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Noch einmal zum Reinschauen: Tellkamp und der Dichterstreit

Der ganze Abend im Kulturpalast als Video-Dokumentation.

Dresdner Dichter: Durs Grünbein und Uwe Tellkamp
Dresdner Dichter: Durs Grünbein und Uwe Tellkamp © SZ-Archiv/Jürgen Loesel

Der Abend sollte noch auf Tage die Debatte in den deutschen Feuilletons bestimmen. Anfang März lieferten sich im Dresdner Kulturpalast die Schriftsteller Uwe Tellkamp und Durs Grünbein einen verbalen Schlagabtausch um Flüchtlingspolitik und Meinungsfreiheit. Bei der Debatte vor mehreren Hundert Zuschauern sagte der 49-jährige Tellkamp zu den Motiven von Flüchtlingen unter anderem: „Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent.“

Beide Autoren haben in der Stadt ihre Wurzeln und gehören zu den angesehensten, sprachmächtigsten Vertretern ihrer Branche. Den Anlass des Gesprächs lieferten die Ereignisse auf der Frankfurter Buchmesse. Der Börsenverein als Branchenvertreter hatte dort zum Protest gegen rechtsnationale Verlage aufgefordert. Daraufhin warnte eine vom Dresdner Buchhaus Loschwitz initiierte „Charta 2017“ vor „Meinungsdiktatur“.

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Grünbein, wie Tellkamp in Dresden geboren, warb für einen Wandel in der politischen Debatte und verteidigte die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Tellkamp bemängelte, dass die Grenzöffnung am Bundestag vorbei erfolgt sei. Den Medien unterstellte er, in der politischen Auseinandersetzung mit zweierlei Maß zu messen.

In seinem Roman „Der Turm“ (2008) hatte Tellkamp die letzten Jahre der DDR von 1982 bis 1989 im bürgerlichen Dresdner Milieu aufgearbeitet. Dafür erhielt er den Deutschen Buchpreis und weitere Auszeichnungen. Regisseur Christian Schwochow verfilmte den Roman mit Jan Josef Liefers und Claudia Michelsen in den Hauptrollen. Der von der ARD im Oktober 2012 erstmals ausgestrahlte Zweiteiler wurde mehrfach preisgekrönt. Das Werk wurde auch auf die Bühne gebracht.

Uwe Tellkamp gehört zu den Erstunterzeichnern der „Charta 2017“. Grünbein gehört zu der Schriftstellergruppe, die dieser Charta „verbale Entgleisungen“ vorwirft. 

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Die Diskussion wurde von Karin Großmann, Chefreporterin der Sächsischen Zeitung, moderiert. Hier gibt es die Veranstaltung noch einmal komplett zu sehen - sie beginnt ab Minute 11 mit der Begrüßung von Annekatrin Klepsch, Dresdens Kulturbürgermeisterin. (SZ/dpa)