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Karl May´s geheime Schätze

„Verborgene Schätze“ titelt das Karl-May-Museum seine jetzt öffnende Sonderschau – mit Raritäten, die noch kein Besucher gesehen hat.

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© Arvid Müller

Von Peter Redlich

Radebeul. Wenn ein Museum sein Depot öffnet, kommt Erstaunliches ans Tageslicht. Auch im Radebeuler Karl-May-Museum. „Verborgene Schätze“ nennen die Ausstellungsmacher ihre jetzt eröffnete Sonderschau mit Gegenständen, die vorher noch keine Besucher zu Gesicht bekam. Der Kontrast im Blockhaus der Villa Bärenfett zwischen der Dauerschau und dem jetzt Hervorgeholtem ist gehörig.

Figuren aus Sumatra oder Tanzpuppen aus Java sind in der Sonderausstellung zu sehen.
Figuren aus Sumatra oder Tanzpuppen aus Java sind in der Sonderausstellung zu sehen. © Arvid Müller
Auch die Kampfausrüstung eines persischen Kriegers mit Köcher und Bogen wird den Besuchern gezeigt.
Auch die Kampfausrüstung eines persischen Kriegers mit Köcher und Bogen wird den Besuchern gezeigt. © Arvid Müller

Während in den dunkelbraunen Schaukästen die Indianerfamilie dem Besucher zuwinkt, glänzt in einer der frisch blau gestrichenen Sonderausstellungsvitrinen die Rüstung eines persischen Kriegers nebst Pfeilköcher und Bogen. Kustos Robin Leipold: „Ein Ausstellungsstück, welches sicher auch der Rüstkammer in Dresden gefallen würde.“ Karl May war ja nicht nur der Erfinder von Winnetou und Old Shatterhand. Aus seiner Feder stammt auch der Orientheld Kara Ben Nemsi.

4 000 Gegenstände im Besitz

Leipold, der verantwortliche Wissenchaftler des Museums: „Wir haben etwa 4 000 Gegenstände im Besitz. Aber nur die Hälfte davon zu Nordamerika.“ Die neue Schau will zeigen, was die wichtigsten Sammler Karl May und dessen zweite Ehefrau Klara, Museumsgründer Patty Frank und etwa auch Krankenschwestern aus der Schweiz zusammengetragen haben.

Federkronen brasilianischer Indios beispielsweise. Die haben die helfenden Damen vom Roten Kreuz für ihre lebenserhaltenden Dienste von Ureinwohnern Brasiliens als Dank bekommen. Und weil die Schweizerinnen auch Karl-May-Fans sind, schenkten sie dem Museum eine Sammlung sehr seltener Federkronen.

Noch nie gesehen haben die Besucher auch hiesige Schattenspielfiguren aus Java und Sumatra. Die hat wahrscheinlich Klara May gesammelt, sagt Kustos Leipold. Erst vor wenigen Tagen konnte der ehemalige Kustos des Museums eine wertvolle Schrift für das Museum erwerben. Ein Gedicht, welches der Abenteuerschriftsteller Karl May auf einer Orientreise um 1900 einem Reisenden in dessen Poesiealbum schrieb.

Das älteste Objekt in der Sammlung des Museums ist zugleich das kleinste in der Schau. Eine Krawattennadel aus dem ägyptischen Museum in Kairo, 4 000 Jahre alt. May habe diese auf einer seiner Reisen dem Museum abgekauft. Das edle Stück wurde mit zwei weiteren Fayencen in Kairo erworben. Es hat die Form eines Skarabäus, ein im alten Ägypten verehrter Käfer.

Bisher streng verwahrt Stücke

Der Hut von Klara May, die immer behütet ging, darf nicht fehlen. Deren letzte Haushälterin hat ihn dem Museum als Nachlass übergeben. Und erstmalig werden den Besuchern auch zwei wertvolle Teile aus der Sammlung gezeigt, die in den letzten Monaten Schlagzeilen machten. Zum einen der Festanzug des berühmten Lakota-Häuptlings Red Cloud (Rote Wolke, 1822-1909). Der Anzug eines der größten militärischen und politischen Führer der Prärie-Indianer galt als verschollen und wurde erst kürzlich im Mannheimer Völkerkundemuseum entdeckt und dem Radebeuler Museum zurückgegeben.

Mindestens ebenso wertvoll und bisher streng verwahrt, aber jetzt gezeigt, ist die Selbstdarstellung des berühmten Indianerhäuptlings Mato Tope. Eine A3-Zeichnung, der Kenner den Wert einer sechsstelligen Eurosumme zuschreiben.

Wer all das sehen will, kann die Sonderausstellung im Karl-May-Museum bis zum 31. August 2016 besuchen, ohne dafür extra Eintritt zu zahlen.