Teilen:

Nur die Kerzen sind übrig

© Sammlung Ralph Schermann

Von der alten Muschelminna-Pyramide auf dem Postplatz in Görlitz ist kaum noch etwas da. Dabei hätten sie die Händler gern wieder aufgestellt.

Von Matthias Klaus

Neben einem weißen Stern aus Herrnhut stehen sie, die letzten Überreste der früheren Pyramide, die in der Weihnachtszeit auf dem Postplatz aufgebaut wurde – auf dem Plan, wie er ganz früher hieß, auf dem Hindenburgplatz, dem Platz der Befreiung, wie auch immer.

Von ihr sind nur die zwei Kerzen übrig geblieben. © Stadtverwaltung Görlitz
In diesem Jahr soll der Brunnen auf dem Postplatz per LED beleuchtet werden. © NEL GmbH

Die goldenen Ringe um die Kerzenmitte sind ebenso gut erhalten wie die „Flammen“ und ihre Einfassung. Und das Rot glänzt fast noch so schön wie früher. Die Kerzen nebst zugehöriger Pyramide standen zu DDR-Zeiten rund um Weihnachten auf dem Platz im Görlitzer Zentrum, lange, bevor die „richtige“ Muschelminna wieder ihren Platz über und in dem Brunnen bezog. „Es wäre nett, wenn wir die alte Pyramide wiederfinden und sie anderswo in der Innenstadt aufstellen könnten“, findet Thomas Schynol, Chef der Görlitzer Händlergemeinschaft, dem Aktionsring.

Erinnerungen wecken

Gerade im Advent haben sich die Innenstadthändler der Belebung der Innenstadt verschrieben. Die Pyramide käme da sicher gut zur Geltung, würde bei Görlitzern und Stadtbesuchern aus dem Umland wohl Erinnerungen wecken.

Allerdings: Die Suche nach dem hölzernen Bauwerk ist schwierig. Fest steht: Die Pyramide wurde von Mitarbeitern der Dekorationsabteilung der Stadthalle aufgebaut, konstruiert wurde sie wohl von Görlitzer Waggonbauern. Aber wo sind die Einzelteile der Pyramide geblieben?

Sylvia Otto aus der Stadtverwaltung hat für die SZ nachgeforscht. Ein schwieriges Unterfangen, wie sie sagt. Am Ende stellte sich heraus: Die Pyramide als Ganzes existiert offenbar nicht mehr. Aber Sylvia Otto ist trotzdem fündig geworden. In einem Lager der Stadt, im städtischen Betriebshof, stöberte sie wenigsten zwei Kerzen der früheren Pyramide auf. Sie sind offenbar alles, was von dem Bauwerk übrig blieb. Was aus ihnen wird – völlig unklar.

So oder so. Die Görlitzer Händler möchten den Muschelminna-Brunnen wieder in der Adventszeit zum Leuchten bringen. Im November 1887 wurde das Original feierlich enthüllt. Der Architekt Robert Toberentz hatte sie geschaffen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Bronzestatue eingeschmolzen. Anfang Mai 1994 kam sie wieder.

Hauptsponsor Shell

Etwa 500 Görlitzer und Gäste sahen sich an, wie die 1,4 Tonnen schwere Figur ihren Platz einnahm. Die Firma Shell, deren Zeichen die Muschel ist, war einer der Hauptsponsoren. Bildhauer Friedemann Klos aus Dresden schuf die über 3,60 Meter hohe Bronzeplastik nach Bildvorlagen neu. Er hatte den Auftrag 1987 noch zu DDR bekommen. Fünf Jahre dauerte es, bis das Tonmodell fertig war. Die Figur der „Minna“ wurde schließlich in Lauchhammer gegossen. Wenn das Rathaus zustimmt, wird sie in diesem Advent leuchten – Dank LED-Technik.

Sind die beiden Kerzen wirklich die letzten Überreste der Pyramide vom Postplatz? Oder lagern anderswo noch Teile? Erzählen Sie es uns: SZ Görlitz, Lokalredaktion, An der Frauenkirche 12, 02826 Görlitz; [email protected]