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Noch dieses Jahr Richtfest

© Visualisierung: Saal GmbH

Während am Herzogin Garten der Wohnungsbau wächst, gibt es noch immer Unklarheit bei der Orangerie. Investor Saal braucht Sicherheit.

Von Peter Hilbert und Bettina Klemm

Noch vor wenigen Monaten klaffte eine gewaltige Baugrube am Herzogin Garten. Doch davon ist jetzt nicht mehr viel zu sehen. Nur im hintersten Streifen des geschichtsträchtigen Areals gegenüber dem Zwinger, wo die Orangerie nach historischem Vorbild wieder errichtet werden soll, geht es noch hinab. Gleich daneben arbeitet Gashy Burim, zurrt mit schnellen Griffen den Draht um die nächsten Bewehrungsstähle. Der 28-jährige Eisenflechter arbeitet hier mit seinen Kollegen seit November vergangenen Jahres. Gemeinsam mit den Tief- und Spezialbauern haben sie bereits viel geschafft.

© SZ/Peter Hilbert

Investor Reinhard Saal lässt hier sein Palais An der Herzogin Garten errichten. In dem rund 200 Meter langen Gebäude sollen 105 Wohnungen und drei Läden entstehen. Eine entscheidende Etappe ist jetzt geschafft, berichtet Saals Projektleiter Torsten Nowack. Auf rund 3 500 Quadratmetern musste eine sogenannte weiße Wanne für Tiefgaragen und Keller gebaut werden. Dabei handelt es sich um einen schweren Stahlbetontrog mit Bodenplatte und Seitenwänden, die völlig wasserdicht sind. Doch bis die fertig sind, musste aus fünf Brunnen das Grundwasser in die Elbe abgepumpt werden. „Das haben wir wie mit der Stadt vereinbart bis 31. März geschafft“, sagt der Projektleiter. Die Pumpen konnten abgeschaltet werden. Anfang dieser Woche haben Monteure noch das letzte Stück der markanten roten Hochleitung über der Ostra-Allee abgebaut.

Die Arbeit im Untergrund stellte die Tiefbauer vor enorme Herausforderungen. So verläuft ein 1867 gebauter Abwasserkanal aus Sandsteinen rechtwinklig zur Ostra-Allee quer durchs Baugrundstück. Das etwa zwei Meter hohe Bauwerk wird von der Stadtentwässerung noch genutzt. Deshalb musste die Tiefgarage in zwei Teilen gebaut werden, eine geht zwei Stockwerke in die Tiefe, die andere nur eins. Um den historischen Kanal zu sichern, errichteten die Spezialbauer der sächsischen Firma Heinz Lange eine vier Meter hohe Schutzhaube. Um stabile Seitenwände zu errichten, mussten 50 Bohrpfähle in den Untergrund getrieben werden.

Währenddessen sorgten ihre Dresdner Kollegen von der Tiefbaufirma A.R.D dafür, dass die Erdmassen ausgehoben und abtransportiert werden. „In Hochzeiten sind dafür zehn Sattelzüge gefahren“, erzählt Nowack. Jetzt können die Tiefbauer die Kellerwände schon wieder außen verfüllen. „Diese Firmen haben einen hervorragenden Job gemacht“, sagt der Projektleiter. Der 41-Jährige ist froh, dass das Wetter so mitspielt.

Am hintersten, etwa 90 Meter langen Teil des Neubaus in Richtung Postplatz, unter dem es wegen des alten Kanals nur eine Tiefgarage gibt, bauen die Männer der Firma Otto Quast schon am ersten Obergeschoss. Mit dem Familienunternehmen arbeitet Investor Saal schon lange zusammen. Daneben reichen Tiefgaragen und Keller zwei Stockwerke in die Tiefe. Ein knappes Drittel der obersten Kellerdecke muss noch geschlossen werden. Bis Mitte Mai soll das geschafft sein. Daran arbeiten auch Gashy Burim und seine Eisenflechterkollegen. Insgesamt sind auf der Baustelle etwa 50 Leute im Einsatz. „Bis Ende dieses Jahres wollen wir den Rohbau abgeschlossen haben“, sagt Projektleiter Nowack. Dann kann Richtfest gefeiert werden.

So einen klaren Fahrplan wünscht sich auch René Schulz für den Wiederaufbau der Orangerie nach historischem Vorbild. Der Chef der Firma Memesy hat in den vergangenen Monaten Nutzer für das Gebäude gesucht, dessen lichtdurchfluteter Saal nahezu ideal für Veranstaltungen ist. „So gibt es ein großes Interesse an Konzerten, Ausstellungen und Events aller Art. Wir haben Zusagen für eine abgestimmte Nutzung des Hauses“, sagt Schulz. Ideal wäre ein Kammermusiksaal für die Dresdner Staatskapelle.

Noch sind es Träume, denn die Finanzierung bleibt ein Knackpunkt. Investor Saal ist bereit, die Orangerie für eine kulturelle Nutzung zu errichten. Aber er rechnet für das Ensemble von Orangerie und dazugehöriger Parkanlage mit einem zweistelligen Millionen-Betrag. Dafür benötige er einen verlässlichen Partner. Das könnte auch der Betreiber der Gastronomie in der Orangerie mit einem Bürgen im Hintergrund sein. Da die meisten möglichen Nutzer Einrichtungen des Freistaates sind, wäre eine öffentliche Unterstützung ideal. Weil Schulz die bisher nicht erzielen konnte, verhandelt er nun mit einem regionalen Finanzinstitut. Eigentlich sollte die Entscheidung längst gefallen sein. Aus technischen Gründen muss der Orangerie-Bau etwa gleichzeitig mit dem Wohnungsbau und der Gestaltung der Parkanlage erfolgen.