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Holzbau in der Lausitz - Niesky kommt wieder ins Gespräch

Bauen mit nachwachsendem Rohstoff liegt im Trend. Im Osten Sachsens, wo Holzverarbeitung lange präsent war, gibt es inzwischen neue Pläne. Entsteht dort ein neues Kompetenzzentrum?

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Bäume umgeben das Konrad-Wachsmann-Haus in Niesky.
Bäume umgeben das Konrad-Wachsmann-Haus in Niesky. © Sebastian Kahnert/dpa

"Holzbauten in alle Länder": Mit diesem Slogan warb die Christoph & Unmack AG 1938 in einem Exportkatalog für sich. Die Firma aus Niesky in der Oberlausitz bot sehr unterschiedliche Gebäudetypen an, die aus industriell vorgefertigten Teilen bestanden. Daher war es möglich, Wohnhäuser, Turn- und Reithallen, Bahnsteigüberdachungen, Kirchen, Kindergärten, Flugzeughallen oder gar Hochgebirgsstationen relativ rasch am jeweils gewünschten Ort aufzubauen. Die Erfolgsgeschichte endete wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Nun könnte der Holzbau in Niesky (Landkreis Görlitz) wieder aufleben.

"Der Standort ist aufgrund seiner Tradition sehr geeignet", findet der Geschäftsführer der Holzbau Kompetenz Sachsen GmbH, Sören Glöckner. Das 2021 gegründete Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, den Einsatz von Holz im Bauwesen zu forcieren. Finanzielle Unterstützung bekommt es von Sachsens Ministerium für Regionalentwicklung. "Die Verwendung von Holz trägt entscheidend dazu bei, Lösungen für ein umwelt- und klimagerechtes sowie innovatives Bauen zu finden", hatte Ressortchef Thomas Schmidt (CDU) zur Begründung der Förderung gesagt.

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Das Holzkompetenzzentrum favorisiert zwei Ansiedlungsorte im Freistaat, an denen Gebäude aus nachwachsendem Rohstoff industriell gefertigt werden sollen, neben Niesky auch den Südraum von Leipzig. Freilich brauche es Investoren, die diese Idee praktisch umsetzen, ist sich Glöckner bewusst. Seine Firma ist angetreten, den Boden dafür zu bereiten.

Jedes fünfte Haus in Sachsen ist ein Holzhaus

Längst etabliert ist Holz beim Bau von Einfamilienhäusern. "Jedes fünfte in Sachsen ist ein Holzhaus", sagt Glöckner. Jüngste Zahlen aus dem Statistischen Bundesamtes untermauern diese Aussage. Demnach entstanden im vergangenen Jahr 22,4 Prozent der sächsischen Ein- und Zweifamilienhäuser in Holzfertigbauweise. Der bundesweite Durchschnitt ist mit einem Anteil von 23,1 Prozent etwas höher, wie der Bundesverband Deutscher Fertigbau mitteilte.

Ein Balkon umgibt den Empfangsbereich im Konrad-Wachsmann-Haus. Das Haus wurde 1927 nach einem Entwurf von Konrad Wachsmann durch die bekannte Nieskyer Holzbaufirma Christoph & Unmack errichtet.
Ein Balkon umgibt den Empfangsbereich im Konrad-Wachsmann-Haus. Das Haus wurde 1927 nach einem Entwurf von Konrad Wachsmann durch die bekannte Nieskyer Holzbaufirma Christoph & Unmack errichtet. © Sebastian Kahnert/dpa

"Es geht verstärkt darum, große Gebäude mit Holz zu bauen, etwa Schulen, Mehrfamilienhäuser und Verwaltungsbauten", macht Glöckner deutlich. Derzeit betrage der Anteil in Sachsen dabei gerade ein Prozent. Mehr Spielraum bietet die veränderte sächsische Bauordnung, die in diesem Jahr in Kraft trat. Sie enthält neue Regelungen, die es ermöglichen, Gebäude aus Holz bis zu einer Höhe von 22 Metern zu errichten.

Große Hoffnungen ruhen indes auf dem geplanten Großforschungszentrum für die Lausitz. Der Bund hatte dafür einen Wettbewerb ausgeschrieben, in dem bis spätestens Anfang Oktober die Entscheidung fallen soll. "Wir gehen davon aus, dass die Bewerbung der TU Dresden mit dem "Lausitz Art of Building" den Zuschlag erhält", zeigt sich Glöckner optimistisch. Dahinter verbirgt sich die Idee eines Bauforschungszentrums, für das Niesky ein perfekter Praxispartner wäre, wenn es gelänge, dort modernen Holzbau zu etablieren.

Blick in einen Veranstaltungsraum im Konrad-Wachsmann-Haus.
Blick in einen Veranstaltungsraum im Konrad-Wachsmann-Haus. © Sebastian Kahnert/dpa

Derweil hat sich Sachsens Holzkompetenzzentrum mit der Stadt Niesky verbündet, um an wirtschaftliche Traditionen anzuknüpfen. Für das Projekt "Vom Baum zum Bau" habe der Bund Fördermittel in Aussicht gestellt, sagt Glöckner. Mit dem Geld soll unter anderem ein Netzwerkmanager bezahlt werden, damit fachliche Kompetenzen und Kräfte der gesamten Oberlausitz zusammengeführt werden. "Wir wollen nicht nur für Niesky denken."

"Uns ist klar, dass die Holzbauzukunft in der Region nicht mehr nur durch ein großes Unternehmen dominiert werden kann und soll", sagt Jan Bergmann-Ahlswede, der das Museum in Niesky leitet. Dazu gehört auch das Konrad-Wachsmann-Haus, benannt nach dem Architekten, der es 1927 entwarf. Der Bau der klassischen Moderne hebt sich im Erscheinungsbild sehr deutlich von den mehr als 100 erhaltenen Holzhäusern in der Stadt ab, die ebenfalls aus der Produktion von Christoph & Unmack stammen. Wachsmann stand damals am Anfang einer internationalen Karriere. Wegen seiner jüdischen Abstammung emigrierte er 1941 in die USA. Mit Konstruktionssystemen für weitspannende Hallenbauten wurde er später weltweit bekannt. Selbst sagte er einmal: "Das alles begann in Niesky." (dpa)