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Nur einer kommt durch

Der Kenianer Eliud Kipchoge triumphiert beim verregneten Berlin-Marathon – die Weltklasse-Konkurrenten geben auf.

© REX/Shutterstock

Von Florian Krebl

Der Olympiasieger kämpfte um jede Sekunde. Auf der langen Berliner Zielgeraden Unter den Linden schüttelte Eliud Kipchoge endlich auch noch den frechen, unerwartet starken Neuling Guye Adola ab. Doch für das ganz große Ziel reichte es am Ende nicht. Bei seinem nächsten Marathon-Triumph in Berlin hat der Kenianer, spätestens seit diesem Jahr der Superstar seiner Branche, den Weltrekord um ganze 35 Sekunden verpasst.

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Debüt des Tages: Anna Hahner meldet sich zurück, und auch Zwillingsschwester Lisa ist glücklich.
Debüt des Tages: Anna Hahner meldet sich zurück, und auch Zwillingsschwester Lisa ist glücklich. © dpa

Nach 2:03:32 Stunden setzte sich Kipchoge im verregneten, nasskalten Berlin durch – mit einem Lächeln im Gesicht. „Das war der schwerste Marathon meines Lebens“, sagte er – genau 151 Tage nach seinem Sololauf in 2:00:25 Stunden unter Laborbedingungen in Monza. „Ich bin glücklich, gewonnen zu haben. Die Bedingungen waren diesmal echt nicht so gut. Zum Glück gab es nicht so viel Wind“, sagte der 32-Jährige, der unbedingt die Weltbestmarke seines Landsmannes Dennis Kimetto aus dem Jahr 2014 attackieren wollte. Die steht weiter bei 2:02:57 Stunden.

Und trotzdem: Kipchoge lieferte als bester Marathon-Läufer der Welt eine weitere beeindruckende Machtdemonstration ab. Der Rio-Olympiasieger ist seit vier Jahren über die klassischen 42,195 Kilometer ungeschlagen und verwies den Äthiopier Adola mit einer taktischen Meisterleistung bei dessen erstem Marathon-Start in 2:03:46 Stunden auf den zweiten Rang. Adola legte das beste jemals gelaufene Debüt hin und schnupperte sechs, sieben Kilometer vor Schluss sogar am ganz großen Coup. „Das war ein tolles Duell, so ist der Sport“, sagte Kipchoge, was zwei seiner ebenso hoch gehandelten Konkurrenten auf andere, bittere Weise erfahren mussten.

Der frühere Weltrekordler Wilson Kipsang aus Kenia musste nach 30 Kilometern entkräftet und von Magenproblemen geplagt aufgeben. Der Vorjahressieger und dreimalige Bahn-Olympiasieger Kenenisa Bekele ließ bereits kurz nach der Hälfte die Spitzengruppe ziehen, und später stieg der Äthiopier ebenfalls vorzeitig aus.

Eine Weltklasse-Zeit gab es auch bei den Frauen. Die favorisierte Gladys Cherono gewann in 2:20:23 Stunden. Aus deutscher Sicht sorgte indes Anna Hahner für das beste Ergebnis. „Es war ein Vergnügen heute, ich habe jeden Kilometer genossen. Ich bin total happy“, sagte sie. Die 27-Jährige überzeugte in der Hauptstadt mit einer starken Leistung.

Bei ihrem ersten Klassiker nach ihrem umstrittenen Olympia-Auftritt in Rio, als sie als 81. nach 2:45:32 Stunden Hand in Hand mit ihrer Zwillingsschwester Lisa ins Ziel lief, kam Hahner in 2:28:32 Stunden als Fünfte ins Ziel – und knackte zudem die Norm für die EM 2018 in Berlin. Oben drauf gab es zudem 10 000 Euro Preisgeld.

Für Philipp Pflieger endete das Rennen dagegen in einem Drama. Der Regensburger schaffte es nach einem verheißungsvollen Start und konstant guten Zwischenzeiten nicht ins Ziel. Zunächst hatte es noch danach ausgesehen, dass er möglicherweise unter der EM-Richtzeit von 2:14:00 Stunden bleiben könnte. Doch gleich mehrere Schwächeanfälle zwangen ihn zur Aufgabe. Unter Tränen stieg er ins Begleitauto. „Das ist extrem bitter“, sagte der 30-Jährige, „das war so, als wenn mir jemand den Stecker gezogen hätte.“

Freuen durfte sich der große Triumphator Kipchoge – für ihn klingelte schließlich auch die Kasse. 40 000 Euro kassierte er für den Tagessieg, weitere 30 000 Euro gab es für eine Zeit unter 2:04:00 Stunden. Dass er den zusätzlichen Weltrekordbonus von 50 000 Euro nicht auch noch einstreichen konnte, wird ihn weniger aus finanzieller Sicht ärgern. Wohl aber aus sportlicher. „Ich will den Weltrekord“, hatte er vor dem Rennen klar gesagt: „In Monza war ich so nahe daran, die Zwei-Stunden-Marke zu brechen. Jetzt ist Berlin für mich die passende Gelegenheit, den offiziellen Weltrekord anzugreifen.“

Anfang Mai hatte Kipchoge mit 2:00:25 Stunden die beste jemals gemessene Zeit erzielt – jedoch unter Laborbedingungen auf der Formel-1-Rennstrecke. Dort standen ihm unter anderem wechselnde Tempomacher zur Verfügung, die ihm vom Start bis ins Ziel Windschatten schufen. Das ist in regulären Rennen nicht erlaubt.

Nun kostete ihn der regennasse Asphalt und die hohe Luftfeuchtigkeit vermutlich den offiziellen Weltrekord. Er aber verabschiedete sich mit einer Kampfansage: „Ich glaube immer noch, dass ich den Weltrekord brechen kann.“(sid, mit SZ und dpa)