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„No Asyl“ weggeschrubbt

In Freital werden regelmäßig Wände mit rechten Parolen beschmiert. Acht Männer lassen sie nun verschwinden.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Andrea Schawe

Freital. Nur mühsam lässt sich die Farbe von den Wänden kratzen. Mit Sandpapier in der Hand schrubbt Alialshame die Bahnunterführung in der Lutherstraße. Zuerst verschwindet das S, dann langsam das A. „No Asyl“ steht da, direkt neben „Nein zum Heim“ und „Antifa aufs Maul“. Zwei seiner Kollegen übermalen auf der anderen Straßenseite die graue Wand. Bis vor Kurzem war da noch „Fuck the Cops!“ zu lesen.

Alialshame ist 21 Jahre alt und kommt aus Syrien. Vor sieben Monaten ist er in Deutschland angekommen, mittlerweile wurde sein Aufenthalt anerkannt. Zusammen mit seinem syrischen Kollegen Alali wohnt er in einer Freitaler Wohnung. Seit zwei Monaten gehören die beiden zu den acht Mann, die im ganzen Stadtgebiet unterwegs sind, um Schmierereinen zu entfernen – zusammen mit Freitalern, die ebenfalls beim Förderverein Biotec eine Arbeitsgelegenheit haben. „Wir machen das gern“, sagt Alali. Es störe sie nicht, dass sie Schmierereien von Wänden, Stromkästen und Werbeflächen kratzen, die eigentlich gegen sie gerichtet sind. „Wir wohnen jetzt in Freital“, sagt der 28-Jährige. „Wir wollen auch, dass es hier sauber ist.“

Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative des Fördervereins Biotec mit der Stadtverwaltung und der Koordinierungsstelle für Asyl. Gemeinsam das Stadtbild zu verbessern sei das Ziel, sagt Vorstand Enrico Schwarz. „Es ist uns ein Herzensbedürfnis.“ Es gehe auch nicht darum, die Migranten auszunutzen. „Nach dem Motto: Jetzt sollen sie den Dreck wegmachen“, sagt Schwarz, der für die Initiative auch kritisiert werde. Alle seien Bürger der Stadt. Jedem Freitaler liege ein ordentliches und sauberes Stadtbild am Herzen – „nicht nur in der eigenen Wohnung und im eigenen Garten“. Das Projekt sei außerdem eine integrative Maßnahme. „Wir möchten damit unsere uneingeschränkte Bereitschaft signalisieren, am Prozess der Integration aktiv mitzuwirken“, sagt Schwarz. Auch für Freitaler, die beim Verein arbeiten, sei das gemeinsame Arbeiten gut. „Es hilft, Vorurteile abzubauen.“

Die Gruppe entfernt alle Schmierereien und Graffiti, nicht nur solche mit asylkritischem oder extremistischem Inhalt. In den vergangenen Monaten sind in Freital wiederholt asylfeindliche und rechte Schmierereien aufgetaucht. Mehr als 25 Fälle zählt die Polizei in Freital – seit Jahresanfang. Im Februar wurde zum Beispiel der Schriftzug „Kein Heim“ sowie ein Hakenkreuz an die Wand der ehemaligen Kita in der Dresdner Straße 288 gemalt, die künftig als Asylbewerberheim genutzt werden soll. An der Bahnunterführung Carl-Thieme-Straße/Dresdner Straße stand „No Asyl“ und „SS“ an der Wand, an der Tharandter Straße prangten Hakenkreuze. Das Dezernat Staatsschutz der Dresdner Kriminalpolizei fasste Ende März einen 28-Jährigen. Gegen den Freitaler wird wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.

Die Mitarbeiter von Biotec entfernen auch asylkritische Graffiti an unzähligen Strom- und Telefonverteilerkästen sowie Werbeflächen in der Stadt – etwa an der Schacht- oder der Gutenbergstraße. Ab Mitte Mai wird eine zweite Gruppe mithelfen, die Schmierereien zu entfernen. Wenn jemand eine Schmiererei entdecke, könne dies auch direkt an das Rathaus gemeldet werden. Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) hofft, „dass wir mit dieser Aktion das Stadtbild wieder in Ordnung bringen und dass diese Schmierereien der Vergangenheit angehören“, sagt er. „Bei allem Verständnis für die Sorgen, solche Sprüche sind nicht legitim.“ Das koste die Gesellschaft viel Geld – es gehe um eine fünfstellige Summe. „Das würden wir lieber in Kitas investieren.“