Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Mehr leere Geschäfte am Obermarkt

Für manche Läden gibt es schon nach kurzer Zeit Interessenten. Bei anderen sehen die Makler derzeit nur wenig Chancen für eine Neuvermietung.

Teilen
Folgen
NEU!
© André Braun

Von Cathrin Reichelt

Döbeln. Am Obermarkt gibt es bereits fünf leere Schaufenster. Ab 1. Oktober wird es eins mehr sein. Das Reformhaus schließt. Mit diesem Geschäft sind es dann rund 20, die allein in der Döbelner Innenstadt leerstehen. Einige Händler haben ihre Selbstständigkeit aufgegeben, weil sich der Umsatz nicht mehr lohnte und die Kunden lieber in den großen Einkaufszentren der Großstädte oder im Internet kaufen. Andere hörten aus Altersgründen auf und fanden keinen Nachfolger.

Vermietung von Geschäft über zwei Etagen ist problematisch

Das ehemalige Fahrradgeschäft an der Ecke Obermarkt/Sattelstraße macht äußerlich den schlechtesten Eindruck. Die Fensterscheiben sind teilweise beschmiert. Im Inneren sieht es so, als sei nach der Flut im Jahr 2013 kein Handschlag getan worden. Der Händler war damals an einen hochwassersicheren Standort umgezogen.

Aber der äußerliche Schein täuscht, meint Hans-Peter Dittrich von SD-Immobilien. Die Sanierung des Ladens liege in den letzten Zügen und es gäbe erste Gespräche mit Interessenten. Die Beantragung von Fördergeld für die Beseitigung von Hochwasserschäden sei schwieriger gewesen und habe sich länger hingezogen, weil der Besitzer des Gebäudes im Ausland wohnt.

Problematischer gestalte sich die Vermietung des ehemaligen Geschäftes von Intersport an der Bäckerstraße. „Es gibt einen Interessenten, aber der möchte nur das Erdgeschoss nutzen. Dazu gibt der Vermieter bisher keine Zustimmung“, so Dittrich. Er schätzt es aber als schwer ein, einen Händler für eine Fläche von 300 Quadratmetern zu finden, die sich über zwei Etagen verteilt, wobei es zur oberen keinen Aufzug gibt.

Dittrich selbst will sich erweitern und übernimmt ein leerstehendes Geschäft in der Passage Alter Reichshof für sein Sachverständigenbüro. Keine Vermittlungschancen sieht der Makler derzeit für das Geschäft am Obermarkt, in dem es einst Platten für Küche und Bad gab.

Neuer Eigentümer saniert Läden in der Rathauspassage

Die Rathauspassage ist schon seit Längerem verwaist. Von den sechs Geschäften stehen vier leer. Deren Schaufenster sind verhangen. Deshalb hat auch kaum jemand bemerkt, was dahinter passiert. Seit Jahresbeginn hat die Immobilie einen neuen Besitzer. „Der saniert die Geschäfte zurzeit“, sagt Marina Lachotta von TL Immobilien. Die Erneuerung von Fußböden, das Fliesen von Wänden und Streichen von Treppenhäusern in dem Komplex nennt sie als Beispiele. An der Aufteilung der Geschäfte wird dabei nichts verändert. Vonseiten des Vermieters bestehe großes Interesse, die Geschäfte zu beleben. Es habe auch schon Anfragen gegeben. „Aber vor einer Entscheidung soll die Sanierung beendet werden“, so Marina Lachotta.

Ladenflächen in der Parkhauspassage scheinbar zu groß

Erst seit Kurzem ist der ehemalige Tchiboladen an der Bäckerstraße frei. Die Lage scheint interessant zu sein. Denn es habe bereits erste Besichtigungen gegeben, erklärt Peter Ilschmann von P & I Immobilien. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Keine Anfragen hat der Makler dagegen für die drei Geschäfte in der Parkhauspassage. Dass die Flächen relativ groß sind, könnte ein Grund sein, vermutet er.

Bei der Neuvermietung hat die TAG die Sortimentsvielfalt im Blick

Insgesamt fünf Geschäfte am Obermarkt, an der Kreuz- und Ritterstraße will die TAG Immobilien AG wieder vermieten. Sie stehen zwischen wenigen Wochen und knapp zwei Jahren leer. „Es werden sinnvolle Ergänzungsanbieter zu den bereits bestehenden Ladengeschäften sondiert. Damit hier eine optimale Sortimentsvielfalt vorhanden bleibt“, erklärt Pressesprecherin Grit Zobel. Für zwei Läden ist das Unternehmen mit Interessenten im Gespräch. Das Problem bestehe darin, „die passenden Anbieter zu finden, die genau in die vorhandene Ladenlandschaft passen, ohne eine Mehrfachbelegung zu erzeugen.“

Einige Ladengrößen lassen sich kaum noch vermieten

Keine Probleme mit leerstehenden Läden in der Innenstadt hat Wolfgang Müller. „Als Gewerbevermieter muss man den Trend erkennen und mitgehen“, sagt er. Gewisse Ladengrößen ließen sich kaum noch vermieten. Das sei vor allem bei kleineren Gewerbeflächen der Fall, auf denen der Händler nur allein hinter dem Ladentisch stehe. „Wenn sie mal krank sind, müssen sie zumachen und verlieren Umsatz“, so Müller. Deshalb versuche er flexibel zu reagieren und zum Beispiel eine benachbarte Wohnung einem Geschäft anzugliedern und entsprechend umzubauen. Insgesamt sieht Müller die Entwicklung in der Innenstadt positiv und betrachtet die leerstehenden Läden als Neuausrichtung in der Geschäftswelt.