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Noch kein Plan B für den Ernstfall

Der deutsche Sport diskutiert über den politischen Konflikt im Osten Asiens – und jetzt auch einen Olympia-Verzicht.

© dpa

Von Tino Meyer

Die Österreicher wollen auf keinen Fall, auch die Franzosen würden verzichten. Schweden und Dänen sind sich nicht sicher, die Russen aber ganz bestimmt dabei. Und der deutsche Sport – grübelt nun ebenfalls offen über das Für und Wider einer Absage der Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang.

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Am Mittwoch hat sich das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) angesichts der Korea-Krise erstmals ernsthaft mit der derzeitigen Sicherheitslage im Osten Asiens beschäftigt. Das Ergebnis ist das erwartete: „Für uns steht die Sicherheit für das gesamte Team Deutschland an oberster Stelle“, sagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann und schließt sich fast wortgleich den Kollegen der meisten anderen europäischen Länder an. Gleichzeitig betont Hörmann jedoch auch: „Diskussionen über mögliche konkrete Maßnahmen halten wir derzeit für verfrüht.“

Felix Neureuther, Deutschlands Alpinstar, kann dieser Meinung indes nichts abgewinnen. Stattdessen hat er kürzlich sowohl Hörmann als auch Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), für deren Haltung hart kritisiert. Es sei extrem schade, „dass das Thema ziemlich runtergespielt wird, als ob nix sei. Aber es ist ja eigentlich der Wahnsinn“, sagte Neureuther. Pyeongchang liegt nur etwa 80 Kilometer von der Demilitarisierten Zone (DMZ) und damit zur Grenze zwischen Süd- und Nordkorea entfernt. Und zuletzt haben die Spannungen zwischen dessen Machthaber Kim Jong-un, der die Welt mit Raketentests provoziert, und den militärischen Drohgebärden des amerikanischen Präsidenten Donald Trump eher zu- als abgenommen.

Neureuther fordert deshalb eine klare Stellungnahme. Zudem erwägt der 33-Jährige selbst einen Verzicht auf die Spiele, die vom 9. bis 25. Februar 2018 stattfinden. Er könne sich nicht „hinstellen und sagen: Ja, super, jetzt bin ich bei Olympia und will da alles geben – und daneben sagt der eine, ich zerbombe das Land, und dann sagt der andere Nein, ich zerbombe das Land. Und dann zündet der eine eine Wasserstoffbombe“, meint Neureuther und legt nach: „Entschuldigung, aber ich fahre da einen Slalom, und da fliegen Raketen über mich drüber, was ist denn da eigentlich los? Das ist Wahnsinn!“

Andere Athleten reagieren bislang eher zurückhaltend. Auch die sächsischen Bobsportler um den Pirnaer Weltmeister Francesco Friedrich beschäftigen sich derzeit mehr mit dem eigenen Formaufbau als mit politischen Unwägbarkeiten. Zu weit weg sind die Spiele noch.

Die Position der Funktionäre ist vorerst ohnehin unverändert. Er habe den festen Glauben „an eine diplomatische Lösung und an den Frieden“ erklärte Bach bei der IOC-Sitzung im peruanischen Lima am Anfang des Monats. Er setzt dabei nicht zuletzt auf einen von der Uno auszuhandelnden olympischen Waffenstillstand.

Angst müssten Athleten und Zuschauer jedenfalls nicht haben – bekräftigt auch Pyeongchangs Organisationschef Lee Hee-beom: „Es gibt keinen Plan B, da die Spiele auf dem Prinzip des olympischen Waffenstillstandes basieren.“ Die olympische Fackel werde plangemäß am 24. Oktober in Griechenland entzündet und am 1. November in Südkorea ankommen. Er versichert, dass „die Olympischen Spiele in vollkommener Sicherheit stattfinden“.

IOC-Exekutivmitglied Gian Franco Kasper geht sogar noch weiter: „Der sicherste Ort während der Spiele wird Pyeongchang sein. Bei all den üblichen Vorkehrungen“, meint der Schweizer, der zugleich den mächtigen Ski-Weltverband Fis anführt. Doch auch er befürchtet, „dass gewisse Nationen die Spiele boykottieren könnten, weil es ihnen zu riskant erscheint, ihre Athleten dorthin zu schicken“.

Beim DOSB spielen sie derweil auf Zeit. Man werde in den nächsten Monaten die Situation und die Entwicklung „genau im Auge behalten“ und sich mit dem Internationalen Olympischen Komitee und dem Auswärtigen Amt permanent austauschen. „Auf dieser Grundlage werden wir gemeinsam mit den Wintersportverbänden verantwortungsbewusst prüfen, wie vorzugehen ist, damit nicht akzeptable Risiken bestmöglich auszuschließen sind“, erklärt Hörmann im besten Funktionärsdeutsch.

Der Countdown läuft so oder so. Bis zur geplanten Eröffnungsfeier sind es noch genau 133 Tage. (mit dpa, sid)