung für Mücka und Kreba-Neudorf ab Ende 2021 sicherstellen. Die Gebäude und Anlagen werden voraussichtlich schon im August oder September betriebsbereit sein. "Allerdings brauchen wir danach noch eine Anlaufphase, in der alle Komponenten aufeinander eingespielt werden müssen, sodass das Jahresende eher realistisch für den Start des neuen Wasserwerkes ist", erläutert Maik Gerber die Zeitschiene.

Erster Spatenstich für das neue Wasserwerk in Leipgen: Mückas Bürgermeister Uwe Blättner, Zweckverbands-Geschäftsführer Maik Gerber, Thomas Rießner vom Planungsbüro IBOS, Landrat Bernd Lange und Waldhufens Horst Brückner (v.l.n.r.).
Erster Spatenstich für das neue Wasserwerk in Leipgen: Mückas Bürgermeister Uwe Blättner, Zweckverbands-Geschäftsführer Maik Gerber, Thomas Rießner vom Planungsbüro IBOS, Landrat Bernd Lange und Waldhufens Horst Brückner (v.l.n.r.). © André Schulze

Die Investitionssumme für diesen ersten Schritt zur Stabilisierung der Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet beläuft sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Ein zweiter wird die Überleitung zwischen Mücka und Förstgen sein. Hierfür sind Kosten in Höhe von etwa 400.000 Euro veranschlagt.

Bis 2024 sind weitere Ausbaustufen geplant

Die nächste Ausbaustufe soll in den Jahren 2022 und 2023 über die Bühne gehen. Dann soll für rund 180.000 Euro eine Leitung von Leipgen nach Steinölsa gebaut werden. Dort wiederum ist die nächste Druckerhöhungsstation vorgesehen, um Wasser nach Groß Radisch zu pumpen und dann ganz Hohendubrau versorgen zu können. Ab 2024, so Maik Gerber, strebt der Verband in einer weiteren Etappe noch den Anschluss von Kollm und Sproitz an. Damit verbessert sich die Trinkwasserversorgung in den nächsten Jahren für  etwa 5.000 Einwohner. Insgesamt versorgt der Zweckverband 14.600 Einwohner und eine ganze Reihe von Gewerbebetrieben. So finden jährlich rund 590.000 Kubikmeter Wasser ihre Abnehmer.

Aktuell ist eine Leitung zwischen Niesky und Hohendubrau schon vorhanden, das Wasser dorthin wird bisher von den Nieskyer Stadtwerken geliefert. Weil der Verbrauch ohne größere Industrieunternehmen aber recht niedrig ist, mangelt es an Durchflussgeschwindigkeit - was nicht gut ist für die Wasserqualität. "Sieben Tage sind keine Seltenheit", weiß der Verbandschef. Durch die geplante Investition wolle man die Standzeit auf drei Tage drücken. Generell liege der Verbrauch im Zweckverband unter dem sächsischen Durchschnitt. Zwischen Mücka, Jänkendorf und Kodersdorf werden im Schnitt nur 82,5 Liter je Tag und Einwohner "abgezapft", im Jahr sind das 30 Kubikmeter. Im Freistaat beträgt der Durchschnitt 90 Liter, in ganz Deutschland liegt er bei 123 Liter am Tag.

Verbundstrategie mit Niesky bewährt sich

Für die Stadtwerke Niesky ist der nach Fertigstellung der neuen Leitungen wegbrechende Lieferumfang in Hohendubrau kaum ein Problem. Denn der städtische Eigenbetrieb pumpt Wasser nach wie vor nach Kodersdorf - Tendenz steigend. "Das ist Bestandsteil unserer Verbundstrategie. Wir unterstützen uns gegenseitig, um die Versorgung stabil zu halten", erklärt Maik Gerber. So treten die Nieskyer Stadtwerke in Kodersdorf und dem ständig mehr verbrauchenden Gewerbegebiet als Lieferant für den Zweckverband auf. Der wiederum verkauft das kühle Nass an die verschiedenen Abnehmer. "Das ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation. Wir halten uns Kapazitäten frei, um sie dort einzusetzen, wo wir sie wirklich brauchen."

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