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Noch ein Putin-Versteher

Michail Gorbatschow, gefeiert beim Mauerfall-Jubiläum, nimmt den Kremlchef in Schutz und warnt vor einem Kalten Krieg.

© Reuters

Noch einmal schlugen ihm Ovationen entgegen, als er beim Festakt zum Mauerfall-Jubiläum am Berliner Gendarmenmarkt erschien. Noch einmal hörte er die „Gorbi, Gorbi“-Rufe, als sich die symbolische Lichtgrenze aus 7.000 weißen Ballons auflöste. Michail Gorbatschow, der sichtlich gealtert wirkte, wurde als Wegbereiter der deutschen Einheit gefeiert.

Doch zu den Gedenkfeiern steuerte der 83-Jährige auch kritische Töne bei. Er warf dem Westen vor, nach 1989 seine Versprechen gegenüber Moskau nicht gehalten und Vorteile aus Russlands Schwäche gezogen zu haben. Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt, die Sanktionen und das angespannte Verhältnis warnte er vor einem neuen Kalten Krieg. Der schade auch der deutsch-russischen Partnerschaft, ohne die es keine Sicherheit in Europa geben könne.

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Damit bestätigte Gorbatschow seinen Ruf als besonnener Mahner – eine Rolle, in die er seit seinem Abschied aus der aktiven Politik geschlüpft ist. Seine Bedenken wollte der Friedensnobelpreisträger gestern Abend auch Angela Merkel vortragen. Allerdings blieb der Inhalt des Gesprächs vertraulich. Man könne aber davon ausgehen, dass es zur Krise in der Ukraine „Bewertungsunterschiede“ gebe, ließ Regierungssprecher Seibert vorab vielsagend durchblicken.

Es mag die Kanzlerin überrascht haben, dass sich Gorbatschow zum Fürsprecher des russischen Präsidenten Putin macht. Schließlich hatte er den Kremlchef in den letzten Jahren heftig kritisiert, weil er die Pressefreiheit und andere demokratische Prinzipien missachtet. Mit seiner Sorge steht Gorbatschow nicht allein. Sie wird auch von einstigen politischen Schwergewichten im Westen wie Hans-Dietrich Genscher oder Henry Kissinger geteilt.

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Gorbatschow, der im März 1985 zum KPdSU-Generalsekretär gewählt worden war, hatte mit seiner Perestroika den Wandel in Mittel- und Osteuropa eingeleitet. Doch der Hoffnungsträger wurde am Ende zum Totengräber eines Systems, das er eigentlich reformieren wollte. Dass er daran scheitern würde, war spätestens nach dem Drei-Tage-Putsch stalinistischer Betonköpfe im August 1991 klar. Während Gorbatschow im Westen hohes Ansehen genießt, ist er bei vielen seiner Landsleute nicht wohlgelitten. Sie machen ihn bis heute für den Zerfall der Sowjetunion verantwortlich. (SZ/fg mit dpa)