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Nudossi im Glas fällt bei Öko-Test durch

Die Zeitschrift testet 20 Nussnougatcremes. 14 bekommen mangelhaft und ungenügend. Die Radebeuler reagieren darauf.

© Norbert Millauer

Radebeul. Der schokoladige Brotaufstrich ist beliebt auf Deutschlands Frühstückstischen. Wohl deshalb untersucht die Zeitschrift Öko-Test im Abstand von zwei und drei Jahren immer wieder den Inhalt in den Gläsern und Bechern. Beim gerade veröffentlichten Ergebnis bekommen 14 von 20 Nussnougatcremes ein mangelhaft (8) oder ungenügend (6) – Marktführer Nutella und die palmölfreie Radebeuler Creme Nudossi werden mit ungenügend bewertet. Die Nudossi-Hersteller antworten jetzt zu dem Ergebnis. Thomas Hartmann, Geschäftsführer der Sächsischen und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG sagt zu der schlechten Bewertung Folgendes.

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Wie haben Sie im ersten Schritt auf die Testergebnisse reagiert?

Wir haben die Analyse intern wie extern intensiv ausgewertet und zum Anlass genommen, das Thema gerade auch mit unseren Rohstofflieferanten zu diskutieren, die Umstände zu klären und Lösungen zu finden, um derartige Ergebnisse zukünftig zu vermeiden. Künftig fordern wir beispielsweise für jede Lieferung ein Analysezertifikat an.

Kritisiert wird bei allen Cremes der hohe Zuckergehalt.

Wir stellen eine Süßware her. Dafür wird eine bestimmte Menge Zucker benötigt. Dieser kann durch den Verbraucher aller verpackter Lebensmittel als exakter Zuckergehalt in der Nährwerttabelle – immer bezogen auf 100 Gramm und nicht portionsweise – geprüft werden. Nuss-Nougat-Cremes sind und bleiben Genussmittel.

Sie sind erst vor einem Jahr von Öko-Test gelobt worden, weil in Radebeul Nudossi palmölfrei hergestellt und damit der Regenwald in Südamerika geschont wird. Jetzt wurde in der palmölfreien Variante der Fettschadstoff Glycidol nachgewiesen. Können Sie erklären, was genau dahinter steckt?

Glycidol entsteht vor allem bei der Raffination pflanzlicher Fette und Öle, also bei der Wärmebehandlung zum Zweck von Reinigung und Veredlung. Rohe Öle enthalten verschiedene Begleitstoffe, welche das Öl geruchlich und geschmacklich beeinträchtigen und aus diesem Grund entfernt werden. Raffinierte, nicht naturbelassene native Speiseöle und Speisefette enthalten daher Glycidol in zum Teil erheblichen Mengen. Die Substanz wurde auch in zahlreichen anderen erhitzten Lebensmitteln, zum Beispiel in dunkel geröstetem Toastbrot, in der Rinde von Brot und in Sojasoßen nachgewiesen. Die Analysemethoden zur Bestimmung besitzen dabei jedoch mit 40 Prozent Schwankungsbreite einen sehr hohen Messunsicherheitsbereich.

Was bedeutet das für die Verwendung?

Bisher wurde seitens der EU noch kein gesetzlicher Grenzwert für Glycidol festgelegt, an welchen wir unsere Fettlieferanten binden können. Lediglich durch die europäische Sicherheitsbehörde EFSA erfolgte eine Bewertung des Glycidols. Daraus entstand ein Verordnungsentwurf für den Glycidolgehalt in Ölen und Fetten, welcher am 22. August 2017 veröffentlicht wurde. Die Herstellung des untersuchten Produktes erfolgte allerdings vor der Veröffentlichung des Tests.

Inwiefern kann Nudossi als Hersteller in diesem Bereich Einfluss nehmen?

Direkten Einfluss können wir bei der Herstellung des Fettes nicht nehmen, auch, weil es eben keinen gesetzlichen Grenzwert gibt. Aus diesem Grund haben wir uns für die Zusammenarbeit mit einem namhaften Hersteller entschlossen, welcher an dem aktuellen Konzept zur Minimierung der 3-MCPD-Fettsäure-Estern und Glycidol-Fettsäure-Estern mitarbeitet. Der Hersteller untersucht seine Fette ebenfalls nach einem festgelegten Untersuchungsplanes. Auch wir haben unser Produkt vor der Markteinführung auf diese Stoffe testen lassen. Alle Parameter lagen im normalen Bereich.

Beim Test wurden auch Fremdstoffe wie die gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH/POSH nachgewiesen, die bei Tierversuchen Organschäden verursachten.

Mineralölkohlenwasserstoffe können durch eine Vielzahl an Eintragungswegen in Lebensmittel gelangen, etwa durch gezielte Verwendung von Paraffinen oder Weißölen, durch Schmieröle in Ernte- und Verarbeitungsmaschinen, durch Abgase, Jutesäcke oder Druckfarben in Recyclingkartons. In der Lebensmittelindustrie verwendete pflanzliche Fette stammen meist aus dem südamerikanischen und südasiatischen Raum, weil eben nur dort diese Rohstoffpflanzen wachsen. Diese Anbauregionen bergen immer ein hohes Risiko für nichtkontrollierte Eintragungen in geringen Mengen. Insgesamt sind die Eintragswege in Öle und Fette bisher nicht vollständig aufgeklärt und deshalb auch an dieser Stelle durch den Gesetzgeber keine Regelungen getroffen worden. Einzig für die Migration von Druckfarben wurde ein Grenzwert festgelegt.

Wie gehen Sie bei der Nudossi-Herstellung künftig mit dem Thema um?

Die Markteinführung unseres Produktes Nudossi palmölfrei zeigt, dass wir immer wieder neue Wege suchen und Lösungen diskutieren. Das werden wir auch weiterhin tun.

Interview: Peter Redlich

Auf der Facebook-Seite von Nudossi gibt es zu dem Öko-Test-Ergebnis zahlreiche Meinungen.