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Noch viel Platz auf der A17

Seit September 2017 ist die Autobahn Dresden – Prag durchgängig befahrbar. Wie wirkt sich das auf deutscher Seite aus?

© Andreas Weihs

Von Jörg Stock

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Pirna. Es war der letzte Akt nach über 27 Jahren Bauzeit: Im September 2017 wurden zwölf Kilometer Autobahn im Böhmischen Mittelgebirge, bis dato nur einspurig und tempolimitiert befahrbar, freigegeben. Seither ist die Strecke von Dresden nach Prag, blumig als „Porta Bohemica“, Böhmische Pforte, bezeichnet, ohne Einschränkung befahrbar. Etwa ein Drittel liegt auf deutscher Seite. Schon seit 2006 ist die Autobahn A17 zwischen Dresden-Nord und tschechischer Grenze in Betrieb. Hat die Komplettfreigabe den Verkehrsstrom anschwellen lassen? Mit welchen Folgen?

Fahren jetzt wirklich viel mehr Autos auf der A 17?



Ja, zumindest wenn man das Verkehrsaufkommen am Übergang von der tschechischen D8 zur deutschen A17 in Breitenau betrachtet. Im November 2016 waren dort – die Fahrtrichtungen Dresden und Prag zusammengerechnet – im Schnitt 13 384 Fahrzeuge pro Tag unterwegs. Ein Jahr später, im November 2017, wurden täglich 16 058 Fahrzeuge gezählt. Das entspricht einer Zunahme des Verkehrs um rund 20 Prozent, wobei es knapp 26 Prozent mehr Pkws gab und knapp 13 Prozent mehr Lastkraftwagen. Allerdings, sagt Isabel Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr, ist die Zählstelle an der Grenze nicht repräsentativ für die Verkehrsbelastung der A17 als Ganzes. Tatsächlich waren auf der Gesamtstrecke im November 2016 durchschnittlich 26 139 Fahrzeuge am Tag auf Achse. Ein Jahr später zählte das Amt 28 560 Fahrzeuge. „Im Mittel ergibt sich somit insgesamt ein Anstieg der Verkehrsmenge um 9,3 Prozent“, erklärt Sprecherin Siebert. Zur Einordnung: Im Raum Dresden werden pro Tag weit über 50 000 Fahrzeuge auf der A17 festgestellt. Der Anstieg im Vergleich zu 2016 ist hier nur minimal, liegt bei knapp drei Prozent.

Kommt die A17 in absehbarer Zeit an ihre Kapazitätsgrenze?

Eher nicht. Die vierspurige Straße verträgt in der Regel bis zu 70 000 Fahrzeuge am Tag. Nach den aktuellen Prognosen werden für das Jahr 2030 tägliche Verkehrsmengen zwischen 23 000 Fahrzeugen bei Breitenau und 57 000 Fahrzeugen bei Dresden angenommen.

Wie unfallträchtig ist die A17 seit ihrer Fertigstellung?


„Wir haben keine Anhaltspunkte, dass die Komplettfreigabe und Verkehrszunahme eine Unfallhäufung mit sich bringen.“ Das sagt Gerald Baier, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion in der Polizeidirektion Dresden, und damit auch Chef der Autobahnpolizei. Im Jahr 2015 gab es 280 Unfälle auf der A17 mit fünf Schwer- und 32 Leichtverletzten. 2016 waren es 256 Unfälle mit 13 Schwer- und 36 Leichtverletzten, allerdings auch mit zwei Toten. Für 2017, das Jahr der durchgängigen Befahrbarkeit, erwartet der Polizist ähnliche Zahlen wie 2015. Unfallschwerpunkte ließen sich auf der A17 nicht ausmachen. Die Unfallursachen seien, alle Autobahnen im Direktionsbereich betrachtet, vor allem unangepasstes Tempo (38 Prozent), mangelnder Sicherheitsabstand (21 Prozent) und Fehler beim Nebeneinanderfahren (13 Prozent), also etwa beim Spurwechsel oder beim Einfädeln.

Es heißt, besonders Tschechen würden auf der A17 gerne rasen. Stimmt das?


Die Polizei hat dafür keinerlei Belege. Unangepasstes Tempo sei bei Fahrern aller Nationen anzutreffen, sagt Polizeirat Baier. Aus persönlicher Erfahrung weiß er aber, dass polnische und tschechische Fahrer die freigegebenen Bereiche deutscher Autobahnen gern nutzen, „um schnell voranzukommen“. Rechtswidrig sei dies nicht. In den Nachbarländern gelten hingegen Tempolimits, in Tschechien sind das 130 km/h.

Wie sieht es mit der Kriminalität aus? Ist die A17 da etwas Besonderes?



Offenbar nicht. Das Autobahnpolizeirevier ist täglich mit etwa zehn Beamten im Streifendienst auf der A17 und den anderen Autobahnen rund um Dresden unterwegs. Dabei werde „ein bunter Blumenstrauß“ von Delikten registriert, sagt Gerald Baier. Das gehe vom Fahren ohne Führerschein über Sachbeschädigungen und Diebstähle bis zum Ladungsklau von Lastwagen durch die „Planenschlitzer“. Daten speziell für die A17 sind laut Polizei-Pressestelle nicht ohne Weiteres herauszufiltern.

Wie sieht die Bundespolizei die Lage an der A17?


Die Bundespolizei fahndet an der Autobahn vor allem nach Personen und Sachen. 2016 gelangen der Inspektion Berggießhübel dabei 3 361 Treffer. 2017 waren es knapp 4 000. Mit dem zunehmenden Verkehr habe dies allerdings nichts zu tun, sagt Inspektionssprecher Martin Ebermann, „eher mit den guten Spürnasen der Kollegen“. Ausschlaggebend für Kontrollen seien nicht die Fahrzeugmengen, sondern die polizeiliche Lage und gewisse Fahndungsraster. Die Zahl der jährlichen Feststellungen habe sich bei dreieinhalb bis viertausend eingepegelt.

Der Parkraum für Laster ist oft zu knapp. Auch an der A17?

Laut Gerald Baier von der Verkehrspolizei hält sich das Problem an der A 17 noch in Grenzen, könnte sich aber mit der Zunahme des Verkehrs verschärfen. Auf den Rastplätzen Heidenholz und Nöthnitzgrund gibt es aktuell 60 Parkplätze für Lkw. Eine weitere Rastanlage mit 60 Stellflächen für Laster soll zwischen Pirna und Bad Gottleuba entstehen. Wie das Straßenbauamt mitteilt, sind jetzt die Voruntersuchungen dazu im Gange. Die Abstimmungen mit den Kommunen und anderen Betroffenen seien für die zweite Jahreshälfte geplant.