merken

Nützt die Radweg-Sperrung der Innenstadt?

Mitten in der Saison wird der Elberadweg in Strehla gebaut. Die SZ hat unter anderem gefragt, ob dies das Zentrum der Kleinstadt belebt.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Strehla. Die Sonne steht hoch am Himmel über Strehla. Kaum Wolken, an die 25 Grad Außentemperatur. So schön wie am Montag ist es in letzter Zeit des Öfteren gewesen. Wetter, bei dem in dieser Zeit auch viel Betrieb auf dem Elberadweg herrscht. In Strehla wird ein reichlicher Kilometer der beliebten Radroute derzeit saniert. Mit der Baumaßnahme werden Schäden beseitigt, die noch vom Hochwasser 2013 herrühren. Eigentlich hatte der Bau schon im Frühjahr starten sollen. Probleme mit der Ausschreibung verzögerten den Start aber bis in die Radsaison hinein. Seit rund vier Wochen müssen die Radfahrer und -touristen deshalb einen Umweg durch Strehlas Innenstadt nehmen.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Die Stadtväter hatten sich im Vorfeld des Baus erhofft, dass so mehr Radler in die Stadt gelangen und diese dadurch mehr von Strehla sehen. Und dass dadurch auch die sonst etwas abseits der Touristenroute liegenden Lokale profitieren werden. Trifft das zu?

Wirte spüren Umleitung kaum

Wirt Klaus Müller vom gleichnamigen Restaurant und Eiscafé unweit vom Schlossplatz hat keinen erhöhten Zulauf in den vergangenen Wochen bemerkt, sagt er – und mit diesem Eindruck ist er nicht allein. Dem Lokalbetreiber ist nach eigenem Bekunden bisher gar nicht aufgefallen, dass die Radweg-Umleitung direkt vorbei an seinem Lokal verläuft. Im Lindenhof an der Lindenstraße hat man zwar bemerkt, dass Hinweisschilder aufgestellt und die Radweg-Umleitung am Lokal vorbeiführt, sagt Chefin Ute Rehm.

Aber dass mehr Radler halten und Rast machen würden, lasse sich nicht sagen. Ob tagsüber mehr Radler vorbeifahren als sonst spiele auch keine Rolle, da der Lindenhof wochentags erst um 17 Uhr öffne. Die Öffnungszeiten auszuweiten, um dadurch vielleicht mehr Radler abzufangen? Mit ihrem kleinen Team von vier Stammkräften plus einigen Aushilfen sei das nicht zu stemmen. Und ob es sich rechne, wenn man weitere Leute einstelle, sei fraglich. Ohnehin sei das Geschäft mit Radfahrern schwierig, so die Wirtin. „Radfahrer brauchen tagsüber nicht allzu viel Gastronomie.

Die frühstücken ordentlich und essen abends“, so Ute Rehm. Davon profitiere der Lindenhof dann, wenn Radtouristen in Strehla übernachten. In der Gaststätte am Nixstein hatten die Inhaber derweil im Vorfeld der Sperrung Bedenken gehabt, dass Radler wegbleiben, weil sie nicht die ausgeschilderte Umleitung nehmen, sondern schon vorher abbiegen. Doch diese Befürchtung habe sich nicht bestätigt, sagt Wirtin Edelgard Reschke.

Radler entdecken Ungeahntes

Und wie sehen Elberadweg-Nutzer die Strehlaer Umleitung? Manche ignorieren sie schlicht – und schieben ihr Rad neben der Baustrecke her. Die meisten allerdings lassen sich offenbar von den Schildern leiten – und nehmen den Weg durch die Stadt. Der wiederum ist ganz schön anstrengend. Das niederländische Paar Hans und Ineke Bruin zum Beispiel hat in den niedrigsten Gang seiner Fahrräder geschaltet, um von der Fischergasse in den Schlosshof zu fahren. Beide schwitzen und keuchen.

Bei einem Plausch im Schatten des Schlosses ruhen sie sich einen Moment aus. Ohne die Umleitung wären sie wohl nicht in die Stadt hinaufgefahren, sagt das Ehepaar im fortgeschrittenen Alter. Sie zeigen sich erstaunt über das große Schloss. „Das hätten wir nicht gesehen.“ Das Paar, das an diesem Tag von Coswig aus gestartet ist und noch bis Torgau radeln will, verabschiedet sich. Bis auf vereinzelte Radler sind in der Strehlaer Innenstadt an diesem Nachmittag allerdings nur wenige Elberadweg-Nutzer auszumachen.

In der Tourist-Information am Schloss registriert man derweil durchaus, dass in den vergangenen Wochen mehr Radler in der Stadt vorbeischauen. Trotz verkürzter Öffnungszeiten liege die Zahl der Besucher nämlich etwa auf Vorjahresniveau. Und man sehe auch, dass viele Radler vorbeikommen – die Umleitung führt direkt vorm Fenster der Touri-Info am Schlossplatz vorbei.

Bauleute liegen im Plan

Auf der eigentlichen Elberadweg-Baustelle sind am Montag die Bauarbeiten in vollem Gange. Es wird Asphalt aufgetragen. „Wir liegen voll im Plan“, sagt Bauplaner Heiko Zscheile vom zuständigen Riesaer Ingenieurbüro, das die Arbeiten koordiniert. Abgesehen vom neuen Belag, der das alte Pflaster ersetzt, werde sich am Radweg wenig ändern. Die Breite bleibt gleiche wie bisher. Nach Abschluss der Asphaltierung ist unter anderem noch Rasen am Randbereich angesagt. Außerdem sollen neue Sitzbänke und Mülleimer am Radweg aufgestellt werden. Bis 10. August soll die Radweg-Reparatur abgeschlossen sein.