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Politik

Tausende Grundschullehrer werden fehlen

Die Grundschulen werden voller, aber es fehlen viele Lehrer. Jetzt gibt es neue, sehr drastische Zahlen. Die Kultusminister sagen: es wird schon viel getan.

Bis 2015 fehlen laut einer Studie 26.300 Grundschullehrer in Deutschland.
Bis 2015 fehlen laut einer Studie 26.300 Grundschullehrer in Deutschland. © Sebastian Gollnow/dpa (Symbolfoto)

Gütersloh. Bis zum Jahr 2025 werden Prognosen der Bertelsmann-Stiftung zufolge mindestens 26 300 Lehrer an Grundschulen fehlen. Damit sei die Lage noch dramatischer, als von der Kultusministerkonferenz (KMK) erwartet, heißt es in einer am Montag vorgelegten Studie der Stiftung. Die KMK hatte im vergangenen Oktober einen Mangel von 15.300 Grundschullehrern im Jahr 2025 errechnet.

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung bezieht sich auf die Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamts von Juni 2019. Sie geht für das Jahr 2025 von 3,254 Millionen bis 3,323 Millionen Kindern zwischen sechs und zehn Jahren aus. Die Experten orientierten sich nach eigenen Angaben an der fast niedrigsten Variante – und kamen dabei bereits auf ein Plus von 168.000 Kindern zur Zahlenbasis der Kultusministerkonferenz. Die Folge: Für 2025 müssten noch mal 11.000 Lehrer mehr eingestellt werden, als von der KMK ermittelt.

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Die neue Studie sei „ein Weckruf“, sagte Mit-Autor Dirk Zorn, denn die Kinder, die im Jahr 2025 in der Grundschule lernen werden, seien schon alle auf der Welt. Die Stiftung plädiere für schnelle Lösungen. So solle man zum Beispiel Quereinsteiger mit Fachstudium aber ohne Lehramtsabschluss einstellen oder angehende Ruheständler ermuntern, länger zu unterrichten.

Eben dies geschehe bereits in den Ländern, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz. Zudem liefen verschiedene Maßnahmen zur Steigerung der Zahl der Lehramtsstudierenden und der Attraktivität des Berufs, so Lorz, der Kultusminister in Hessen ist. „Dass der Bedarf an Grundschullehrern größer ist als zunächst angenommen, zeigen auch unsere aktuellen Zahlen“, betonte Lorz.

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Grund sei neben steigenden Geburtenzahlen vor allem die Zuwanderung nach Deutschland. „Es muss auch berücksichtigt werden, dass die Ausbildung zum Lehrer fünf bis sieben Jahre dauert. Wenn es also heute einen Mangel an Mathematiklehrern gibt, dauert es bis zu sieben Jahre, bis zusätzliche neue Lehrer nachkommen“, erklärte der Minister. Die Lage in den einzelnen Ländern stelle sich aber sehr unterschiedlich dar: „Es ist nicht so, dass in ganz Deutschland voll ausgebildete Lehrkräfte flächendeckend zu Tausenden fehlen.“

Sachsen erstellt alle zwei Jahre eine eigene Schüler- und Lehrerbedarfsprognose, sagt Susann Meerheim, die Sprecherin des Kultusministeriums. Vor 2016 war es nur alle sechs Jahre. „Wir sind also flexibler geworden, um auf Veränderungen schneller reagieren zu können“, so Meerheim. Die Prognose geht im Jahr 2025 von 129.400 bis 136.700 Kindern in der Grundschule aus. Das Ministerium rechnet in den nächsten Jahren mit einem Bedarf von 7.500 bis 8.000 Stellen für Grundschullehrer.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte mit Blick auf die Studie erneut, den Numerus clausus für das Lehramt an Grundschulen abzuschaffen sowie die Zahl der Studien- und Lehramtsanwärterplätze auszubauen. In Sachsen wurde die Zahl der Studienplätze schon 2012 von 320 auf 550 erhöht und die Ausbildung an der TU Chemnitz wieder eröffnet. Die Lehramtsanwärter kommen nun auf den Arbeitsmarkt. „Unser Problem ist nicht, dass die Prognose und der Bedarf auseinandergehen“, sagt Kultussprecherin Susann Meerheim, „sondern, dass die Bewerber hauptsächlich in Dresden und Leipzig unterrichten möchten“. Um mehr Grundschullehrer auf dem Land zu binden, hat Sachsen kürzlich zwei neue Ausbildungsstätten in Löbau und Annaberg-Buchholz eröffnet. (dpa mit SZ/sca)

Im Internet: die Lehrer-Studie der Bertelsmann-Stiftung