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Nur für Selbsttrinker

Beim Döbelner Weinfest gibt es keinen Döbelner Wein. Die Hobbywinzer suchen nach einem Weg aus dem Dilemma.

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© André Braun

Von Jens Hoyer

Döbeln. Johann Kehl hat im vergangenen Jahr von seinem Weinberg etwa 300 Liter der Sorte Regent gekeltert. Eigentlich ein bisschen zu viel, um es ganz allein zu trinken. Aber Wein aus Döbeln wird auch in diesem Jahr auf dem Weinfest nicht ausgeschenkt. Kehl gibt zu, das rigide Weingesetz als Landtagsabgeordneter in den 90er Jahren selbst mit beschlossen zu haben. Für den Eigenbedarf dürfen die Weinberge der Hobbywinzer nur ein Ar, also 100 Quadratmeter groß sein. Maximal 99 Reben sind möglich, der Verkauf des Weins ist nicht zulässig. Der Chef des Weinbauvereins Döbeln und Umgebung findet das schade. Immer mehr Hobbywinzer legen sich kleine Weinberge an. „Wir haben jetzt erst wieder zwei neue Mitglieder gewonnen“, sagte Kehl. Sein Traum: Irgendwann auch Weine aus Döbeln und Umgebung anzubieten und dem Weinfest damit eine besondere Note zu geben.

Wie das möglich ist, darüber macht man sich im Weinbauverein durchaus Gedanken. „Früher hat Döbeln zum Anbaugebiet Meißen gehört. Der Wein, der hier angebaut wurde, ist in Meißen gekeltert worden“, erzählte Kehl. Ein erster Schritt wäre, dem Sächsischen Weinbauverband beizutreten. Wenn es gelingt, Döbeln dem Weinbaugebiet Meißen zuzuschlagen, könnten auch Rebrechte beim Landwirtschaftsministerium beantragt werden. Dann könnte der erzeugte Wein auch auf dem Weinfest probiert werden.

Hoffen auf ein paar sonnige Tage

In Kehls Weinberg hängen die Trauben an den Reben, mit Netzen vor gefräßigen Vögeln geschützt. Noch fehlt es ihnen an der nötigen Süße. Kehl hofft noch auf ein paar sonnige Tage. Ende September, Anfang Oktober soll die Lese erfolgen. Kehl keltert selbst. „Nach dem Lernen, wie man Wein macht, kommt jetzt Phase, wie man guten Wein macht“, sagt Kehl. Die Döbelner Hobbywinzer kommen dazu auch mit Profis ins Gespräch. In diesem Jahr waren sie an der Mosel. „Wir sind dort bei den Winzern herumgereicht worden.“

Den richtigen Zeitpunkt für die Lese zu erwischen, das erfordert Erfahrung. Der Wein braucht genügend Öchsle, um gut zu werden, darf aber auch nicht zu lange hängenbleiben. Der Jahrgang 2015 vom Kehlschen Weinberg ist ein eher leichter und aromatischer Rotwein. „Ich lasse ihn immer zertifizieren. Der Jahrgang 2015 ist gelungen. Man trinkt heute gerne leichte Weine“, sagt Kehl.

Beim Weinfest am Sonnabend bekommen die Gäste zwar keinen Döbelner Wein ausgeschenkt – aber sonst vieles von dem, was die Weinanbaugebiete Europas hergeben. Gefeiert wird dieses Mal auf der Breiten Straße. „Damit haben wir eine sehr gute Lösung gefunden. Ich finde es dort angenehmer als im vergangenen Jahr auf dem Niedermarkt“, sagte Kehl. Wichtig ist für die Weinhändler auch der kurze Weg zu den Spülmaschinen für die Gläser. Diese werden beim Weinhändler Roßberg aufgestellt. Ein Anbieter von ungarischem Kesselgulasch, Langosch und Paprikawurst soll das Speisenangebot bereichern. Ein neuer Weinhändler will Meißner Weine anbieten. Am Nachmittag kommt auch eine Grundschulklasse mit selbst gebackenem Kuchen aufs Weinfest. „Sie will dort Geld für ihre Klassenfahrt sammeln“, sagte Kehl. Auf einer großen Bühne auf der Breiten Straße und einer kleinen Bühne unter den Platanen am Niedermarkt gibt es Programme mit Musik und Tanz.

Im kommenden Jahr soll das Fest wieder an alter Stelle auf dem Lutherplatz ausgerichtet werden. Dann will der Weinbauverein 200 Jahre Döbelner Weinberg feiern. Das ist der früheste Zeitpunkt, zu dem gesichert die Existenz des Weinbergs nachgewiesen ist – vermutlich ist er aber noch viel älter. Er befand sich dort, wo Kehl seit acht Jahren seinen Reben pflegt.

Döbelner Weinfest, Sonnabend ab 11 Uhr auf der Breiten Straße.