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Nigeria unter Schock - Bombenanschlag hinterlässt offene Fragen

Viele Nigerianer können noch nicht fassen, was am Montag in Abuja passiert ist. In der Hauptstadt hatte niemand mit einem solch schweren Attentat gerechnet. Die Bürger haben Angst.

Abuja. Nach dem verheerenden Bombenanschlag auf einen Busbahnhof in der nigerianischen Hauptstadt Abuja ist die genaue Zahl der Opfer weiter unklar. Das Attentat gilt aber bereits jetzt als die tödlichste Attacke, die die westafrikanische Metropole je erlebt hat. Während die Behörden am Dienstag noch immer von 71 Toten sprachen, ergaben Umfragen in umliegenden Krankenhäusern, dass bei dem Attentat am Vortag vermutlich mehr als 200 Menschen starben. Das Land steht unter Schock. Die Sicherheitsstufe in Abuja blieb weiter auf „Rot“.

Die Zeitung „Punch“ sprach von mindestens 257 Verletzten. Die Regierung rief zu Blutspenden auf, um Leben zu retten.

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Überlebende erzählten lokalen Medien ihre Version des Tathergangs. Den meisten Berichten zufolge soll sich um vier Täter gehandelt haben, die in einem Kleinwagen auf den Platz fuhren. Beim Versuch, das Auto noch rechtzeitig vor der Detonation zu verlassen, seien sie selbst in Stücke gerissen worden. Offenbar hat keiner der Attentäter überlebt - eine Bestätigung für diese Angaben gab es jedoch nicht.

Ein Mann sagte der Zeitung „Vanguard“, sein Neffe habe am Montagmorgen einen Bus nach Taraba im Osten Nigerias besteigen wollen. „Dann hörte ich das laute Geräusch einer Explosion, und ich bin zum Busbahnhof geeilt“, erzählte der Onkel unter Tränen. Er habe lange gebraucht, um seinen Neffen zu finden, da die Leiche fast völlig verbrannt gewesen sei. „Ich konnte ihn nur anhand seiner Kleider identifizieren.“

Noch immer Blut und Leichenteile auf den Straßen

Auch am Dienstag lagen auf dem Platz noch zahlreiche Kleidungsstücke, Schuhe und Taschen der Toten. Auch Blut und kleinere Leichenteile blieben zurück.

Parlamentssprecher Aminu Tambuwal bezeichnete den Anschlag als „feige und barbarisch“. Viele Straßen wurden von Polizisten überwacht und Fahrzeuge überprüft. „Aber jetzt haben wir Angst, dass es eine weitere Bombe geben wird, die noch mehr Schaden anrichtet - und wir stehen hier im Stau und können nicht weiter“, sagte die Nigerianerin Madam Zara Ibrahim der Nachrichtenagentur dpa.

Obwohl sich noch niemand zu der Tat bekannt hat, gilt es als wahrscheinlich, dass die radikalislamische Sekte Boko Haram dafür verantwortlich ist. Präsident Goodluck Jonathan betonte, seine Regierung werde alles tun, um die Gruppe zu besiegen.

Jedoch wirkt der Staatschef schon lange machtlos in seinem Kampf gegen die Extremisten. Kritiker monierten, die Regierung müsse stärker durchgreifen, um weitere Bluttaten zu verhindern. „Das Attentat, das nur wenige Fahrtminuten von den Regierungsgebäuden entfernt verübt wurde, zeigt, dass alle bisher ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen umsonst waren“, erklärte Salahudeen Usman, der im Stadtteil Garki lebt. „Überall in Abuja gibt es Kontrollpunkte des Militärs - aber sie haben nichts genutzt.“

Die Boko Haram will im Norden Nigerias einen Gottesstaat einrichten. Seit 2009 verübt sie dort immer wieder schwere Anschläge, vor allem auf Kirchen und Polizeieinrichtungen. Aber auch in Abuja hatte die Gruppe schon mehrere Male zugeschlagen. Ihr Name bedeutet etwa soviel wie „westliche Bildung ist verboten“. (dpa)