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Noch schnell die weiße Weste

In 25 Tagen tritt in Deutschland das neue Punktesystem für Verkehrssünder in Kraft. Fahrschulen profitieren schon jetzt.

© dpa

Von Marco Henkel

Ab Mai ist der Führerschein bereits bei acht, statt wie bisher bei 18 Punkten in Flensburg weg. Und bei einigen Verkehrsvergehen wird es für Autofahrer künftig deutlich teurer. Denn in diesem Jahr gilt beim Verkehrszentralregister in Flensburg: Alles neu macht der Mai. Die Behörde heißt künftig Fahreignungsregister, und auch sonst wird die Verkehrssünderdatei grundlegend reformiert. Bei sächsischen Fahrschulen sorgt diese Änderung für eine große Nachfrage nach den sogenannten Aufbau-Seminaren für Punkteauffällige (ASP). „In der Tat fragen noch vor Einführung des neuen Punktesystems viele Betroffene bei uns an“, erzählt der Vorsitzende des Landesverbands sächsischer Fahrlehrer, Andreas Grünwald aus Leipzig.

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Diesen Eindruck bestätigt auch sein Kollege Torsten Rösler aus Dresden. „Die Nachfrage hat sich bei uns quasi verdoppelt“, erklärt der Fahrlehrer. „Die Leute haben erkannt, dass es nach der Reform deutlich schwerer sein wird, Punkte abzubauen. Viele wollen deswegen noch vor der Umstellung ihre Weste sauber waschen.“

Momentan können durch die freiwillige Teilnahme an einem ASP noch je nach Punktestand bis zu vier Punkte abgebaut werden. Der Aufbau der Seminare ist gesetzlich festgeschrieben. „Das derzeitige ASP besteht aus vier Gruppensitzungen und einer Fahrprobe und hat eine Dauer von zwei bis vier Wochen“, erklärt Grünewald. Wer noch vor der Umstellung sein Verkehrsregister bereinigen will, muss sich also sputen. Denn die Bescheinigung für die Teilnahme an dem Seminar muss spätestens am letzten Öffnungstag der Führerscheinstelle im April vorgelegt werden.

Ab Mai werden nämlich auch die Punkteabbauseminare neu strukturiert. Die vier Termine teilen sich dann auf je zwei Sitzungen in der Fahrschule und beim Verkehrspsychologen auf. Abbauen lässt sich mit den Fahreignungsseminaren, wie die ASP ab Mai heißen, nur noch ein Punkt. Trotzdem, so Fahrlehrer Rösler, würden die neuen Seminare in Zukunft deutlich teurer werden. Momentan kostet ein Aufbrauseminar je nach Fahrschule zwischen 150 und 400 Euro. Der Durchschnittspreis liegt bei ungefähr 200 Euro.

Wer derzeit mehr als acht Punkte auf seinem Konto in Flensburg angesammelt und keinen Platz mehr in einem Abbauseminar bekommen hat, muss nach der Umstellung auf das neue Punktesystem natürlich trotzdem nicht automatisch seinen Führerschein abgeben. Bereits bestehende Einträge rechnet das Kraftfahrt-Bundesamt mithilfe einer Tabelle um. Niemand solle nach der Umrechnung schlechter dastehen als davor, sagte der ehemalige Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der die Punktereform auf den Weg gebracht hat.

Aus acht bis zehn Punkten im alten System werden beispielsweise vier im neuen. 14 bis 15 alte Punkte sind bald sechs Punkte wert. Gleichzeitig wird der Bußgeldkatalog angepasst. Für sehr schwere Verkehrsstraftaten gibt es künftig höchstens drei Punkte. Noch sind es sieben. Bei anderen Vergehen wird es überhaupt keine Punkte mehr geben, dafür wird es für die Sünder empfindlich teurer. So kostet etwa die Einfahrt in eine Umweltzone ohne Plakette bald 80 Euro. Bisher waren es nur 40 Euro, und obendrauf gab es einen Punkt in Flensburg. Der Gebrauch des Handys am Steuer oder auch die Überschreitung der Geschwindigkeitsgrenze um 20 km/h wird dagegen auch im neuen 8-Punkte-System mit einem Punkt bestraft. Der Führerschein ist hier also deutlich schneller weg.

Im Jahr 2012 wurden laut Kraftfahrbundesamt in Sachsen insgesamt 21.296 Fahrverbote ausgesprochen und 5.523 Führerscheine ganz eingezogen. Laut Ex-Minister Ramsauer wird die Reform dazu führen, dass die Zahl der Führerscheinentzüge um zehn Prozent zunimmt.